Defensiv, aber nicht bei den Preisen

Allzu skeptisch gehen die Buchhändler nicht in die neue Saison, zeigt eine buchreport-Umfrage. Beim Einkauf wird sich das allerdings kaum bemerkbar machen. Es regiert die Warenwirtschaft.

Bei den Erwartungen des Sortimentsbuchhandels für das 1. Halbjahr 2010 halten sich Optimisten und Pessimisten nahezu die Waage. Damit ist die Stimmung deutlich besser als vor einem Jahr, als buchreport mit einer vergleichbaren Umfrage vor der Frühjahrsreise an das Sortimentsbarometer klopfte:

  • Perspektive hat sich aufgehellt: Anfang 2009 hatte die Hälfte der Befragten eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung erwartet, jetzt sind nur noch 30% skeptisch.  
  • Das Lager bleibt klein: Wie vor einem Jahr bleibt die Einkaufsneigung aber  selektiv bis defensiv: Angesichts der Jahreskonditionen und der ausgefeilten Branchenlogistik hält sich der Handel beim Stapeln von Novitäten auch weiterhin sehr zurück.

Bei Sachthemen genauer hinschauen

Zwar hängen die jeweiligen Orderentscheidungen von einzelnen Titeln, Programmen und Marketingimpulsen ab, aber die Richtung für die Warengruppen spiegeln die Warenwirtschaftszahlen des vergangenen Jahres:     

  • Bücher mit Sachthemen tun sich schwer: Bei Fachbuch, Sachbuch und Ratgebern wollen 40 bis 50% der befragten Buchhändler weniger einkaufen.
  • Belletristik hängt von der Verpackung ab: Bei Taschenbuch-Romanen überwiegt die Zahl der Buchhändler, die großzügiger ordern wollen (s. auch S. 16),  während Hardcover-Belletristik und auch Hörbuch-Verlage mit einem selektiverem Einkauf rechnen müssen.
  • Zuwächse im Ergänzungssortiment: Gute Erfahrungen hat der Buchhandel offenbar mit Nonbooks gemacht: Ein Drittel der Befragten will diesen Bereich ausbauen, für eine besondere Hebelwirkung sorgen die Signale der großen Filialisten, auf ihren oft großen Flächen Ergänzungsangebote auszubauen.

Nach verbreiteter Zurückhaltung im vergangenen Jahr wächst offenbar auch wieder die Bereitschaft, die Kundschaft mit MA-Angeboten zu locken.

Rütteln an den Preisschwellen

Dass die Verlage für die Neuerscheinungen zu hohe Preise kalkulieren, wird auf der Frühjahrsreise kaum ein Thema sein. Die Erfahrungen mit den Preiserhöhungen im Jahr 2009 waren nicht schlecht. Im Durchschnitt ist der Preis für ein verkauftes Buch laut buchreport-Umsatztrend um 1,8% gestiegen. Die Frage, ob Kunden im vergangenen Jahr häufiger über das Thema Preise gesprochen haben, bejaht nur eine Minderkeit: 78% haben keine besondere Preissensibilität ausgemacht. „Die Preiserhöhungen waren im Durchschnitt sehr moderat“, kommentiert ein Sortimenter. „Es wird angesichts der steigenden Kosten Zeit, öfter die Schwellen von 20 und 25 Euro im Hardcover zu durchbrechen.“

Die Frage, ob es Spielraum für weitere Preiserhöhungen gibt, beantworten in der Umfrage 56% mit Ja. Das gelte vor allem für Titel, die ein besonderes Medieninteresse erwarten ließen. Problematisiert wird allerdings die Preisstellung für MA-Titel und Sonderausgaben: Ein zu großer Preisabstand sei nicht vermittelbar. Mit ihrer Vorgehensweise, jeden Titel einzeln mit Blick auf die vermittelbare Qualität zu kalkulieren, sind die Verlage offenbar auf dem richtigen Weg, wie die Kommentare zeigen, die auf das richtige „Fingerspitzengefühl“ abheben.     

Zur Umfrage: Mehr Umsatz als der Durchschnitt

Die buchreport-Umfrage unter Standortbuch­hand­lun­gen und kleineren Filialisten erfolgte nach E-Mail-Aufforderung online und ano­nym, mit einer Rücklaufquote von 21% (n=69). Drei Viertel setzt bis zu 1 Mio Euro um, die anderen überwiegend zwischen 1 und 3 Mio Euro. Die Teilnehmer haben bei der Umsatzentwicklung 2009 etwas besser abgeschnitten als der repräsentativ erhobene buchreport-Umsatztrend (+0,2%). 14% haben auf diesem Niveau, 56% besser und 30% schlechter abgeschnitten. Separat wurden auch große Filialisten befragt.

Weitere Umfrage-Ergebnisse folgen im buchreport.express 3/10.

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