Daniel Lenz: „Communication is king“

Daniel Lenz: „Communication is king“

Beim 1. Trendtag der Buchakademie hat sich ein Thema herauskristallisiert, das sich durch fast alle Vorträge wie ein roter Faden zog: das Umschalten der Verlage von Frontalberieselung des Lesers auf echte Kommunikation und Integration. 

Peter Wippermann: Ran an die Fans

Nein, die meisten Verlage hätten noch nicht begriffen, dass sie die Leser aktiv einbeziehen und am besten auch Fan-Communities organisieren sollten, erklärte Trendforscher Peter Wippermann – der im Münchner Literaturhaus schonungslos mit Presse- und Buchverlagen ins Gericht ging. Kernthese: Die meisten Verlage ruhten in sich selbst und spielten ein bisschen digital, so Wippermann (ein Interview mit dem Hamburger ist im buchreport.express 45/2013 zu lesen). 75% der Presse-Verlage seien laut Branchenverband VDZ auch nach 20 Jahren World Wide Web noch der Überzeugung, dass Print die Haupteinnahmequelle sei und bleiben werde – obwohl die Auflagenzahlen seit 2005 massiv eingebrochen seien. „Die Verlage denken immer noch, das Spiel geht so weiter wie bisher“, kritisierte Wippermann. Preiserhöhungen seien die primäre Antwort der Verleger auf die schrumpfenden Märkte.

wippermann

Da die Digital Natives – die Nachrichten anders konsumierten als ältere Nutzer – ab 2017 die höchste Kaufkraft in Deutschland besäßen, müssten sich die Verlage darauf einstellen. Wippermanns Anregung: Die Verlage müssten die „Fans“ in den Mittelpunkt rücken, die wichtigsten Stichworte seien Vernetzung, Austausch und Transparenz. Vorbildlich agierten Angebote wie Vice oder The Chive, die über große Communities verfügten – Vice verzeichne 3,5 Mio Youtube-Abonnenten.

Speziell mit Blick aufs Buchgeschäft erklärte Wippermann, die Verlage hätten zu wenig Kapazität im IT-Bereich, „ihnen fehlen die Programmierer“. Um die eigenen Kunden zu analysieren, sei eine große IT-Abteilung aber die Voraussetzung.

Michael Beilfuß: Der Nutzer als Experte

Michael Beilfuß, Verleger u.a. der Computerwoche und Mitglied der Geschäftsleitung bei IDG Business Media, zeigte eindrucksvoll, wie der Technologie-Verlag User generated content einbindet: Bei der „Computerwoche“ etwa würden „Experten“ aus der Branche als Autoren engagiert, ihre Beiträge würden unter die Texte der Redakteure gemischt.

beilfuß

Die „Experten“ könnten so viel publizieren, wie sie möchten, bekämen vom Verlag Zugang zu einem Kanal, über den sie ein größeres Publikum erreichten als mit eigenen Blogs o.ä.. Dabei verzichteten 65% der Experten-Autoren auf ein Honorar (das auf Wunsch auf Basis der Zahl der Returning Visitors berechnet werde – wie viele Leser kommen zur „Computerwoche“ zurück?). Erfinder der Methode sei forbes.com, wo aktuell über 1000 „Contributors“ Texte lieferten.

Marcello Vena: Service, Service, Service

Marcello Vena, Digitalchef beim italienischen Verlagsriesen RCS Libri, widmete sich einerseits dem eigenen E-Book-Streaming-Angebot in Schnellzügen („Ebooks aboard“) in Kooperation mit der Bahngesellschaft NTV (buchreport.de berichtete). 500.000 Passagiere nutzen die Züge von NTV pro Monat und könnten darin, entweder auf vorinstallierten oder mitgebrachten Geräten, E-Books lesen. Der Verlag erfahre viel über das Leseverhalten, weil die Nutzung analysiert werde.

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Die Einbeziehung der Nutzer zeigte Vena am Beispiel von „You Crime“, einer Art Talentshow für Autoren (hier mehr). Im Juli 2013 startete der Verlag einen Wettbewerb, bei dem Selfpublishing-Autoren aufgerufen wurden, eine Kurzgeschichte zu schreiben und für sich und ihre Idee über die Online- und Social-Media-Kanäle zu werben. Die vom Verlag ausgewählten besten zwölf Selfpublisher traten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Die Selfpublisher und ihre Kurzgeschichten wurden von vier bekannten italienischen Autoren präsentiert. Bilanz: Vier E-Book-Titel der Teilnehmer gehörten zu den 50 meistverkauften E-Books des Verlags, Gewinner Gabriele Santoni stand sogar wochenlang auf Platz 4 der Kindle-Bestsellerliste. Verlagsmanager Vena nennt den Ansatz „Co-Publishing“, ein dritter Weg zwischen traditionellem Verlegen und Selfpublishing. Venas Fazit: Für das Verlagsgeschäft seien nicht Produkte, sondern Services entscheidend. Es gehe darum, Leser und Autoren bestmöglich zu verbinden.

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