Hugh McGuire: Warum können wir nicht mehr lesen?

Was macht das Digitale mit unserem Gehirn und können uns Bücher davon befreien?

Im vergangenen Jahr habe ich vier Bücher gelesen.

Warum so wenige? Die Gründe kennen Sie wahrscheinlich. Bestimmt haben auch Sie sich vorgenommen, mehr als vier Bücher zu lesen. Wie sehen diese Gründe aus? Zum einen habe ich zunehmend Probleme, mich auf Wörter, Sätze, Absätze zu konzentrieren. Ganz zu schweigen von Kapiteln. In Kapiteln sind Absätze meistens aneinandergereiht — Seite für Seite. So eine haarsträubende Unmenge an Wörtern, auf die man sich konzentrieren muss. Und zwar ausschließlich auf diese Wörter, ohne dass etwas anderes für Ablenkung sorgen würde. Und nachdem man ein Kapitel abgeschlossen hat, muss man sich durch das folgende kämpfen. Und in der Regel folgt ein ganzer Haufen weiterer Kapitel, bevor man sagen kann: „Fertig, auf auf zum nächsten!“ Zum nächsten Buch. Zur nächsten Sache. Zur nächsten Möglichkeit. Weiter, weiter, weiter!

Ich bin Optimist

Aber ich bin Optimist — noch immer. Meistens bin ich im letzten Jahr mit einem Buch zu Bett gegangen — Papier oder elektronisch — und habe angefangen. Zu lesen. Lesen. Ein Wort nach dem nächsten. Ein Satz. Zwei Sätze.

Vielleicht drei.

Und dann … brauchte ich nur kurz etwas anderes. Etwas, um mir über die Seiten zu helfen. Etwas, um dieses nervige Jucken in meinem Hinterkopf loszuwerden — nur ein kurzer Blick auf meine E-Mails auf meinem iPhone; schreiben, und löschen, eine Antwort auf einen lustigen Tweet von William Gibson; finden, und folgen, einem Link zu einem guten, wirklich guten Artikel in dem „New Yorker“, oder noch besser, die „New York Review of Books“ (die ich vielleicht sogar komplett lese, wenn sie so gut ist). Noch einmal E-Mails, nur um sicherzugehen.

Noch einen Satz. Das sind vier Sätze.

Raucher, die sich am sichersten sind, der Versuchung widerstehen zu können, erleiden vier Monate später am wahrscheinlichsten einen Rückfall. Und Leute, die „überoptimistisch” an Diäten herangehen, nehmen am unwahrscheinlichsten ab. (Kelly McGonigal: The Willpower Instinct)

Es dauert eine lange Zeit, um ein Buch in je vier Sätzen pro Tag zu lesen.

Und es ist anstrengend. In der Regel war ich bei Satz Nummer fünf schon halb eingeschlafen.

Ich habe dieses Verhaltensmuster nun seit einer ganzen Weile beobachtet. Die Liste der zu Ende gelesenen Bücher war noch niemals so kurz wie im letzten Jahr. Absolut entmutigend, insbesondere weil mein Berufsleben sich um Bücher dreht: Ich launchte LibriVox (freie Public Domain Hörbücher) und Pressbooks (Online-Plattform für die Erstellung von Print- und E-Books), und ich war Mitherausgeber eines Buches über die Zukunft von Büchern.

Ich habe mein Leben den Büchern gewidmet, ich glaube an sie, doch ich war nicht mehr in der Lage, sie zu lesen.

Ich bin nicht allein.

Wenn man sich selbst bei „The New Yorker” nicht mehr lange genug konzentrieren kann, um ein Musikstück in seiner ganzen Länge zu hören, wie können da Bücher überleben?

Vor kurzem habe ich ein Interview im „New Yorker Podcast“ gehört. Der Moderator interviewte den Schriftsteller und Fotografen Teju Cole.

Moderator:

„Eine große Herausforderung unseres Kulturzeitalters ist es, einen Song komplett durchzuhören. Wir sind alle so abgelenkt; sind Sie noch in der Lage, sich auf diese Art und Weise komplett von Kultur vereinnahmen zu lassen?”

Teju Cole:

„Aber ja, auf jeden Fall.”

Als ich das hörte, wollte ich den Moderator am liebsten tröstend umarmen. Er konnte nicht einmal einen Song komplett durchhören, ohne zwischenzeitlich abgelenkt zu werden. Stellen Sie sich nur vor, was der Bücherstapel an seinem Bett mit ihm macht!

Außerdem hätte ich Teju Cole am liebsten umarmt. Es sind Leute wie Mr. Cole, die uns Hoffnung geben, dass es noch immer Menschen gibt, die unseren Kindern beibringen werden, wie man Bücher liest.

Wir tanzen nach der Pfeife der Ablenkung

Der Lockruf dieses steten digitalen Flusses immer neuer Informationen war nicht nur für meine Probleme verantwortlich, Bücher zu lesen. Er hatte auch gravierende Auswirkungen auf mein restliches Leben.

Meine zweijährige Tochter, Tanzabend. Rosa Tutu. Katzenohren auf ihrem Kopf. Zusammen mit fünf anderen Zweijährigen, vor einem Publikum von 75 Eltern und Großeltern, führten diese süßen Winzlinge eine Show auf. Den Rest können Sie sich vorstellen. Sie alle haben diese Videos auf Youtube gesehen, vielleicht habe ich sogar meine Videos mit Ihnen geteilt. Das „Niedlichkeits-Niveau” war extrem hoch, ein Moment, der eine bestimmte Art elterlichen Stolzes definiert. Meine Tochter tanzte nicht einmal, sie wanderte nur auf der Bühne umher. Mit den großen Augen einer Zweijährigen, die einen Haufen Wildfremder erblickt, starrte sie in das Publikum. Es spielte keine Rolle, dass sie nicht tanzte, ich war einfach so stolz. Ich schoss Fotos und drehte kleine Videos, mit meinem Handy.

Und, nur für den Fall der Fälle, checkte ich meine E-Mails. Twitter. Man kann ja nie wissen.

Ich ertappe mich in solchen Situationen ziemlich oft, E-Mails checken oder Twitter, oder Facebook. Dabei bringt mir das gar nichts. Nichts außer dem Stress einer weiteren arbeitsbezogenen Nachricht, die ich in dem Moment ohnehin nicht beantworten kann.

Ich fühlte mich irgendwie schmutzig. Meine Augen auf meinem Handy, während meine Tochter direkt vor mir etwas Wunderbares tut. Als würde ich heimlich eine Zigarette rauchen.

Oder eine Crack-Pfeife.

Vor einiger Zeit las ich auf meinem Handy, während meine ältere Tochter, vier Jahre alt, versuchte mit mir zu sprechen. Ich habe nicht wirklich gehört, was sie gesagt hatte, ich las einen Artikel über Nordkorea. Sie nahm mein Gesicht in ihre Hände, zog mich zu ihr hinunter. „Sieh mich an“, sagte sie, „wenn ich mit dir rede.“

Sie hat Recht. Das sollte ich.

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Während ich Zeit mit Freunden oder der Familie verbringe, fühle ich oft ein verführerisches Vibrieren. Von diesem perfekt konstruierten Wafer aus Edelstahl und Glas und Metallen der Seltenen Erden in meiner Tasche. Berühr mich. Schau mich an. Etwas Fantastisches wartet auf Dich.

Diese Krankheit konterkariert nicht nur meine Versuche, ein Buch zu lesen und vermiest mir einmalige und niemehr wiederkehrende Erlebnisse mit meiner Tochter.

Auch bei der Arbeit ist meine Konzentration ständig gestört: einen Artikel fertig schreiben (und zwar genau diesen hier), diese Kundenanfrage beantworten, die neuen Entwürfe überprüfen und kommentieren, meine Über mich-Seite überarbeiten. Kontaktaufnahme mit so und so. Steuern.

All diese Aufgaben, die entscheidend für meinen Lebensunterhalt sind, werden öfter beeinträchtigt, als ich zugeben sollte. Durch einen kurzen Blick auf Twitter (natürlich für die Arbeit), oder Facebook (auch für die Arbeit), oder auf einen Artikel über die Mandelbrot-Menge (den ich gerade in dieser Minute lese).

E-Mails sind natürlich am schlimmsten. Der Grund: Es gibt immer E-Mails, wo gearbeitet wird; und auch wenn es nicht die Arbeit ist, die Sie gerade machen sollten, könnte es gut und gerne Arbeit sein, die leichter zu verrichten ist, als das, was Sie gerade tun. Und das bedeutet, dass Sie am Ende diese Arbeit machen werden, anstatt mit der Arbeit fortzufahren, an der Sie gerade noch gesessen haben. Frustrierend ineffizient? Aber ja!

Dopamin und Digitales

Es ist kein Geheimnis mehr, dass digitale Geräte und Software darauf abgestimmt sind, uns so zu konditionieren, dass wir ihnen Aufmerksamkeit schenken. Ganz egal, was wir sonst eigentlich tun sollten. Der Mechanismus, durch die letzten neurowissenschaftlichen Studien gestützt, funktioniert in etwa so:

•Neue Informationen erzeugen einen Ausstoß an Glückshormonen im Gehirn. Sie funktionieren wie ein Neurotransmitter, der für Hochstimmung sorgt.
•Das Versprechen neuer Informationen verführt dein Gehirn dazu, nach diesem Dopamin-Ausstoß zu suchen.

Mit fMRIs (Funktionelle Magnetresonanztomographie) kann man sichtbar machen, wie die Lustzentren des Gehirns bei Aktivität leuchten; zum Beispiel wenn neue E-Mails eingehen.

Jede neue E-Mail, die in unserem Posteingang landet, löst eine kleine Welle Dopamin in unserem Gehirn aus. Mit jeder noch so kleinen Welle Dopamin merkt sich unser Gehirn, dass E-Mails checken eine Welle Dopamin auslöst. Und unser Gehirn ist so programmiert, nach Dingen zu suchen, die diese kleinen Wellen auslösen. Diese Verhaltensweisen werden zu Mustern und so zu unbewussten Gewohnheiten: An etwas Wichtigem arbeiten, es juckt schon wieder, E-Mails abrufen, Dopamin, aktualisieren, Dopamin, Twitter checken, Dopamin, wieder an die Arbeit. Wieder und wieder, und jedes Mal gräbt sich die Angewohnheit tiefer in die Strukturen unseres Gehirns.

Wie können Bücher da mithalten?

Wir „belohnen” uns selbst zu Tode

Es gibt eine berühmte Studie über Ratten. Elektroden sind an ihrem Gehirn verdrahtet. Wenn die Ratten einen Hebel betätigen, wird eine kleine Ladung in einem Teil ihres Gehirns abgegeben, die die Dopamin-Freisetzung stimuliert. Ein „Vergnügungs-Hebel”.

Wenn sie die Wahl haben zwischen Nahrung und Dopamin, nehmen sie Dopamin, oft bis zur kompletten Erschöpfung und ihrem Hungertod. Sie ziehen Dopamin Sex vor. Einige Studien haben Ratten dabei beobachtet, wie sie die Dopamin-Taste 700 Mal pro Stunde gedrückt haben.

Wir tun das Gleiche mit unseren E-Mails. Aktualisieren. Aktualisieren.

Da ist kein schönes Universum auf der anderen Seite der E-Mail-Aktualisierungstaste, und doch spüre ich die Anziehungskraft dieser Taste, die mich immer wieder aus der Arbeit reißt, die ich gerade tue, und mich davon abhält, Bücher zu lesen, die ich lesen möchte.

Warum sind Bücher wichtig?

Wenn ich an mein bisheriges Leben zurückdenke, kann ich einen Stapel Bücher nennen, die mich geprägt haben — intellektuell, emotional und spirituell. Bücher waren schon immer eine Fluchtmöglichkeit, eine Lernerfahrung, eine Erlösung. Aber darüber hinaus und mehr als das wurden bestimmte Bücher im Laufe der Zeit zu einer Art Klebstoff, der mein Verständnis von der Welt zusammenhält. Ich betrachte sie als Knotenpunkte von Wissen und Emotion. Knoten, die die Struktur meines Ichs verknüpfen. Bücher — für mich jedenfalls — halten zusammen, wer ich bin.

Bücher geben uns auf eine andere Art als bildende Kunst, Musik, Radio, selbst Liebe, einen Einblick in die Gedankenwelt eines anderen. Wort um Wort, über Stunden und Tage. Wir teilen unsere Gedanken zu diesem Zeitpunkt mit dem Schriftsteller. Da ist eine Langsamkeit, eine Zwangsreflexion, die dieses Medium erfordert, die einzigartig ist. Bücher bilden die Gedanken eines anderen in unserem eigenen Geist nach. Und vielleicht ist es diese Eins-zu-Eins-Abbildung der Worte eines anderen, die ganz allein und ohne äußere Reize, Büchern ihre Macht gibt. Bücher nötigen uns, unseren Geist durch die Gedanken eines anderen vollständig vereinnahmen zu lassen.

Bücher sind nicht nur (Über-)Träger von Wissen und Emotion, sondern eine besondere Art von Werkzeug. Es erlaubt uns, sich in jemand anderen hineinzuversetzen. Sie ermöglichen, uns fremde Ideen und Emotionen zu erfahren.

Diese Ausblendung des Selbsts ist auch eine Art von Meditation — und da mir Bücher schon immer aufgrund ihrer eigenen (prä-digitalen) Werte wichtig waren, gewann ich zunehmend folgenden Eindruck: „Lernen, wie man wieder Bücher liest“ könnte auch ein Weg sein, meinen Verstand von dieser digitalen Dopamin-Abhängigkeit zu entwöhnen; dieser inhaltsleeren Anschwemmung digitaler Informationen. Das Ganze hätte einen doppelten Nutzen: Ich würde wieder Bücher lesen, und ich würde wieder Herr meines Verstandes sein.

Und es gibt oft wunderschöne Universen auf der anderen Seite des Buchumschlags zu entdecken.

Die Probleme mit dem digitalen Zeugs

Neueste Studien der Neurowissenschaften bestätigen viele der Dinge, die wir — die Leidtragenden des digitalen Overloads — von Haus aus wissen. Dass erfolgreiches Multi-Tasking ein Mythos ist zum Beispiel. Multitasking macht uns dümmer. Laut Psychologe Glenn Wilson entsprechen die kognitiven Verluste, die Multitasking zur Folge hat, dem Rauchen von Marihuana. (UPDATE: Danke an Liza Daly für den Hinweis, dass Glenn Wilson mittlerweile öffentlich erklärt hat, dass diese Studie Teil einer bezahlten PR-Aktion war und in den Medien falsch dargestellt worden ist: http://www.drglennwilson.com/Infomania_experiment_for_HP.doc)

Das ist schlecht und zwar aus mehreren Gründen: Es macht uns weniger effektiv bei der Arbeit. Entweder schaffen wir weniger, oder wir haben weniger Zeit für andere Dinge. Oder beides.

Folgende Situation: Sie versuchen, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und eine E-Mail liegt ungelesen in Ihrem Posteingang. Sie werden nervös. Ihr effektiver IQ kann sich dadurch um 10 Punkte reduzieren. (The Organized Mind, by Daniel J Levitin)

Es kommt noch schlimmer: Dieses konstante Wechseln von einer Sache zur anderen ist zudem extrem anstrengend.

Meine unproduktivsten Tage, die Tage, die ich damit verbringe, zwischen Projekten und E-Mails und Twitter und was auch immer hin und her zu springen, sind gleichzeitig auch meine anstrengendsten Tage. Früher dachte ich, dass meine Erschöpfung aus einem Mangel an Konzentration herrührte. Das Gegenteil könnte vielmehr wahr sein.

Man verbraucht mehr Energie, wenn man zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her springt. Man verbraucht weniger Energie, wenn man sich auf eine Aufgabe fokussiert. Das bedeutet: Menschen, die ihre Zeit in einer Weise organisieren, die ihnen erlaubt sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, schaffen nicht nur mehr, sondern sind auch weniger müde und geistig weniger ausgelaugt. (The Organized Mind, by Daniel J Levitin)

Das Problem ist definiert.

Und somit ist das Problem, mehr oder weniger, identifiziert:
1.Ich kann keine Bücher lesen, weil mein Gehirn darauf abgerichtet ist, eine konstante Dopamin-Ausschüttung einzufordern. Und diese Ausschüttung wird durch eine „digitale Unterbrechung bzw. Ablenkung” geliefert.
2.Diese Abhängigkeit von „digitalem Dopamin” führt dazu, dass ich Schwierigkeiten damit habe, mich zu fokussieren: auf Bücher, auf meine Arbeit, auf meine Familie und meine Freunde.

Problem erkannt, oder das meiste davon. Da ist noch mehr.

Oh, und das Fernsehen, bzw. Streaming, sollten wir nicht vergessen

Wir leben im goldenen Zeitalter des Fernsehens, da gibt es keinen Zweifel. Der Stoff, der in diesen Tagen produziert wird, ist sehr gut. Und es gibt eine Menge davon.

In den letzten paar Jahren hat sich mein Abendprogramm in folgenden Varianten gestaltet: von der Arbeit nach Hause gekommen, erschöpft. Sich vergewissern, dass die Mädchen gegessen haben. Sicher stellen, dass ich esse. Die Mädchen zu Bett bringen. Sich erschöpft fühlen. Den Computer einschalten, um etwas („Neo-Golden-Age-Ära”)-Fernsehen zu kucken. Mit arbeitsbezogenen E-Mails herumspielen, und immer weiter rummachen, während dieses („Neo-Golden-Age-Ära”)-Fernsehen 57% meiner Aufmerksamkeit schluckt. Mies beim Streamen und mies im Bearbeiten der Mails. Ins Bett gehen. Versuchen zu lesen. E-Mails abrufen. Erneut versuchen zu lesen. Einschlafen.

Denjenigen, die lesen, gehört die Welt. Und diejenigen, die fernsehen, verlieren sie. (Werner Herzog)

Ich weiß nicht, ob Werner Herzog richtig liegt, aber ich weiß mit Sicherheit, dass ich übers Fernsehen nie das sagen würde, was ich über Bücher sagen würde — auch nicht über die wirklich großartigen Sachen, von denen es mittlerweile reichlich gibt. Es gibt keine TV-Shows, die als Knotenpunkte mein Verständnis von der Welt zusammenhalten würden. Meine Beziehung zum Fernsehen ist einfach nicht die gleiche wie zu Büchern.

Also, eine Veränderung

Und so fing ich an, im Januar 2015 einige Änderungen vorzunehmen. Die wichtigsten davon sind:
1.Kein Twitter, kein Facebook, kein Lesen von Beiträgen während des Arbeitstages (hart)
2.Kein Lesen von Zeitungsartikeln, über die ich zufällig gestolpert bin (hart)
3.Keine Smartphones oder Computer im Schlafzimmer (einfach)
4.Kein Fernsehen nach dem Abendessen (wie sich herausstellte: einfach)
5.Stattdessen: Zu Bett gehen und ein Buch lesen — für gewöhnlich auf einem E-Ink-Reader (wie sich herausstellte: einfach)

Das „Erschreckende”: Mein Verstand passte sich unglaublich schnell an und fand Gefallen daran, wieder Bücher zu lesen. Ich hatte erwartet, für diese Konzentration kämpfen zu müssen — aber ich musste nicht kämpfen. Mit geringerem „digitalem Input”(vor allem kein Fernsehen vorm Zubettgehen) und ohne verlockende digitale Geräte in Reichweite… endlich war Zeit und Raum für meine Gedanken, sich in einem Buch niederzulassen.

Ein wunderbares Gefühl.

Ich lese jetzt mehr Bücher als in den Jahren zuvor. Ich habe mehr Energie und bin fokussierter als jemals zuvor. Ich habe meine „digitale Dopamin-Sucht” noch nicht vollständig besiegt, aber es wird besser und besser. Ich denke, dass mir Bücher lesen dabei hilft, meinen Verstand wieder zu fokussieren.

Und wenig überraschend stellte sich heraus, dass Bücher noch immer die gleichen wunderbaren Dinge sind, die sie einmal waren. Ich kann sie wieder lesen.

Arbeitsbezogene E-Mails bleiben jedoch ein Problem. Wenn Sie Vorschläge dazu haben, lassen Sie es mich wissen.

(Im Übrigen starte ich einen kleinen E-Mail-Newsletter über Bücher, Lesen und die Technologie, die beides umgibt. Ich werde versuchen, jede Woche oder zumindest 14-tägig etwas Neues zu bringen. Sie können sich hier anmelden).

Original English text written by Hugh McGuire (http://hughmcguire.net & http://twitter.com/hughmcguire):

https://medium.com/@hughmcguire/why-can-t-we-read-anymore-503c38c131fe

 

Der Text wurde von André Pleintinger übersetzt und erschien zunächst hier.

André Pleintinger arbeitet seit 2005 im Verlagswesen. In unterschiedlichen Fach- und Wissenschaftsverlagen – u. a. Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung und Elsevier GmbH – war er für Programmplanung, Content Development und Social Media-Marketing verantwortlich. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg sammelte er Lehrerfahrung als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit den Schwerpunkten „Elektronisches Publizieren und digitale Märkte“. Zudem ist er ausgebildeter Pressereferent (Schwerpunkt Online). Seit Januar 2015 arbeitet er als freiberuflicher Projektmanager für Fach- und Wissenschaftsverlage und realisiert Projekte in den Bereichen Content Development, Marktforschung, Online- und Social Media-Marketing. Ab Oktober 2015 wird er zusätzlich als Lehrbeauftragter für Verlagspraxis an der LMU München aktiv sein.

Weitere Informationen zu seinem Portfolio finden Sie unter http://andrepleintinger.com/portfolio/

Kommentare

2 Kommentare zu "Hugh McGuire: Warum können wir nicht mehr lesen?"

  1. Bernhard Sommerfeld | 2. Juli 2015 um 15:01 | Antworten

    Ein wirklich relevanter Beitrag. Lesenswert. Dieses Belobungssystem bei News hatte ich auch bei mir festgestellt und es war der Hauptgrund mir nie ein Smart-Phone anzuschaffen. Eine Woche ohne Mail oder Anruf halte ich noch immer gut aus, obwohl ich seit über 20 Jahren „online“ bin. „Neugier“ wird hier beispielhaft erklärt 😉
    merci !

  2. Danke.

    Bei arbeitsbezogenen E-Mails hilft es mir, mir am Beginn und am Ende des Arbeitstages jeweils Zeit dafür zu nehmen und zwischendurch den E-Mail-Client auszumachen

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