Wir nehmen das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst

Die Reportage des Hessischen Rundfunks über die Leiharbeiter bei Amazon (hier im Netz zu sehen) schlägt heute hohe Wellen.

Auf der Facebook-Seite der ARD und des Hessischen Rundfunks wird kontrovers über das Thema Leiharbeiter diskutiert, hunderte Kommentare sind bislang eingegangen.

Die Partei der Grünen (Landesverband Hessen)  hat die Bedingungen, unter denen ausländische Saison- und Leiharbeiter in Bad Hersfeld leben und arbeiten müssen, als „vollkommen indiskutabel“ bezeichnet: „Das Unternehmen nutzt die Not insbesondere osteuropäischer oder spanischer Arbeitsloser skrupellos aus, um Personalkosten zu drücken. Das Beispiel zeigt erneut, dass wir nicht nur endlich einen flächendeckenden Mindestlohn brauchen. Auch eine wirksame Begrenzung der Leiharbeit ist überfällig“.

Amazon reagiert mit einer Stellungnahme: 

„Über 7.700 festangestellte Mitarbeiter arbeiten in den deutschen Amazon-Logistikzentren, in der Weihnachtssaison stellen wir zusätzliche Amazon-Mitarbeiter saisonal befristet ein. Diese Mitarbeiter unterstützen uns, um die erhöhte Anzahl an Kundenbestellungen in Spitzenzeiten zu bewältigen. Gleichzeitig haben wir dadurch die Möglichkeit, potenzielle neue langfristige Mitarbeiter kennenzulernen und gemäß unserem zukünftigen Wachstum einzustellen. In absoluten Spitzenzeiten arbeiten wir darüber hinaus mit Zeitarbeitsfirmen zusammen. 

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde.

Sicherheit hat oberste Priorität in unseren Logistikzentren. Wir nehmen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst und überprüfen externe Dienstleister, die die Unterbringung von Saisonkräften aus anderen Regionen verantworten, regelmäßig. Wichtig ist uns hier auch die Rückmeldung unserer Mitarbeiter: Wann immer Mitarbeiter Verbesserungen im Rahmen der Arbeitsbedingungen oder der Unterbringung vorschlagen, prüfen wir dies umgehend.

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten. 

Unser Ziel ist es, Bestellungen unserer Kunden jederzeit schnell und zuverlässig auszuliefern. Wir wissen: Das geht nur mit zufriedenen Mitarbeitern – unabhängig davon, ob sie langfristig beschäftigt, saisonal angestellt oder uns über eine Zeitarbeitsfirma unterstützen. Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten. 

Weitere Informationen zur Arbeit in unseren Logistikzentren finden Sie unter www.amazon.de/logistikzentren.“

Kommentare

11 Kommentare zu "Wir nehmen das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst"

  1. Meine Sicht: In der Reportage Vertrag Leiharbeiter für 32,5 Std.*8,52EUR*4,33 Wochen ergibt 1200 EUR brutto monatlich. Unter unwürdigen und gesetzlich fragwürdigen Bedingungen, wobei unverschuldeter Arbeitsausfall nicht bezahlt wird. Freie Verpflegung und freie Unterkunft 2012 219+212=431 EUR monatlicher Sachbezug, der nicht ausgewiesen wird. Der Einbehalt im Betrieb somit ebenfalls nicht sowie die Abführung der Umsatzsteuer aus dem Verpflegungssachbezug? Sieht so aus. Dazu, dass sowohl Amazon als auch die Arbeitsagentur das Anlocken der Arbeitnehmer unter falschen Voraussetzungen unterstützt. Ich habe von Drückerkolonnen zwar Schlimmeres gehört, sehe da aber Parallelen. Die verlogene Stellungnahme von Amazon rundet das miese Bild noch ab. Immerhin konsequenter Beschiss. Bei so viel Gestank wird mir ganz schlecht. Ich war bis Dato ebenfalls gern Amazon-Kunde. Dank an die Reporter, die rosa Brille ist nu weg.

  2. Ich habe mein Konto gekündigt. Ohne Action keine Veränderung !

  3. Alles nur geträumt…

  4. Unglaubliches PR-Statement von Amazon. Keine Bestellung werde ich mehr tätigen, solang die Geschäftsführung keine Verbesserungen durchsetzt und diese dann von extern Filmen/Dokumentieren lässt.

  5. Andreas Birnbacher | 14. Februar 2013 um 21:49 | Antworten

    Kapitalismus, ein System das funktioniert…

    • Klar, Im Sozialismus hätte es sowas schon allein wegen der Papierknappheit und der langsam arbeitenden Zensoren nicht gegeben.

  6. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon, die Arbeitsbedingungen insgesamt haben sich mehr als nur verschlechtert. Das gilt für Deutschland genauso , wie für China und viele andere Staaten.Das ist der Preis,den wir bezahlen für ungezügelten Konsum. Nur der Verbraucher selber kann durch sein Verhalten Veränderungen erreichen. Ich werde nicht mehr bei Amazon bestellen.

    • Nein, das ist keine Frage ungezügelten Konsums, sondern miesen Managements auf der Ebene der „obersten Heeresleitung“. Der „ungezügelte Konsum“ müsste ja eigentlich dazu führen, dass es dem Unternehmen dank Super-Umsätzen richtig gut geht und man dies auch in Form fairer Bezahlung an die Mitarbeiter weitergeben kann. Doch von oben – von der obersten Managementebene – wird Druck gemacht. Klaro: die Herren Manager stecken sich doch so gerne die Millionengehälter selbst ein, da hält man die Mitarbeiter doch lieber an der allerkürzesten Hundeleine. Denn was bei denen nicht landet, kommt in Form von Boni auf dem Konto der obersten Heeresleitung an. So läuft das Spiel – und nicht nur bei Amazon.

  7. Es gibt dieses schöne englische Wort Bullshit. Nichts anderes ist diese Pressemitteilung.

  8. Die im Bericht dargestellten Verhältnisse waren allerunterste Schublade. Um diese glaubhaft zu verändern, braucht es weit mehr als ein paar warme PR-Worte wie die von heute… Erschreckend.

  9. Im Bericht hat Amazion jede Stellungsnahme abgelehnt. Jetzt wollen sie alles abstreiten. Dazu ist es jetzt zu spät. Wenn Mitarbeiter sich beschweren, dann fliegen sie heraus. Denn diese sind nicht bei Amazon sondern bei der Leiharbeitsfirma angestellt.

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