Warum Verlage wieder auf Blogs setzen

Ein buntes Facebook-Profil scheint in vielen deutschen Verlagen heutzutage für die Unternehmenskommunikation unabdingbar. Um die klassische Form des Verlags-Blogs war es indes zuletzt ruhig geworden. Zwischen 2007 und 2009 starteten Verlage wie Klett-Cotta, dtv oder Verlagsgruppe Random House Blogs, in denen vor allem Neuerscheinungen vorgestellt werden. Daneben etablierten sich Verlage wie Mairisch oder Voland & Quist, die Einblicke in den Kleinverleger-Alltag geben. Doch danach kam nicht mehr viel.

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Doch in jüngster Zeit erfährt das Format gerade bei größeren Verlagen ein Revival: Zur Frankfurter Buchmesse ist Kiepenheuer & Witsch (hier) und im November Suhrkamp (hier) mit einem neuen Blog online gegangen; Kiwis Holtzbrinck-Schwester S. Fischer hat die Website Hundertvierzehn.de – benannt nach der Hausnummer des Verlags – ins Leben gerufen. 

Die Verlage betonen dabei, dass ihre Gründungen sich von den klassischen Firmen-Blogs unterscheiden: Sie wollen weniger Tagebuch sein, als vielmehr literarisches Magazin, und in der Regel auch weniger Verlags- und eher Autorenplattform. 

Suhrkamp: „Logbuch“ für Literatur

Am deutlichsten zeigt sich dieser Anspruch bei Suhrkamp, wo man die Autoren gleich selbst bloggen lässt: „Wir berichten und informieren nicht über sie, sondern bieten ihnen ein Forum, in dem sie Formate, Stoffe und Texte präsentieren, für die es innerhalb des Verlags sonst keine adäquate Publikationsform gäbe“, lässt der Verlag wissen. 
Inhaltlich und konzeptionell betreut wird das „Logbuch. Deutschsprachige Literatur heute“ von einem achtköpfigen Team aus verschiedenen Abteiungen und außerdem Patrick Hutsch von der auf Social Media spezialisierten Agentur Tesla 42. 
Um dem Charakter einer übergreifenden Plattform für deutschsprachige Literatur gerecht zu werden, sind nicht nur Haus-Autoren wie Marion Poschmann oder Detlev Kuhlbrodt vertreten, sondern auch Autoren anderer Häuser wie aktuell Tilman Rammstedt (Dumont Buchverlag) und Anna Weidenholzer (Residenz Verlag). Darüber hinaus tragen Verlagsmitarbeiter zum Input bei, z.B. berichtet Theaterverleger Frank Kroll von seinen Reisen zu Uraufführungen und Premieren. 
Suhrkamp ist sicher, dass mit diesem Auftritt auch eine neue Zielgruppe erschlossen wird. Es gebe „eine ganze Menge netzaffiner Leser und Leserinnen, die sich einerseits für anspruchsvolle Literatur interessieren, sich aber andererseits nicht oder nicht vorrangig über das klassische Feuilleton informieren“. Diese Leute wolle man „mittels Text, Bild und Ton“ auf Autoren und ihre Bücher aufmerksam machen. 
Vom Facebook-Auftritt – einem bereits vorhandenen Online-Draht zum Endkunden – unterscheide sich der Blog inhaltlich und formal. Während hier das Verlagsprogramm in seiner ganzen Breite präsentiert werde, wobei „der schnelle Anreiz und die unterhaltsam verpackte Information“ im Vordergrund stünden, sei das Logbuch eine „Autoren-Plattform für alles, was jenseits eines aktuellen Buchprojektes entsteht“ und biete „mehr Möglichkeiten, unabhängig von Formatvorgaben zu agieren“. Die Social-Media-Kanäle Facebook und Twitter werden nun auch dazu genutzt, um die Inhalte des Logbuchs zu verbreiten und auf neue Einträge hinzuweisen.

Kiwi: Verlagsmarke stärken
Kiepenheuer & Witsch sieht neben den Möglichkeiten einer anderen Aufbereitung von Inhalten auch die Unabhängigkeit von dritten Anbietern: „Die Rechte an den Blog-Texten und -Bildern liegen bei uns“, sagt Marco Verhülsdonk, Leiter Online-Kommunikation/E-Book. Der Verlag möchte via Blog „als Verlagsmarke im Internet sichtbarer werden“, erläutert Verhülsdonk die Strategie. Verlage müssten sich heute stärker selbst inszenieren, weil „andere Instanzen ihre Wirkungskraft bei der Multiplikation von Aufmerksamkeit teilweise verloren haben“. 
Der Blog soll vor allem „Schauplatz und Salon für unsere Autoren“ sein, Einträge kommen aber auch von Lektoren und „Aus dem Notizbuch des Verlegers“, wie eine Kolumne heißt, in der die Blog-Redaktion Einträge aus dem Moleskine von Helge Malchow entschlüsselt. „Wir wollen den Verlag in seiner ganzen Bandbreite und Vielfalt zeigen“, verspricht Verhülsdonk, der die Plattform zusammen mit Online-Kollege Philipp Rusch redaktionell betreut.
Hinter den vielfältigen Einblicken steht noch ein anderer Gedanke: „Wir müssen seit Neuestem verstärkt darüber reden, wozu ein Verlag überhaupt da ist, warum wir auswählen, veredeln und kuratieren, und dass wir dadurch mehr sind als die Summe einzelner Bücher von einzelnen Autoren, sondern vielmehr ein kulturelles Netzwerk“, argumentiert Verhülsdonk u.a. vor dem Hintergrund der boomenden Selfpublishing-Szene.
Fischer: Stetige Aufmerksamkeit
Wie Oliver Vogel, Programmleiter für deutschsprachige Literatur, berichtet, steht auch bei S. Fischer der Gedanke im Vordergrund, Inhalte von Autoren zu teilen, die diese neben den Buchprojekten produzieren, wie z.B. eine Kurzgeschichte von Marion Brasch oder ein Gespräch, das Michael Lentz in Peking mit Ai Weiwei geführt hat. Daneben gibt es weitere Formate wie Interviews und Beiträge von Lektoren. Vogel hofft, „so auch auf Autoren aufmerksam zu machen, von denen gerade kein aktuelles Buch erscheint“.
Hundertvierzehn.de ist anders als bei Suhrkamp und KiWi nicht als Blog, sondern als Website konzipiert und soll als „literarisches Magazin“ daherkommen. Neue Beiträge werden nicht über Facebook und Twitter verschickt – Kanäle, die S. Fischer bislang nicht bedient – sondern per Newsletter als „Brief“. 
Text: Nicole Stöcker

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