Wimmlinger erzählen Kindern das Leben

Im Kinder- und Jugendbuchsegment gehören die Wimmelbücher seit einigen Jahren zu den großen Gewinnern. Sie erreichen nach Angaben der Verlage hohe Verkaufszahlen, und so wundert es nicht, dass das Genre inzwischen in vielen Programmen einen festen Platz hat. Ein Ende der Nachfrage nach den farbenfrohen Bildern zum Suchen und Entdecken scheint trotz des gewachsenen Angebots nicht absehbar, und obwohl sich die Konkurrenzsituation in den letzten Jahren deutlich verschärft hat, bringen viele Verlage im Frühjahr neue Titel auf den gut versorgten Markt.
Der Ravensburger Verlag etwa, der mit Ali Mitgutsch den großen Klassikerautor des Genres im Programm hat (4,5 Mio verkaufte Exemplare), brachte zum Jahresanfang dessen Titel „Mein großes Wimmel-Suchbuch“ als Neuerscheinung heraus und stellt zudem das erste Wimmelbuch im tiptoi-Programm vor: „Mein großes Wimmelbuch“ (ET: Mai 2013) mit Bildern von Friederike Großekettler liefert zu den sieben verschiedenen Wimmelwelt-Doppelseiten eine Vielzahl von Geräuschen, Dialogen, Spielen und Liedern. Es ergänzt sowohl die tiptoi-Produktpalette als auch das Wimmelbuch-Programm, zu dem neben den klassischen, großformatigen Pappbilderbüchern seit dem Oktober 2012 auch Apps für das iPad gehören.
Spielerischer Mehrwert wird geliefert
Wimmelbilder sind also längst nicht mehr auf das klassische Bilderbuchformat beschränkt, sondern werden auch in anderen Produktkategorien verwendet, um Kindern spannende Unterhaltung oder lehrreiche Beschäftigung zu bieten. Die Ausstattung ist durch die Verwendung von Klappen oder Stanzungen abwechslungsreicher geworden,und auch die Themenvielfalt hat zugenommen. Neben klassischen Inhalten wie Stadt, Land, Natur, Jahreszeiten oder Bereiche des kindlichen Lebens (Spielplatz, Kindergarten, Schule etc.) finden sich in den aktuellen Verlagsprogrammen Novitäten zum Thema Berufe (Beltz: „Was machen die da?“, Februar), über bestimmte Tiercharaktere (Baumhaus: „Wo sind die Erdmännchen im Urlaub“, Mai) oder zu etablierten Bilderbuchfiguren (Carlsen: „Suchen und entdecken mit Pip und Posy“, Juli 2013).
Und selbst im Lernumfeld hat sich das Wimmelbild etabliert: Zur „gezielten Sprachförderung von Kindergartenkindern“ erscheinen bei Duden „Wimmel-Wörterbücher“, die beide Buchformate kombinieren. Zu den Novitäten des Frühjahrs zählen der Band „Bunte Märchenwelt“, das Mini-Wimmelwörterbuch „Wir spielen“ sowie die Hefte „Mein großer Wimmelspaß“ 1 und 2 für Kinder ab 4 Jahren.
Sättigung ist nicht in Sicht
Wie Ulla Behrendt-Roden, BI-Verlagsleiterin Kinder- und Jugendbuch, erläutert, kombinieren die neu entwickelten Mitmachhefte die Wimmelbilder mit kleinen Aufgabenstellungen. Einige Seiten würden an Kritzel- und Malbücher erinnern und Raum für eine freie Gestaltung lassen, die sich aber immer um den entsprechenden Wortschatz drehe. Obgleich der Markt mit vielen Vorschulheften besetzt sei, verspreche man sich von diesem Konzept einen guten Erfolg: „Die Kombination von Rätsel-, Wimmel- und Kritzelbuch gibt es in dieser Form noch nicht.“
Insgesamt habe sich das Wimmelwörterbuch-Format bei Duden gut entwickelt, fasst Behrendt-Roden zusammen: „Das Konzept und die Aufmachung haben zu einer großen Nachfrage geführt. Dies hat uns ermutigt, nicht nur weitere Wimmel-Wörterbücher folgen zu lassen, sondern eine ganze Duden-Wimmelbuchfamilie in unterschiedlichen Ausgabeformen zu veröffentlichen.“
Auch für den Bilderbuchmarkt bestehe noch keine Gefahr der Sättigung, meint Frank Kühne, Programmleiter Reihen und Marken bei Carlsen. Im Gegenteil: In dem Format stecke noch weiteres Potenzial. 
Kühne hat festgestellt, dass der Handel eine große Bereitschaft zeigt, die Vielfalt des Genres durch ein breites Angebot in seinem Sortiment abzubilden. Zudem sei der besondere Wert dieser Bücher auch dem Kunden stärker ins Bewusstsein getreten.
„Das Wimmelbuch ist – auch ganz ohne Text – unter dem Aspekt der Leseförderung von großer Bedeutung“, so Kühne. Mit Bildern beginne der Einstieg in das Verständnis von Inhalten. Und darum ist eine narrative Struktur in Wimmelbüchern so wichtig ist. „Nur vollgestopfte Bilder bringen nichts“, betont er. „Die Bücher müssen eine chronologische Geschichte erzählen, sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.“
Ein Qualitätsmerkmal, das auch die Bücher von Rotraut Susanne Berner auszeichnet: Die Illustratorin hat die erzählte Geschichte seit ihrem ersten, 2003 erschienenen „Winter-Wimmelbuch“ zum grundlegenden Prinzip gemacht. So begleitet man heute eine Reihe von Protagonisten durch ihren Alltag in der Stadt „Wimmlingen“. Es gibt rund 80 Figuren, die immer wieder auftauchen und teils miteinander in Beziehung stehen. Dabei gibt es eine begrenzte Anzahl von Schauplätzen als Rahmen für die Handlung. Im Laufe der Jahre ist so ein ganzer Wimmelbuch-Kosmos entstanden, zu dem der Verlag weitere Buchformate, Puzzles, ein Spiel, Kalender und Nonbooks entwickelte. 
Das „Wimmlingen“-Jubiläumsjahr 2013 feiert Gerstenberg mit einer Reihe von Novitäten (u.a. „Das große Wimmelbuch“, zwei Wendeleporellos, zwei Wimmel-Hinhörbuch-Sets aus Buch und CD), einem Waren-Aktionspaket und einer „Wimmelparty“-Aktion, bei der Kinder am Point of Sale malen, basteln und spielen können. 
Wie Hajo Schwabe, Marketing- und Vertriebsleiter bei Gerstenberg berichtet, werden sowohl das „Wimmel-Aktionspaket“ mit Produkten und Werbemitteln als auch die kostenlosen Wimmelparty-Materialien sehr gut angenommen. Von ersten Events gab es bereits positive Rückmeldungen, und das Jubiläumsjahr nimmt weiter Fahrt auf: „50 Partys sind bereits in Planung.“
Von Ulrike Peters

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