Privatisierte Bücherei

Wenn die öffentliche Hand sparen muss, wird im Kulturetat der Rotstift bevorzugt zuerst bei den Bibliotheken angesetzt. Das ist in Deutschland so und international nicht anders. In den USA glauben krisengebeutelte Kommunen, den Stein der Weisen im Umgang mit ihren Stadtbibliotheken gefunden zu haben: Sie lagern sie kurzerhand aus und lassen sie von privaten
Unternehmen billiger managen, ungeachtet heftiger Proteste seitens der Bibliothekare und der Öffentlichkeit.

Die Nr. 1 unter diesen Dienstleistern ist Library Systems & Services (LSSI), der 14 Stadtbibliotheken mit 63 Zweigstellen verwaltet – und damit auf dem Papier der fünftgrößte Betreiber von Bibliotheken in den USA ist. Das Konzept ist simpel: Die Kommune spart Geld, weil der Festbetrag, den LSSI für das Management der Bibliothek inklusive Medienbeschaffung und Personal jährlich verlangt, deutlich unter dem Etatansatz liegt.

Die Firma wiederum führt die Bibliothek wie einen Wirtschaftsbetrieb in eigener Verantwortung und macht durch Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung ihr Geld – und ist dabei offensichtlich nicht zimperlich. Meldungen über einen zum Teil drastischen Sparkurs bei Verwaltungs- und Personalkosten häufen sich ebenso wie lautstarke Proteste von langjährigen Bibliotheksmitarbeitern, denen zugunsten billigerer Kräfte gekündigt wurde.

Die öffentliche Diskussion hat an Schärfe gewonnen, seit die „New York Times“ kürzlich berichtet hat, dass mit dem kalifornischen Santa Clarita erstmals eine Kommune LSSI ins Haus geholt hat, deren Bücherei gar kein Zuschussbetrieb ist, sondern sich finanziell selbst trägt. Die Bevölkerung der nahe Los Angeles gelegenen Stadt probt mittlerweile den Aufstand: Die Bürgerinitiative „Save Our Library“ klagt ebenso gegen den vorher nicht angekündigten Beschluss des Stadtrates wie mehrere Gewerkschaften.

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