Die Fifty Shades-Bezwingerin

Von Verlagen verschmäht, auf eigene Faust reüssiert, um dann doch von einem Verlag groß herausgebracht zu werden. Ein neues Kapitel in dieser inzwischen bekannten Geschichte von Selfpublishing-Autoren eröffnet Rowohlt. Im Januar veröffentlichen die Reinbeker das Romandebüt der, so Rowohlt, „erfolgreichsten deutschen Liebesromanautorin“ Carina Bartsch als Taschenbuch.
Für Rowohlt ist es das erste Mal, dass ein Buch eines Selfpublishing-Autors im Print herausgebracht wird. Das Risiko scheint gering zu sein, denn die Erfolgsbilanz der Autorin ist beachtlich.
Kirschroter Sommer“ heißt die in Berlin angesiedelte Liebesgeschichte der 1985 geborenen Autorin, die laut Rowohlt erst die Realschule, dann eine Wirtschaftsschule und schließlich die Lehre abbrach, um sich dem Schreiben zu widmen. Im Dezember 2011 erschien der Roman im Selbstverlag (Schandtaten Verlag) – und entwickelte sich zum Erfolg: 
Auf ihrer Webseite erinnert sich die Autorin an ihre glücklose Suche nach einem Verlag. „Das Interesse war gleich Null, niemand wollte es haben. Und dann? Aufgeben? Immer weiter probieren und bis 50 warten, ehe ich endlich Glück bei einem Verlag habe? Nein. Schreiben ist das, was ich tun möchte. Ich wollte mein Leben nicht davon abhängig machen, bis mir irgendjemand irgendwann eine Chance gibt. Also blieb mir nur die Möglichkeit, meinen eigenen Verlag zu gründen. Ein Jahr Arbeit später öffnete der Schandtaten Verlag seine Türen.“
Als die Autorin schließlich auf eigene Faust erfolgreich wurde, sei der Literaturagent Klaus Gröner (Agentur Erzählperspektive) auf den Plan getreten und habe das Buch schließlich auf der Buchmesse 2012 erfolgreich präsentiert: Mehrere Verlage hätten geboten, darunter Random House, am Ende habe sie die Offerte von Rowohlt überzeugt. 

Der Verlag bringt die beiden Roman-Bände mit einer Auflage von jeweils 30.000 Stück auf den Markt.

„Wir verschaffen dem Autor Freiräume“

Lektorin Ditta Kloth über das Selfpublishing-Debüt von Rowohlt:

Rowohlt hat mit Carina Bartsch erstmals einen Selfpublishing-Autor unter Vertrag genommen. Warum erst jetzt?
Da wir als Verlag immer auf der Suche nach guten Autoren und neuen Stoffen sind, beobachten wir natürlich auch die E-Book-Listen und -Portale mit wachsendem Interesse. Bisher erreichten uns die E-Book-Phänomene, die ohne Verlag erfolgreich wurden, meist aus den USA. Dass es uns nun mit Carina Bartsch gelungen ist, eine bereits im Selbstverlag erfolgreiche deutsche Autorin zu gewinnen, freut uns sehr. „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ sind zwei Frauenromane voller Gefühl, denen wir als Taschenbuch auch über die klassischen Vertriebswege sehr viel zutrauen. Ob diese Form der Zweitverwertung in Zukunft einen größeren Raum in unserem Programm einnimmt, wird sich zeigen. Wie bei allen Akquiseformen gilt es, dass die Texte unseren Qualitätsvorstellungen genügen müssen. Wenn ein Autor sich vorher schon aus eigener Kraft eine Öffentlichkeit geschaffen hat, kann uns das natürlich nur recht sein.

Andere Selfpublishing-Autoren haben diesen Schritt durchaus kritisch beurteilt. Rowohlt schöpfe nur die Sahne ab, ohne ins Risiko zu gehen…
Natürlich ist es für uns attraktiv, Autoren zu publizieren, die bereits über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen. Aber das ist ja auch nicht anders, wenn ein Autor von einem klassischen Verlag zum anderen wechselt. Und es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wir bieten unseren Autoren ja mehr, als ein fertiges Produkt in den Druck zu geben. Wir wollen Frau Bartschs Romanen auch im Print zu ihrem verdienten Erfolg verhelfen, was in dieser Größenordnung kaum noch in Eigenregie zu bewältigen wäre. Für die Taschenbuch-Ausgabe haben wir einen gründlichen Lektorats- und Korrekturdurchgang durchgeführt. Bisher musste Frau Bartsch sich um Redaktion, Layout, Cover, Vertrieb, Pressearbeit, Werbemaßnahmen etc. selbst kümmern. Das können wir ihr nun abnehmen, damit sie sich in Zukunft wieder auf das konzentrieren kann, was ihr am wichtigsten ist: das Schreiben. 


Ist es für die traditionellen Print-Verlage durch das Aufkommen des SP-Bereich leichter oder schwieriger geworden, neue Autoren an sich zu binden?
Bei selfpublished Autoren handelt es sich um einen neuen Typus von Autoren, viele verstehen sich als Unternehmer – „author-entrepreneurs“ nennt man das in Amerika –, die, wie Frau Bartsch, ihre eigenen Manager, Grafiker, Werber und Justiziare sind. Vielen gelingt das erstaunlich gut. Frau Bartsch hat uns mit dem, was sie auf die Beine gestellt hat, sehr beeindruckt. Das ist aber alles auch sehr viel Arbeit, vor allem, wenn ein Buch erst einmal erfolgreich wird. Und das Rundum-Selbstmanagement ist auch nicht ohne Risiken; ich denke da nur an den Plagiatsfall, der jüngst durch die Medien ging, bei dem in einem solchen Maße – unter anderem auch von unserer Autorin Ildikó von Kürthy – abgekupfert wurde, wie ich es für ein in einem guten Verlag erscheinenden Buch ausschließen würde. Wir verschaffen unseren Autoren Freiräume, damit sie sich voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren können und sich nicht um Herstellung, Vertrieb und Vermarktung ihrer Bücher kümmern müssen. Außerdem bietet der Verlag Buchhandel wie Endkunden eine Qualitätsgarantie, die diese sehr wohl zu schätzen wissen. 

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