Verlagsrecht aktuell

Das Verlagsgesetz ist ein Fels in der Brandung der Juristerei. Seit seinem Erlass im Jahr 1901 (!) ist es weitgehend unverändert geblieben. Neben der unbestrittenen Qualität dieses Gesetzes zur Regelung des Verhältnisses von Autor und Verleger gibt es auch einen strukturellen Grund für diese bemerkenswerte Stabilität: Seine Vorschriften sind dispositiv. d. h., sie kommen nur zur Anwendung, wenn Autor und Verleger entweder gar keinen Vertrag geschlossen oder in ihrer Vereinbarung eine Lücke gelassen haben. Weil sich aber die Praxis der Verlagsverträge durchaus mit der Zeit ändert, lohnt sich für Praktiker auch gelegentlich die Anschaffung eines neuen Kommentars zu dieser Rechtsmaterie.

Bis vor einigen Jahren galt das „Verlagsrecht“ von Schricker (C.H. Beck) als Standardwerk, das aber seit 2001 nicht mehr aktualisiert wurde. In diesem Jahr sind gleich zwei neue Werke erschienen, die den Anspruch erheben, umfassende Hilfestellung für die Praxis zu geben. Bei C.H. Beck haben Constanze Ulmer-Eilfort und Eva Obergfell den 1090 Seiten starken Kommentar „Verlagsrecht“ herausgebracht (169 Euro). Als etwas schlankere Alternative schickt Carl Heymanns jetzt den Kommentar „VerlG – Gesetz über das Verlagsrecht“ ins Rennen.

Der Autor Christian Russ ist in der Buchbranche wohlbekannt, vor allem als Preisbindungstreuhänder der Verlage und Mit-Autor des Standardkommentars „Wallenfels/Russ – Preisbindungsgesetz“, dessen 6. Auflage im vergangenen Jahr bei C.H. Beck erschienen ist. Der Rechtsanwalt und Notar in der Wiesbadener Kanzlei Fuhrmann Wallenfels ist außerdem Lehrbeauftragter für Urheber- und Medienrecht an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und an der Fachhochschule in Wiesbaden sowie Geschäftsführer und Justiziar des Bundesverbandes der Deutschen Versandbuchhändler.

Mit seinem Kommentar gibt Russ eine lebensnahe, knappe und übersichtliche Darstellung des Verlagsgesetzes und seiner praktischen Anwendung. Im ersten Teil kommentiert er den Gesetzestext selbst, wobei jedes Kapitel mit dem einordnenden Abschnitt „Die Bedeutung der Norm in der Vertragspraxis“ endet. Von dort wird jeweils auf den zweiten Teil des Buches verwiesen, in dem Russ die wichtigen Musterverträge und -regelungen aus der Verlagspraxis zusammengetragen hat. Da er in diesem hinteren Teil wiederum konsequent auf die Vorschriften des Verlagsgesetzes verweist, die den Verträgen zugrunde liegen, kann man die Lösung von Praxisproblemen mit Hilfe dieses Buches immer von zwei Seiten angehen.

Christian Russ: VerlG Gesetz über das Verlagsrecht, 844 Seiten, 148 Euro, Carl Heymanns Verlag, 978–3–452–27787–9

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