Buchhändler nicht entmündigen

Die Briefwahl wird wieder eingeführt. Ein entsprechender Antrag unabhängiger Sortimenter wurde mit einer knappen Mehrheit von 165 Stimmen (119 Gegenstimmen) auf der Hauptversammlung des Börsenvereins am 10. Juni in Berlin beschlossen. Ein Überblick über die Diskussion:

Pro Briefwahl:

  • Die Erfahrung zeige, dass nur wenige Mitglieder des Börsenvereins persönlich an den Hauptversammlungen teilnehmen, erläutert die Sprecherin des Arbeitskreises kleinerer Sortimente, Andrea Nunne. Die Abschaffung der Briefwahl habe nicht zu dem gewünschten Effekt geführt, dass mehr Buchhändler an den Buchtagen teilnehmen. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass die Buchhändler hier so weit unterrepräsentiert sind“, so Nunne. Man dürfe nicht diejenigen entmündigen, die nicht teilnehmen können.
  • Die Stimmübertragung an Kollegen sei kein zufriedenstellender Ersatz, da sie Buchhändler vor zu große organisatorische Herausforderungen stelle.
  • „Im kleinen Sortiment ist die Stimmung nicht von Vertrauen geprägt“, so Klaus Peter Stegen von Oetinger. Viele Buchhändler könnten nicht teilnehmen, weil es die Wirtschaftlichkeit nicht hergebe, daher sollten sie mittels der Briefwahl an der Hauptversammlung teilnehmen dürfen.
  • Die Stimmübertragung könne ausgenutzt oder anders, als vom Übertragenden gewünscht, genutzt werden.

Kontra:

  • Nach Meinung von Osiander-Chef Hermann-Arndt Riethmüller ist die Stimmübertragung ein geeignetes Element, durch das diejenigen, die nicht zu den Buchtagen kommen können, ihre Meinung äußern können.
  • Die Hauptversammlung müsse gestärkt werden, der demokratische Willensprozess werde auf der Hauptversammlung gebildet.
  • Mittels Briefwahl können nur Personalentscheidungen getroffen werden, hingegen würden auf den Buchtagen durch die Anwesenden auch Grundrechte wie Satzungsänderungen oder Haushaltsgenehmigungen wahrgenommen.
  • Die Briefwahl könne manipuliert und organisiert werden.

Ob die Hauptversammlung auf einen Sonntag verlegt wird, wie es im Rahmen der Diskussion vorgeschlagen wurde, will der Börsenverein nun mittels einer Mitgliederbefragung erfassen.

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