TV-Tipp 25. Juni 2012

Anlässlich des 30. Todestages des legendären Regisseurs Rainer Werner Fassbinder (31.5.1945-10.6.1982) zeigt ARTE am Montag, 25. Juni 2012 um 19.00 Uhr dessen Literaturverfilmung „Effi Briest“: Die 17-jähriige Effi wird mit dem viel älteren Baron Geert von Instetten verheiratet. Unglücklich über ihren lieblosen Ehealltag mit dem ehrgeizigen Baron, beginnt sie ein Verhältnis mit Major Crampas. Als ihr Mann Jahre später hinter die Liebschaft seiner Frau kommt, fordert er Crampas zum Duell heraus und tötet ihn. Er verstößt Effi, die bald darauf ihren Lebenswillen verliert und stirbt. 
Nach dem Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane zeigt Rainer Werner Fassbinder in seinem Film, wie eine Gesellschaft mit emotionaler und physischer Brutalität ihre herrschenden Werte von Ehre und Moral erhält. Widerstand gibt es keinen, weder von der verstoßenen Effi selbst noch ihren Eltern, die die Verurteilung als gesellschaftlich normalen Vorgang akzeptieren.
Fassbinder hat die filmische Umsetzung des Romans mit strenger Konsequenz betrieben. Er zeichnet die Zeit und das Milieu in einer überaus nuancierten Schwarzweiß-Fotografie. Der Zuschauer wird nicht mit suggestiven Bildern erschlagen, sondern der Film berichtet behutsam und gründlich, ja fast detailbesessen die Geschichte Effies. Fassbinder versucht keine Aktualisierung der literarischen Vorlage, bekennt sich vielmehr durch Schriftinserts und einen kommentierenden Erzähler zu ihr und macht dabei durch seine einfühlsame Interpretation des Romans seine überzeitliche Wirkung sichtbar.
Dazu Fassbinder: „Ich meine, man soll an dem fertigen Film ganz klar merken, dass das ein Roman ist, und dass an dem Roman nicht das wichtigste ist, dass er eine Geschichte erzählt, sondern wie er sie erzählt. Die bisherigen ‚Effi-Briest‘-Verfilmungen zeigen sehr wenig von der Zeit und von Fontanes Sicht dieser Zeit. Ich finde das verkehrt, es sollte immer spürbar sein, dass das eine von jemand einmal erzählte Geschichte ist. Wie und warum die Geschichte so erzählt worden ist, das muss sich durch den Film übertragen.“

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