Das Geschäft ist kleinteiliger geworden

Der Bahnhofsbuchhandels-Primus Valora Retail Deutschland investiert ins stationäre Geschäft, aktuell mit der Übernahme der Kioskkette Convenience Concept (hier mehr). Im buchreport-Interview spricht Geschäftsführer Mathias Gehle über das Kaufverhalten im Bahnhofsbuchhandel und vertagte Online-Pläne.

Valora knüpft sein Netz im Presse- und Buchhandel immer enger: Keine Zweifel an der Zukunft der Printmedien?

Es gibt keinen Grund, die Zukunft der Printmedien in Frage zu stellen. Die Absatzmengen der Printmedien gehen bereits seit über zehn Jahren im Gesamtmarkt zurück, gleichwohl ist es uns gelungen, den Umsatz auf gleicher Fläche sogar leicht zu steigern. Das Geschäft ist viel kleinteiliger geworden, d.h. man muss den Umsatz mit viel mehr Titeln in sehr kleinen Stückzahlen realisieren.

Sind kleine und mittlere Flächen wie im Bahnhofs- und Kioskhandel weniger gefährdet?

Entscheidend ist unabhängig von der Flächengröße die Ansprache der Kunden, die richtige standortbezogene Sortimentierung, der persönliche Kundenkontakt und das Know-how der Mitarbeiter. Nur wer unverwechselbar ist, ist nicht substituierbar.

Der Buchhandel treibt Multichannel-Strategien voran. Wie halten Sie es mit der Verzahnung der Vertriebswege?

Das Konsumverhalten im Bahnhofsbuchhandel als Impulskaufstätte unterscheidet sich deutlich vom Sortimentsbuchhandel. Es spricht vieles dafür, dass der spontan kaufende Kunde etwas sehen und anfassen möchte, um sich inspirieren zu lassen. Insofern gibt es keinen Zusatznutzen in den Geschäften des Bahnhofsbuchhandels. Ob sich der Aufbau einer eigenen Online-Plattform trägt, wird die Zukunft zeigen.

Kann der Bahnhofsbuchhandel auf eine Vernetzung von Online- und stationärem Geschäft sowie Sortimentserweiterungen verzichten?

Wir sehen zurzeit in der Konzentration auf gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen ein nach wie vor großes Potenzial. Digitalisierung ist eine Erlösquelle, die uns als stationäre Händler im größeren Maßstab sicherlich keine Absicherung unseres Kerngeschäftes ermöglichen wird. Der Verkauf von Hardware oder ein Erlösanteil an verkauften E-Books sind zumindest auf Sicht keine Perspektive für den Bahnhofsbuchhandel. Anders ausgedrückt: Die Konzentration anderer Marktteilnehmer auf andere Themen als Print – sei es Digitalangebote oder ergänzende Sortimente – ist geradezu eine Chance für den Bahnhofsbuchhandel, sich als erste Anlaufstelle für relevante Printprodukte zu profilieren. 

Wie kann der Bahnhofsbuchhandel punkten?

Es sind sowohl Inszenierung als auch Emotionalisierung von Presse und Büchern, die Potenziale bieten. Gerade wir im Bahnhofsbuchhandel erhalten täglich Feedback von unseren Kunden und merken, dass auch jüngere Zielgruppen nach wie vor Zeitschriften und Bücher kaufen.           

Die Fragen stellte Till Spielmann

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