Klagenfurter Klagetage

Zum heutigen Beginn der 32. Klagenfurter Literaturwettbewerbs fragt sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ besorgt, ob die körperliche Betätigung nicht zu kurz komme. Unter der Überschrift „Klagenfurter Klagetage“ zeichnet sie ein düsteres Stimmungsbild: „Ein wenig fühlt es sich schon an, als komme man auf eine Party, deren letzte Gäste gerade gehen. Nach den drei EM-Gruppenspielen ist der Ausnahmezustand in Klagenfurt vorüber, spielt das Spiel anderswo.“ Zwar hätten die Bachmänner ihr eigenes Fußballmatch: ORF-Auswahl gegen Kritiker-Autoren-Mannschaft. Doch: „Findet das aber überhaupt statt in diesem Jahr? Ist ja alles eingedampft worden von fünf auf zweieinhalb Tage, statt achtzehn werden vierzehn Autoren teilnehmen.“ Es solle ja, bitte schön, kein Badeurlaub am Wörther See sein, sondern Arbeit. „Ernsthaft ist die Literatur, gramgebeugt und todesnah.“

Auch die „Tageszeitung“ aus Berlin fragt sich, wie das Beiprogramm des Lesemarathons in diesem Jahr aussehen soll: „Der Wetterdienst sagt Regen voraus. Das ist insofern natürlich schade, als das Baden im Wörthersee zu den größten Vergnügen gehört, die der deutschsprachige Literaturbetrieb zu bieten hat.“ Selbstverständlich fahre man „auch wegen der Lesungen“ zum Bachmannpreis nach Klagenfurt. Aber das Bekenntnis sei durchaus angebracht, dass die Aussicht auf die obligatorischen Fahrradfahrten zum See während der Mittagpause oder am Abend der Vorfreude nicht im Wege stehe. „Wahrscheinlich würden viel weniger freundschaftliche Beziehungen geknüpft zwischen Schriftstellern, Kritikern, Verlegern und Presseabteilungen, würde dieses eingespielte Begleitprogramm diesmal regenbedingt ins Wasser fallen.“

(Foto: Der deutsche Autor Lutz Seiler (M.) bei der Preisverleihung zum Ingeborg Bachmann Preis im Juli 2007. Links Thomas Stangl (Preis der Jury), rechts Jan Boettcher (Ernst Willner Preis); dpa)

AUTOREN

Groschenhefte: Ob Kernige Pfarrer, ängstliche Hausmädchen oder nette Landärzte –  Groschenhefte erfreuen sich nach wie vor hoher Auflagen. Doch die Autoren dahinter kennt kaum jemand. Zeit Online stellt vier von ihnen vor.
zeit.de

Ernst Jünger: Ihm wird die große Ehre zuteil, wieder nach Paris zurückkehren zu dürfen. Seine Tagebücher I bis III („Journaux de guerre“) erscheinen in der edel aufgemachten Prestigereihe „Bibliothèque de la Pléiade“ bei Gallimard.
fr.online

Stefan George: Die Ausstellung „Das geheime Deutschland. Eine Ausgrabung“ im  Marbacher Literaturmuseum (noch bis 31. August) streichelt seine hässlichen Häupter und zeigt zahlreiche Porträtskulpturen.
taz.de

ONLINE

Bill Gates: Er hat am morgigen Freitag seinen letzten Arbeitstag und verwandelt sich nun endgültig vom Microsoft-Gründer in einen Vollzeitstifter.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 16

Maxdata: Der Computerhersteller Maxdata aus Marl hat beim Amtsgericht Essen den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 17

MEDIEN & MÄRKTE

DDVG: Die SPD-Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) hat trotz sinkender Gewinne 2008 mehr Geld an die Partei abgeführt als 2007: 8,7 Millionen Euro sind ausgeschüttet worden.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 17

Schlechte Noten für Verbraucherschutz: Steigende Preise und kein Durchblick. Mehr als zwei Drittel der deutschen Verbraucher sind einer Studie zufolge mit ihrer Situation unzufrieden.
Süddeutsche Zeitung, S. 21, tagesspiegel.de, taz.de

Rote Zahlen: Die Nachrichtenagentur dpa macht erstmals einen operativen Verlust.
Süddeutsche Zeitung, S. 17

SZENE

Keine Hofdichterin: Margaret Hodge, britische Staatsministerin für Kultur, beklagt, dass zu wenig Frauen an die Spitze des Kulturbetriebs befördert werden. Doch gleich drei renommierte Dichterinnen haben das Amt des freiwerdenden Postens des Hofdichters ausgeschlagen: Er sei zu bedeutungslos.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, S. 39

Neue Version des „ß“: Dem seit der Rechtschreibreform sträflich vernachlässigten „ß“ steht womöglich eine Renaissance bevor: Als Großbuchstabe.
Süddeutsche Zeitung, S. 11, standard.at, tagesspiegel.de

Österreich: Einen Querschnitt durch die zeitgenössische österreichische Literatur bietet das 5. Literaturfestival „O-Töne“ ab 3. Juli. Mit dabei sind u.a. Friederike Mayröcker, Norbert Gstrein und Gustav Ernst.
standard.at

Autorenlabor: Keine Angst vor große Gefühlen und Berührungen hatten die Autoren beim Autorentheater-Festival „Gimme Shelter“ in Düsseldorf. Das in der ehemaligen Alten Paketpost durchgeführte Autorenlabor mausert sich zum modernsten und großzügigsten Probebühnenzentrum Deutschlands.
Süddeutsche Zeitung, S. 15

Sprachkrieg: Das Baskenland hat beschlossen, ab dem Schuljahr 2009/2010 nur noch in Baskisch zu unterrichten. Das Spanische ist damit als Unterrichtssprache abgeschafft.
Süddeutsche Zeitung, S. 15

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