Preise hoch gehalten

Die Schweizer Kartellbehörde Weko (Wettbewerbskommission) ist im deutschsprachigen Buchhandel bekannt durch ihren letztlich erfolgreichen Kampf gegen die Buchpreisbindung, die 2007 in der Scheiz aufgehoben wurde. In der französischsprachigen Schweiz gibt es bereits seit 1990er keine fixen Preise. Jetzt hat die Weko zehn Großhändler von französischsprachigen Büchern wegen der Beschränkung von Parallelimporten zu einer Strafe in Höhe von insgesamt 16,5 Mio Franken verdonnert, das sind ca. 13,5 Mio Euro.

Der Vorwurf: Im Zeitraum von 2005 bis 2011 hätten die Großhändler Schweizer Buchhandlungen daran gehindert, Bücher im Ausland – insbesondere in Frankreich – zu günstigeren Preisen zu beziehen. O-Ton: „Durch diese Marktabschottung konnten die Großhändler ein überhöhtes Preisniveau für Bücher in der Schweiz aufrecht erhalten und entsprechend ausnutzen.“
Die Untersuchung habe ergeben, dass die Großhändler Vertriebssysteme aufgebaut hätten, um den Wettbewerb auf dem Beschaffungsmarkt für französischsprachige Bücher einzuschränken.

„Aufgrund von Exklusivvereinbarungen zwischen den Großhändlern und den Verlagen konnten die Buchhändler während des Untersuchungszeitraums keine Bücher im Ausland beziehen. Entsprechend haben zwischen 2005 und 2011 praktisch keine Parallelimporte stattgefunden, da die Versuche der Buchhändler, sich direkt aus dem Ausland zu billigeren Preisen beliefern zu lassen, scheiterten.“

Nur ein Buchhändler kam durch

Die Großhändler hätten laut Weko die von den Schweizer Buchhandlungen nachgefragten Parallelimporte verhindert. „Zudem sah eine Vielzahl weiterer Vertriebsabreden ausdrücklich vor, dass die Vertriebspartner der Großhändler selbst keine Verkäufe tätigen dürfen oder alle notwendigen Maßnahmen ergreifen müssen, um solche Verkäufe zu verhindern. Hierdurch wurde der Schweizer Markt vollständig abgeschottet, was den Wettbewerb stark behindert hat.“ Nur ein Buchhändler habe es geschafft sich mit Hilfe eines verdeckten Vertriebssystems bei Geschäftspartnern im Ausland mit Büchern einzudecken.

Die Strafzahlungen wurden verhängt gegen: Albert le Grand, Dargaud (Suisse), Diffulivre, Diffusion Transat, Éditions Glénat (Suisse), Interforum Suisse, Les éditions des 5 frontières, Les Editions Flammarion, OLF und Servidis.

Branchenverband sort sich um Auslieferungen

Im „Schweizer Buchhandel“ hat sich Françoise Berclaz, Präsidentin der Association Suisse des Diffuseurs, Editeurs et Libraires (ASDEL), dem Branchenverband in der französischen Schweiz, kritisch zum Weko-Entscheid geäußert: „Auch wenn die Sanktionen geringer ausfallen als die ersten Androhungen letzten Sommer vermuten liessen, lasten sie doch schwer auf einem Wirtschaftsektor, der so zerbrechlich ist, wie der des Buches.“  Mit den von der Weko verhängten Bußen bestehe die Gefahr, das Auslieferungsnetz in der Westschweiz zu schwächen, weil einige Unternehmen sich aus dem Geschäft zurückziehen könnten oder müssten. Der Westschweizer Buchhandel müsse schnell und effizient liefern können, um der Konkurrenz von Internethändlern begegnen zu können, was nun in Frage gestellt werden könnte. Damit sei auch das breite Angebot in den Buchhandlungen gefährdet und könne längerfristig zu einer Verarmung der kulturellen Diversität führen.

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