Selfpublishing ist im Mainstream angekommen

Nicht nur Books on Demand (BoD) baut derzeit das eigene Geschäftsfeld aus, Gleiches gilt für Wettbewerber Epubli. Die Holtzbrinck-Tochter relauncht das eigene Webangebot, dockt Dienstleistungen an und expandiert ins Ausland. Im Interview beschreibt CEO Jörg Dörnemann Strategie und Wettbewerb.

Ein Relaunch, Sie investieren in Workshops – was treibt die Investitionen?
Unser strategisches Ziel ist es, unseren Autoren den besten Service zu bieten. Wir investieren seit Jahren kontinuierlich in das epubli-Team von Digital-Experten. Das baut a) eine immer bessere technische Plattform und unterstützt b) immer mehr Autoren dabei, immer mehr Leser zu erreichen. Insofern sehen wir Relaunch und Start der Epubli lab Workshops als logische nächste Schritte für noch mehr erfolgreiche Self-Publishing-Autoren.
Wird der Wettbewerb unter den SP-Portalen härter?
Ja. Allerdings ist das für mich ein gutes Zeichen: Wenn wir Jahre nach unserem Start immer noch allein auf weiter Flur stünden, das würde mir echte Sorgen machen. Dann hätten wir uns wohl in der Richtung vertan.
Die Lage im Jahr 2014 ist aber doch: Selfpublishing ist mitten im Mainstream angekommen, neben den vielen Newcomern feiern immer mehr etablierte Star-Autoren Erfolge als Unternehmer-Autoren.
BoD hat die Konditionen jetzt verbessert. Erwarten Sie Folgereaktionen in der SP-Branche?
Nein. Was die Kollegen gemacht haben, verstehe ich eher als eine Annäherung von oben an den Markt-Standard. Diese BoD-Bewegung weg von den hochpreisigen Silver-Surfer-Paketen mit den roten Schleifen sehen wir ganz gelassen. Wir sind überzeugt, dass wir weiterhin das mit Abstand attraktivste Angebot für all die Autoren haben, die mit einem Klick in alle Handels-Kanäle wollen.
Angeblich stehen einige SP-Spezialisten aktuell zum Verkauf. Schlagen Sie zu?
Nicht in der absehbaren Zukunft. Solche Markt-Gerüchte habe ich auch gehört. Im Detail kann ich dazu nichts sagen. Nur so viel: Wir sind grundsätzlich neugierig und schauen uns vieles an. Bis jetzt haben wir aber noch nichts gesehen, was wir nicht selbst besser könnten.
Worauf wird es ankommen, um im Wettbewerb zu bestehen?
Auf überragende Angebote für immer besser informierte Autoren: Darauf, es Autoren immer leichter zu machen, ihre Bücher zu veröffentlichen, sowohl was die technische Umsetzung als auch den persönlichen Service angeht. Wir beantworten Kundenfragen ad-hoc, wir geben unser Expertenwissen rund ums Thema Buchmarketing an unsere Autoren weiter, und mit dem Relaunch ist die Nutzung von Epubli noch einfacher geworden – und macht dank neuem Design auch gleich noch mehr Spaß!
Bis auf Epubli bieten viele Distributoren ihren Autoren an, Amazon aus der Exklusivität herauszunehmen, sodass diese Amazon direkt via KDP beliefern können, mit besseren Konditionen. Warum ist für Epubli so ein Angebot keine Option?
Wir sind die Plattform der Wahl für Autoren, die mit einem Klick in allen Kanälen veröffentlichen wollen. Wir bieten persönlichen Service aus einer Hand und wir stellen unseren Autoren im Epubli AutorenCockpit die tagesaktuellen Verkaufszahlen ihrer Bücher über alle Kanäle hinweg zur Verfügung. Beides funktioniert ja gerade deshalb so gut, weil wir für unsere Autoren alle Shops aus einer Hand bedienen.
Wie schätzen Sie den Stellenwert von Amazon/KDP ein? Mächtig, übermächtig?
Nein, weder noch. Das sind sehr smarte Leute, mit denen wir gerne zusammenarbeiten – als einem von vielen Händlern. KDP ist ein gutes Angebot – vor allem aus Amazon-Sicht. Für Autoren, die wirklich Bücher verkaufen wollen, machen aber doch nur Lösungen Sinn, mit denen sie die ganze Breite des Marktes erreichen. Wir sehen ja jeden Tag, dass Tolino, Google, Apple, Kobo und Co. mindestens so viele E-Books verkaufen wie Amazon.

Ich bin auch überzeugt, dass Autoren viel zu kurz springen, wenn sie sich in puncto Marketing nur auf Dumping-Preise und den Empfehlungs-Algorithmus des Möchtegern-Monopolisten verlassen. Zu meiner Zeit bei der Boston Consulting Group habe ich ein paar Hersteller gesehen, die sich an nur ein, zwei Händler gebunden hatten – das ist einfach nicht nachhaltig. Wir sind überzeugt, dass Autoren ihre Marken plattformübergreifend scheinen lassen müssen, dass sie überall dort sein müssen, wo ihre Leser Bücher kaufen wollen – und das ist längst nicht nur Amazon, im Gegenteil!

Wie weit sind Sie bei der Internationalisierung?
Noch lange nicht so weit wie in Deutschland – aber auf einem guten Weg. Deutsche Autoren nutzen www.epubli.co.uk für englische Übersetzungen ihrer Werke, zudem machen wir gute Fortschritte bei der Gewinnung internationaler Autoren. Vor allem aber sind wir Dank der englischen Website noch näher dran am angelsächsischen Markt, der uns ja ein paar Jahre voraus ist. Auf Veranstaltungen wie „Rewrite the Web – The Future of Publishing“ schaffen wir dann den Brückenschlag, indem wir internationale Vordenker und deutsche Autoren und Agenten zusammenbringen.
Sie scheinen eng mit Wattpad zusammenzuarbeiten. Worin mündet dies?
Sehr gute Frage, eine endgültige Antwort haben wir da aber noch nicht. Bislang gilt: Wir schätzen das exzellente Team, die offene Plattform und die tollen Chancen, die sich dort vor allem für unsere Genre-Autoren bieten.

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