Wenn die Gelegenheit Zweitbetriebe macht

Für viele unabhängige Buchläden werden Nachfolgelösungen gesucht. Eine Reihe von Buchhändlern denkt über eine Betriebsübernahme nach. Die Übernahme einer zweiten Buchhandlung sollte gut vorbereitet werden. Betriebsberater Jörg Winter erklärt, was im Vorfeld bedacht werden muss.

Gründe

Der Grundgedanke vieler Buchhändler, die einen weiteren Laden übernehmen, ist, dass sie nicht nur von einem einzigen Standort abhängig sein wollen. Die Risiken eines einzigen Standorts sollen gemindert werden. Oder eine Veränderung der Wettbewerbssituation durch Konkurrenten soll abgefedert werden. Die Idee dahinter ist, entweder Umsatzverluste am Heimatstandort mit einer Filiale zu kompensieren oder schlicht nach Wachstumsperspektiven zu suchen, die am bisherigen Standort ausgeschöpft sind. Filialisierung wird zur Unternehmensstrategie.

Vorbereitung

Das A und O ist, nicht blauäugig in das Abenteuer „Neuer Laden“ hineinzustolpern, sondern die relevanten Fragen im Vorfeld in Ruhe abzuklopfen. Vor allem sollte sich der angehende Filialist selber fragen, ob er zu einer Veränderung seiner beruflichen Identität wirklich bereit ist. In einem ersten Schritt können Übernahmewilligen mit Kollegen sprechen, die diese Erfahrung schon hinter sich haben. Dabei können sie durch solche Gespräche erfahren, worauf es ankommt und wie Fehler vermieden werden können.

 Jörg Winter ist Diplom-Kaufmann und Unternehmensberater in Hamburg. Er berät seit fast 30 Jahren Buchhändler und moderiert aktuell acht Erfa-Gruppen in Deutschland und in der Schweiz. Aufgrund seiner Erfahrung weiß er, dass die Übernahme eines zweiten Betriebs für selbstständige Buchhändler eine Herausforderung ist. 


Rollenverständnis
Mit der Übernahme eines zweiten Betriebs ändert sich die eigene Rolle im Unternehmen deutlich und damit auch der eigene Tagesablauf. Solange ein Büchhändler nur seinen eigenen, bisher einzigen Betrieb führt, ist er oft die wichtigste Arbeitskraft im eigenen Laden. Sobald ein zweiter Laden dazukommt, wird wechselt seine Rolle ins Unternehmertum. Es sind jetzt eine Reihe bisher nicht bekannte Aufgaben zu bewältigen. Da gibt es mehr und andere Mitarbeiter, mit denen sie sich auseinandersetzen werden und Zuständigkeiten übertragen müssen. Qualitätsentwicklung oder -sicherung im neuen Laden, die Einführung neuer Standards, der Übergang auf eine neuen, nunmehr in beiden Läden indentischen EDV sind dafür Beispiele. Dieser Rollenwechsel im Management wird im Vorfeld einer Übernahme in seiner Tragweite oft nicht gesehen und kann ein echter Knackpunkt sein, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Der Rollenwechsel zum Filialunternehmer erfordert ein hohes Maß an Lern- und Veränderungsbereitschaft.

Arbeitsbelastung

Die eigene Arbeitskraft ist ein wichtiger Faktor. Es besteht das Risiko, das sich der Filialist sich mit der Übernahme eines weiteren Betriebs völlig überfordert. Viele Buchhandelsunternehmer/innen bereits 60 Stunden und mehr pro Woche – und bekommen durch „erwerben“ durch die Übernahme ein Bündel zusätzlicher Aufgaben. Da bleibt dann schnell die Lebensqualität auf der Strecke und die bisher funktionierenden Abläufe im „alten“ Geschäft leiden. Ein neu strukturiertes Zeitmanagement mit konsequenter Delegation sind in dieser Phase unverzichtbar. Weniger Buchhändler und mehr Manager, um es in eine Kurzform zu bringen.

Den kompletten buchreport.praxis-Artikel können Sie hier als PDF bestellen. Darin verweist Winter auf weitere  wichtige Vorüberlegungen wie zu Standort, Kaufpreis, Organisation und Mitarbeitern. Außerdem schildert buchreport-Redakteur David Wengenroth Beispiele von Betriebsübernahmen.

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