»Dieser Weg ist neu, probieren wir aus, wohin er führt«

Denis Scheck

Denis Scheck ist der Jury-Vorsitzende beim Wettbewerb „Blogbuster“, bei dem 16 Literaturblogger einen neuen Roman akquirieren. Dem Gewinner winkt ein Verlagsvertrag, der Titel soll im nächsten Jahr auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden.

Was ist das Ziel der Aktion? Funktioniert Literatur heute nur (noch) als Event?

Ziel ist natürlich immer die Förderung guter Literatur, die Entdeckung neuer Autorinnen und Autoren. Und dafür gehe ich gern bislang unbeschrittene Wege – man sollte schließlich nicht immer vor den Ohren der ohnehin schon Konvertierten predigen. Warum das gleich gar so kulturpessimistisch unter „Trend zum Event“ abbuchen? Ich bin mir zum Beispiel recht sicher, daß der extrem technikaffine Dr. Franz Kafka aus Prag heute auch im Internet unterwegs wäre. Der Mann hat schließlich den Anrufbeantworter erfunden, wenn man seinem Biographen Reinahrd Stach glauben darf.

Blogs richten sich in erster Linie an Leser. Sind sie der richtige Kanal zur Akquise von Autoren?

Welcher Weg der richtige ist, weiß man immer erst hinterher. Die schönste Zeile der amerikanischen Lyrik lautet: „To multiply the harbours does not reduce the sea“ – mehr Häfen zu bauen nimmt dem Meer nichts von seiner Größe. Dieser Weg ist neu, probieren wir aus, wohin er führt. Sie wissen doch, daß Tolkien seine Hobbits im Auenland immer vor Straßen gewarnt hat, weil man nie weiß, wohin sie einen bringen …

Sollten Blogger stärker in die Autorenfindung eingebunden werden?

Wir kommen ja nicht als „Blogger“, „Lektoren“, „Agenten“ oder „Kritiker“ zur Welt, sondern bemühen uns zunächst mal darum, literarische Maßstäbe zu entwickeln und in der Diskussion mit anderen Lesern zu schärfen. Und warum sollte es Menschen mit unbestechlichem Urteil für literarische Qualität nicht auch unter Bloggern geben?

Braucht es den klassischen Baukasten zur Bewertung von Literatur also nicht, um ein gutes Buch zu entdecken?

Ich besitze „den klassischen Baukasten zur Bewertung von Literatur“ leider auch nicht. Wo gibt’s den? Bei Fisher Prize oder Märklin? Im Ernst: Literatur entsteht in der Konfrontation eines menschlichen Gehirns mit einem fiktionalen Text. Ich bin mir sehr sicher, daß sich in der deutschsprachigen Bloggerszene sowohl Gehirne wie Texte finden lassen.

Gestartet wird das Projekt am 21. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse im Orbanism Space (Halle 4.1, D88).

Foto: Günter Schwiering

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