Wer sich nicht anpasst, stirbt den Saurier-Tod

Trident Media sitzt im US-Rechtehandel in der ersten Reihe. Chairman Robert Gottlieb (Foto) ist seit über 30 Jahren im Lizenzgeschäft aktiv. Im buchreport-Interview spricht er über E-Books und den Strukturwandel im US-Buchmarkt.

Der Buchmarkt erlebt weltweit, aber ganz besonders in den USA einen tief greifenden Strukturwandel. Wer sind die Gewinner und Verlierer in der neuen digitalen Welt?

Die Gewinner sind jene, die Wechsel als eine Chance für die Erschließung neuer Einnahmequellen und Märkte sehen. Verlieren wird, wem es nicht gelingt, sich auf die Anforderungen des Marktes einzustellen. Die Dinosaurier sind ausgestorben, weil sie nicht gelernt haben, sich anzupassen. Das droht auch denen, die sich den Veränderungen im Markt verweigern.

Gilt das auch für Autoren, die ihre Bücher nicht digital veröffentlicht sehen wollen?

Selbstverständlich. Autoren, die sich weigern, ihre Werke in allen verfügbaren Formaten anzubieten, schaden sich selbst ganz erheblich, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft.

Wann werden die Umsätze mit E-Books die der Printausgaben überholen?

Das ist noch nicht absehbar, aber die Nachfrage verschiebt sich sehr viel schneller als zunächst erwartet worden war. Von vielen Verlagen wissen wir, dass mittlerweile etwa 50% ihres Angebots an Unterhaltungsliteratur als E-Book weggeht.

Wo steht das E-Book heute im Lizenzhandel?

E-Books sind eine von mehreren Einnahmequellen, auf denen eine Autorenkarriere aufbaut. Genauso wie Übersetzungsrechte, Film/TV, Audio und natürlich das gedruckte Buch sind sie Teil des Lizenzkorbs, auf den der Autor zurückgreifen kann.

Immer öfter veröffentlichen frustrierte Autoren ihre Bücher selbst im Internet. Macht der explodierende E-Book-Markt sie unabhängig(er) von traditionellen Vertriebswegen?

Autoren sind durch die digitale Buchwelt in gewisser Weise tatsächlich bessergestellt, doch der neue Handelsplatz birgt auch seine Herausforderungen. Bei der Preisgestaltung zum Beispiel oder beim Marketing.

Doch wo bleibt der Agent, wenn dieser Trend an Fahrt gewinnt?

Agenten werden immer eine Rolle als Sachwalter der Autoren spielen. Wenn ein Autor sein Buch bei Amazon einstellt, dann steht es dort und das war es dann in der Regel. Mehr werbliche Unterstützung als Amazons übliche Suchfilter gibt es dort nicht. Das ist der Punkt, an dem der Agent als kundiger Führer durch das neue Territorium gefragt ist. Viel mehr Sorgen müssen sich die klassischen Buchverlage machen. Über ihrer Rolle im E-Markt hängen Fragezeichen, solange sie nicht zu besseren Konditionen bereit sind; Konditionen wie sie Amazon und andere Unternehmen bereits zahlen.

Inwieweit muss sich das Selbstverständnis des Agenten dem neuen Umfeld anpassen?

Einige Agenturen sind dabei, für ihre Autoren verlegerische E-Aufgaben zu übernehmen und verlangen dafür mehr als die üblichen 15% Provision. Trident geht anders an die Sache heran, bleibt bei 15% und ist gleichzeitig bemüht, neue Branchenstandards für die E-Book-Repräsentation zu setzen. Dabei bleiben wir dem Berufsbild des Agenten samt der damit einhergehenden treuhänderischen Verantwortung gegenüber unseren Autoren treu. Würden wir als deren Verleger agieren, wären Interessenskonflikte unweigerlich vorprogrammiert.

Die Fragen stellte Anja Sieg.

Das vollständige Interview lesen Sie im buchreport.magazin 11/2011 (hier zu bestellen).

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