Der Markt für Printlexika ist nicht tot

Das Bertelsmann Lexikon Institut bringt im September das auf der Online-Enzyklopädie basierende „Wikipedia-Lexikon in einem Band“ auf den Markt (hier die Pressemitteilung). Im Interview erklärt Verlagsleiterin Beate Varnhorn (Foto) die Hintergründe.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Kooperation?
Wir wollen mit dem Lexikon und der Marke Wikipedia neue Zielgruppen für das Lexikon und das gedruckte Buch gewinnen.

Mehrere Verlage wie zuletzt Directmedia/Zenodot, die eine 100-bändige Print-Version der Wikipedia herausbringen wollten, haben sich mit Wikipedia-Printablegern verhoben. Was machen Sie besser?
Wir konzentrieren uns bei diesem Einbänder bewusst auf die Stärke der Wikipedia – ihren hohen Grad an Aktualität und die starke Partizipation der User. Aus der Kombination dieser Stärken und der langen redaktionellen Erfahrung des Verlages in Sachen Lexikon ist ein sehr spannendes Lexikon entstanden.

Kannibalisiert das Lexikon nicht Ihre sonstigen Lexika?
Das Wikipedia-Lexikon konkurriert nicht mit unserem klassischen Lexikonangebot, sondern stellt vielmehr eine ideale Ergänzung des Programms dar. Es ist völlig anders konzipiert als klassische Lexika und spricht auch andere, neue Zielgruppen an.

Wie unterscheidet sich dieser von anderen Einbändern?
Das Wikipedia-Lexikon fasst die im Jahr 2007/2008 meistgesuchten Begriffe und Informationen der Wikipedia in einem Band kompakt zusammen. Es ist damit eher ein „lexikalisches Jahrbuch“, dessen Stichwortauswahl z.T. ungewöhnlich und daher unique und durchaus spektakulär ist. Auch die Definitionen unterscheiden sich im Umfang und in der Art von denen klassischer Lexika. Es spricht völlig neue Zielgruppen an: onlineaffine, jüngere Leser ebenso wie am Tagesgeschehen interessierte Käufer.

Ist der Markt für Print-Lexika im Internetzeitalter nicht schon tot?
Der Markt für Printlexika ist keineswegs tot. Wir verzeichnen weiterhin Verkaufszahlen insbesondere bei den ein- bis dreibändigen Enzyklopädien. Hier hat sich das Angebot in den letzten Jahren entsprechend erweitert.

Die Fragen stellte Daniel Lenz

Hier außerdem ein Interview mit Arne Klempert, Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, zur Kooperation mit Bertelsmann.

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