Die Spielregeln neu verhandeln

Wohin steuert der Börsenverein nach der achtjährigen Ära von Gottfried Honnefelder (67)? Nach den ersten Signalen von Honnefelders Nachfolger Heinrich Riethmüller äußern sich die neuen Verbands-Vorstandsmitglieder Claudia Reitter (Random House) und Detlef Büttner (Lehmanns Media) im Interview mit buchreport. 

In der kommenden Woche tagt neben dem Vorstand auch das Branchenparlament (14. November, hier die Tagesordnung). Dabei referieren u.a. dtv-Marketingleiter Rudolf Frankl, ebenfalls neu im Vorstand, und die Rationalisierungs-AG PRO-Vorsitzende Franziska Bickel (Buchhandlung Vogel, Schweinfurt) über die von Sortimentern immer wieder geforderte portofreie Belieferung durch die Verlage. 

Interview mit Claudia Reitter, Vertriebs-Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Random House
Mit welchen Erwartungen gehen Sie das Ehrenamt an?
Mit großem Respekt vor den vielfältigen und zahlreichen Herausforderungen und Themen, die unsere Branche beschäftigen. Aber auch mit Elan, Freude an der Aufgabe und der konstruktiven Auseinandersetzung mit den anstehenden Fragen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir uns im Vorstand rasch auf die Prioritäten verständigen und in guter Kooperation mit dem Hauptamt angehen werden.

Worauf liegt Ihr Hauptaugenmerk?

Der Börsenverein erbringt für die Branche, die Mitglieder, die Gesellschaft und die Kulturpolitik sehr viele Leistungen und die Anforderungen steigen ständig. Das sollte überzeugend und transparenter dargestellt werden. Dazu kann ich hoffentlich beitragen. Die spartenübergreifende Arbeit, eine absolute Besonderheit und Chance unseres Verbands, geht mit der Herausforderung des Interessenausgleichs der drei Sparten einher. Ebenfalls ein Anliegen von mir. Wie es mir auch sehr darauf ankommt, die Bedeutung der Aufgaben und der Arbeit sowie der Attraktivität unserer Branche für die Öffentlichkeit, Autoren und Leser wie Käufer immer wieder bewusst zu machen. Und nicht zuletzt sollte es gelingen, dass wir deutlich mehr Mitglieder zu aktiverer Mitarbeit im Verband motivieren können.

Was sind die Hauptaufgaben des Börsenvereins?

Weiterhin wird es darauf ankommen, dass die Erhaltung der politischen Rahmenbedingungen gewährleistet ist. Die Erfolge der Vergangenheit verpflichten für die Zukunft, denn die Themen werden nicht weniger und sie werden auch aufgrund der Digitalisierung immer komplexer. Dafür  muss die Politik ständig sensibilisiert werden. Der Börsenverein verschafft seinen Mitgliedern und der Buchbranche Gehör und setzt sich traditionell und erfolgreich für das Kulturgut Buch, für das Lesen und die Meinungsvielfalt ein. Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der Deutsche Buchpreis und viele andere Auszeichnungen für Autoren genießen hohes Renommee im In-und Ausland. Viele andere Aktivitäten und nicht zuletzt die Kampagne „Vorsicht Buch“ sind Ausweis der so wichtigen Kommunikationsarbeit

Soll der Verband Wirtschaftstöchter unterhalten?

Der Verband erfüllt mit seinen Wirtschaftstöchtern wichtige Funktionen für die Branche, so z. B. das Verzeichnis Lieferbarer Bücher oder auch die Organisation der Frankfurter Buchmesse. Die dabei erzielten Gewinne unterstützen die Arbeit des Börsenvereins an den gemeinsamen Prioritäten unserer Branche. Für die Zukunft erscheint mir wichtig, dass die Aufgaben der Wirtschaftsbetriebe noch klarer definiert werden, auch im Abgleich zu den Entwicklungen des Marktes und den Aktivitäten der Mitglieder.

Sind die Beitragslasten gerecht verteilt?

Diese Frage werden wir ganz sicher zeitnah und intensiv im Vorstand und mit dem Hauptamt diskutieren.

Interview mit Detlef Büttner, Geschäftsführer bei Lehmanns Media 
(komplett nachzulesen im buchreport.magazin 11/2013, hier zu bestellen)

Was reizt Sie, sich im Verband zu engagieren?
Nicht nur die einzelnen Mitgliedsunternehmen stehen vor großen Herausforderungen, sondern auch der Börsenverein. Er braucht im Moment viel Unterstützung, um seinen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Branche zu leisten. Nach so vielen Jahren, die ich in der Branche gearbeitet habe, bin ich gern bereit, etwas zurückzugeben und meine Erfahrungen mit einzubringen. In der Zusammensetzung des Vorstands haben wir da auch ein ganz gutes Team beieinander …

… Vorsteher Heinrich Riethmüller ist ein Filialist, Thomas Wrensch ein großer Standorthändler und Sie ein Filialist mit großem Fachinformationsanteil.

Ich halte die Unterscheidung zwischen Groß und Klein, Filialist und Nichtfilialist, allgemeiner Sortimenter und Fachbuchhändler in diesem Zusammenhang für nicht sinnvoll, weil der Handel vor allem große gemeinsame Interessen hat. Der Strukturwandel trifft die Kleinen wie die Großen, Letztere in der Konsequenz sogar härter. Wir alle haben zu kämpfen. In einer Zeit, in der kein Stein auf dem anderen bleibt, stellen sich auch in der Verbandsarbeit zahlreiche Grundsatzfragen: Wie setzt sich die Branche neu zusammen? Welche Funktionen gibt es und welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig? Wie sichern wir Preisbindung und Urheberrecht in der medialen Gleichzeitigkeit? Wie sieht es mit den Spielregeln zwischen den Branchenteilnehmern aus? Diese müssen teils neu verhandelt werden, darin liegt die große Herausforderung, aber auch die Chance, Eckdaten zu finden, mit denen die Gesamtbranche leben kann. Das wird nicht einfach, schließlich geht es ja ums Überleben.

Was kann der Verband über Preisbindung und Urheberrecht hinaus tun?

Neben der politischen Arbeit in Richtung Gesetzgeber geht es mir vor allem um einen offenen und fairen Dialog zwischen den Sparten. Da können und müssen wir alle noch ein ganzes Stück professioneller werden, insbesondere im Hinblick auf die Zuspitzung von Branchenentwicklungen. Nicht im Sinne einer polarisierenden Diskussion, sondern um herauszufinden, wo die Möglichkeiten liegen, weiter miteinander zu arbeiten, um bei Kosten und Erlösen bessere Ergebnisse zu erzielen. In dem Moment, wo keine Ware mehr bewegt wird, müssen wir die Aufgaben neu definieren und andere Spielregeln festlegen. Es geht um einen harten, aber fairen Wettbewerb zwischen den Sparten. Das muss auf die Agenda und diskutiert werden.

Das Kartellrecht schränkt die Möglichkeiten, den Markt über den Verband zu gestalten, erheblich ein …

Ja, wir können keine Regeln festschreiben, aber wir müssen die Dynamik offener diskutieren. Da will ich gern Themen einbringen und nach Möglichkeit zuarbeiten. Es gibt Entwicklungen, die in der Gremienarbeit bisher nicht ganz oben auf der Agenda stehen, weil die Verbandsarbeit stark vom allgemeinen Sortiment und von den Publikumsverlagen geprägt ist. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Gesamtbranche von den Erfahrungen in der Fachinformation profitieren kann, weil die Digitalisierung in diesem Bereich bereits viel weiter fortgeschritten ist. Die Herausforderungen kommen jetzt zeitversetzt auch im Rest der Branche an.

Kommentare

1 Kommentar zu "Die Spielregeln neu verhandeln"

  1. Q: Sind die Beitragslasten gerecht verteilt?

    A: Diese Frage werden wir ganz sicher zeitnah und intensiv im Vorstand und mit dem Hauptamt diskutieren.

    Wie wäre es, das mal mit der größten Beitragszahlergruppe – den kleinen BuchhändlerInnen – zu diskutieren? Mit denen, die relativ gesehen, bis zu 100 mal mehr bezahlen als andere (nämlich „Große“)?

    Naja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt 😉

    LG LB

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