Rezepte für die Restrukturierung gesucht

Seit Jahren ist die Finanzlage des Börsenvereins angespannt, weil die Mitgliederzahl sinkt und die Kosten zu hoch sind. Seit Jahren stehen Beitragserhöhungen im Raum – es dürfe keine Denkverbote geben, traute sich im vergangenen Jahr Schatzmeister Jürgen Horbach (Foto) aus der Reserve, um prompt Kritik von Mitgliedern zu ernten, der Verband solle einfach mehr sparen. Jetzt ist die Zeit offenbar gekommen, um Denken in Handeln zu verwandeln: Der Vorstand des Börsenvereins will mit Beitragserhöhungen und einem verschärften Sparkurs die Finanzen in Ordnung bringen.
Der Vorstand habe ein ganzes Maßnahmen-Paket geschnürt, berichten die Frankfurter per Pressemitteilung. Die geplanten Maßnahmen im Konkreten: 
  • Beiträge: Die Mitgliedsbeiträge sollen stufenweise in den nächsten fünf Jahre erhöht werden, dabei solle aber die „historisch gewachsene“ und relative Mehrbelastung der unteren Beitragsgruppen abgemildert werden. Konkret: Die Beiträge der Gruppen 1 bis 3, 4 bis 14 und ab 15 sollen differenziert erhöht werden. Beispiele: Ein Unternehmen der Beitragsgruppe 1 würde nach fünf Jahren jährlich 20 Euro mehr bezahlen; am anderen Ende der Skala würde eine Firma der Beitragsgruppe 40 über 2000 Euro mehr abführen, das wäre ein Plus von fast 20% (hier eine Tabelle der Beitragsrechnung für den Bundesverband). 
  • Diät: Vorgeschlagen werden außerdem Kostensparmaßnahmen bei Personal, Projekten und Dienstleistungen in Höhe von rund 150.000 Euro – ein vergleichsweise sanfter zusätzlicher Druck auf die Kostenbremse (Horbach hatte im vergangenen Jahr erklärt, der Verband habe seit 2004 schon 6,1 Mio Euro „nachhaltig eingespart“).
  • Querfinanzierung: Die Wirtschaftsbetriebe sollen über 400.000 Euro pro Jahr mehr an den Verband ausschütten.
  • Drittmittel: Für die Restrukturierung des Börsenvereins werden aktuell „Zukunfts-Konzepte“ erarbeitet, die sich auf die Suche neuer Mitgliedsgruppen (im Gespräch sind Druckereien, freie Lektoren, Grafiker und Hersteller, Webdesigner, Ladenbauer, Bahnhofs- und Versandbuchhändler) und ein Sponsoring von zentralen Projekten des Börsenvereins (z.B. des Vorlesewettbewerbs) beziehen.
Horbach, der in den vergangenen Jahren oft auf die prekäre Entwicklung der Finanzen hingewiesen hatte, verteidigt die Erhöhungen und rechnet vor, dass der Börsenverein pro Jahr im Schnitt rund 100.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen weniger zur Verfügung habe (s. Grafik). „Das ist ein massiver finanzieller Einschnitt, der dauerhaft nicht allein durch Sparmaßnahmen aufgefangen werden kann.“ Das aktuelle Beitragsgefüge sei im Zuge der Verbandsreform 2003 eingeführt worden und seitdem stabil geblieben.
Das von der Vorstandssitzung am Dienstag beschlossene Paket werde jetzt dem Haushaltsausschuss vorgelegt, der dann für das Budget 2014 der Hauptversammlung eine Empfehlung aussprechen soll. 

Kommentare

5 Kommentare zu "Rezepte für die Restrukturierung gesucht"

  1. Christian Röhrl, AUB Vorstand | 18. April 2013 um 10:45 | Antworten

    Diese Kurve dürfte in etwa die Umsatzentwicklung der kleineren und mittleren Sortimente spiegeln. Wie man auf die Idee kommen kann, dass die von dem weniger in der Kasse jetzt noch mehr zahlen können, entzieht sich mir. Zumal schon jetzt die relative Höhe der Beiträge im Vergleich zu den Ketten sehr unproportional ist. Eine mitlere Buchhandlung mit 1,5 Mios Umsatz zahlt den 16 fachen Beitrag einer Kette mit 1 Mrde, Umsatz.

  2. Tatsächlich: Sparen ist jedenfalls möglich. Einfach mal härter sein. – Und: Wie wäre es mit dem angestellten Buchhändler als Mitglied? Fördermitgliedschaften für einen Verband, von dem auch er etwas hat.

  3. Wäre einmal interessant , ob man nicht die Vorstandsgehälter einmal überprüft. Das wäre Vorbildfunktion für einen Verband, der mit seiner Aktion „Vorsicht Buch“ genau 10 Jahre zu spät kommt ! ;-(((

  4. Vielleicht sollte der BÖV einfach mehr Mitglieder mit mehr „Thinking out of the box“ erreichen: Die Buchbranche franst nach allen Seiten aus. Autoren werden Selfpublisher, Verlage bieten die App zum Roman an…usw. Kurzum: Der BÖV sollte in Zukunft der Verein für alle Anbieter von Inhalten sein. Unabhängig davon, ob diese Inhalte auf Papier zwischen zwei Pappdeckeln verkauft werden.

    • Alexander Vieß | 17. April 2013 um 10:50 | Antworten

      Frank, s. oben: „Für die Restrukturierung des Börsenvereins werden aktuell „Zukunfts-Konzepte“ erarbeitet, die sich auf die Suche neuer Mitgliedsgruppen […] beziehen.“

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