Digitalisierung schadet erotischer Literatur

Die Verlegerin Claudia Gehre (Foto) tritt regelmäßig mit Autoren und Tänzerinnen auf die Bühne, um Erotik, Literatur und Tanz zu verbinden. Im Interview beschreibt die Chefin des Konkursbuch-Verlags Konzept und Hintergründe – und welchen Stellenwert erotische Literatur heute auf dem Buchmarkt hat.

Anfang Dezember präsentierte Gehrke zuletzt mit der Performerin Bridge Markland, Autorinnen wie Anne Bax sowie der Tänzerin Madita Mannhardt (Foto) in Berlin eine „erotische Leseshow“ („Tagesspiegel“).
Bei literarischen Lesungen denken manche Leser an Wasserglas und gepflegte Langeweile. Bei Ihnen gibt es Erotik und Tanz. Wie kommt das an?
Wir haben eine gute Mischung auf der Bühne, Autorinnen und Tänzerinnen im Alter zwischen 25 und 70. Dies kommt immer gut an im Publikum. Bei meiner Berliner Lesung kamen am Ende Zuschauer zu mir und sagten, sie fänden es gut, dass eine Verlegerin so etwas präsentiert.
Was ist Ihr Part bei der Lesung?
Ich stelle das Programm seit fast 14 Jahren zusammen, aus unserem  erotischen Jahrbuch „Mein heimliches Auge“ und aus erotischen Romanen oder Erzählungen von Anne Bax, Phoebe Mueller, Regina Noessler, Sigrun Casper, Ulrike Voss und anderen Verlagsautorinnen, auch Gedichte von Yoko Tawada kommen vor. Außerdem moderiere ich den Abend. Aus meiner Sicht ist das eine interessante Art und Weise, Bücher vorzustellen.  Die Besucher erwarten möglicherweise ein ganz anderes Programm und nehmen am Ende Bücher-Tipps mit nach Hause.
Es gibt ein nettes Gerücht im Zusammenhang mit Ihrem Verlag: In dem Salon, aus dem der Verlag entstand, sollen die Teilnehmer, darunter namhafte Philosophieprofessoren, an Spiegeln, die auf dem Boden lagen, gegessen haben, und die Frauen sollen nichts unter den Kleidern getragen haben. Der Crossover war also von Beginn an vorhanden gewesen?
Ja, wir haben schon immer das Schubladenüberschreitende gehabt, wobei das Gerücht so natürlich nicht stimmt, aber es wurde gegessen, debattiert, Texte vorgelesen und Erotisches mehr …
Ihr Verlag hat neben der Erotik ein breites literarisches Portfolio. Gelingt der Spagat zwischen Erotik und anderen Themen?
Im Leben sind die Grenzen ja auch nicht so fest. Und unsere Leser kaufen Bücher wie von Yoko Tawada ebenso wie das erotische Jahrbuch. Aber in der Werbearbeit ist dieser Spagat tatsächlich nicht immer leicht.
Im Kontext der Weltbild-Affäre sind erotische Bücher derzeit ein großes Thema. Welchen Stellenwert haben diese Bücher auf dem Buchmarkt?
Es gibt einerseits eine Flut an Titeln, die in den Buchhandlungen immer noch in die hinterste Ecke gestellt werden. Daneben hat fast jeder belletristische Verlag inzwischen Romane mit erotischen Stellen im Programm. Durch die Digitalisierung ist das Niveau gesenkt worden, da es beispielsweise im Kindle-Programm zahlreiche Erotik-Titel auf niedrigstem Niveau zu kleinsten Preisen gibt. Das Ambivalente der erotischen Literatur bleibt in diesen Texten oft auf der Strecke.

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