Marco Olavarria: Fakten! Fakten! Fakten?

Die Fragen von Verlagen und auch Medienjournalisten häufen sich: Ob sich die Prognosen von Kirchner + Robrecht zum Absatz von E-Readern bewahrheiten würden? Ich weiß es nicht, denn es fehlt an Daten. Und auch PricewaterhouseCoopers verwirrt eher, statt uns aufzuklären.

Die Fragen von Verlagen und auch Medienjournalisten häufen sich: Wie die Erfolgsaussichten des Kindle in Deutschland einzuschätzen seien? Wie die aktuelle Marktentwicklung zu bewerten sei? Ob sich die Prognosen von Kirchner + Robrecht zum Absatz von E-Readern bewahrheiten würden? Viele hoch aktuelle Themen, noch mehr drängende Fragen. Nur leider: Ich weiß es nicht, denn es fehlt an Daten.

Aktuell nun die Pressemitteilung von PricewaterhouseCoopers: PwC hat über 1300 Deutsche zum Thema E-Books und E-Reader befragt. Voller Vorfreude (vielleicht ergibt sich hieraus ja ein neuer Beitrag für den buchreport-Blog?) verschlinge ich die Ergebnisse. Und finde sie spontan hochinteressant. Bei genauerem Hinsehen aber überkommen mich Zweifel. Warum? Nun, PwC kommt zu folgenden Ergebnissen:

„Noch sind die Geräte [E-Reader] bei den Konsumenten weitgehend unbekannt. Denn erst acht Prozent der Deutschen wissen, was ein E-Book-Reader ist. Zumindest 23 Prozent der Deutschen haben schon einmal von „Kindle“, „Sony Reader“ und Co. gehört. Doch auch bei den Befragten, die sich tatsächlich mit den neuen Lesegeräten auskennen, ist die Begeisterung für das neue Medium noch verhalten. Immerhin besitzen sieben Prozent von ihnen einen E-Book-Reader und weitere 20 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten ein E-Book-Lesegerät kaufen oder denken ernsthaft über eine Anschaffung nach.“

Vorsicht, Falle!

Aha. Sieben Prozent von acht Prozent oder auch von 23 Prozent besitzen also bereits einen E-Reader. 20 Prozent von acht Prozent oder auch von 23 Prozent wollen einen Reader beschaffen oder denken ernsthaft über eine Anschaffung nach. Keine ganz kleine Bandbreite…

Weiterhin wird ausgeführt: „34 Prozent der Befragten glauben, dass E-Books auf lange Sicht das gedruckte Buch ersetzen werden. Vor die Wahl gestellt würden derzeit aber dennoch sieben von zehn Befragten lieber das gedruckte Werk in die Hand nehmen als sein elektronisches Pendant.“

Lassen Sie uns Letzteres mal eben umformulieren: Vor die Wahl gestellt, würden derzeit drei von zehn Befragten lieber ein elektronisches Werk nutzen als sein gedrucktes Pendant.

Das hört sich doch schon ganz anders an, oder? Aber Moment: Gerade einmal acht Prozent wissen, was ein E-Reader ist und können daher die Vor- und Nachteile von E-Ink und E-Readern (vielleicht) einschätzen. Dennoch möchten bereits 30 Prozent lieber elektronisch lesen? Das finde ich nicht plausibel! Ich fürchte, ich habe einen unzulässigen Umkehrschluss getroffen. Ob es hier noch eine weitere Antwortkategorie gab? Dazu ist den veröffentlichten Ergebnissen leider nichts zu entnehmen.

Auch die Erkenntnisse von PwC zu den Preisvorstellungen finde ich äußerst interessant. Hiernach würden „rund 75 Prozent auf keinen Fall mehr für die elektronische Ausgabe bezahlen wollen als für ein Taschenbuch, während nur 14 Prozent keinen Unterschied zwischen einer gebundenen Ausgabe und einem E-Book machen würden.“ Wie muss ich das nun verstehen? 75 Prozent wollen auf keinen Fall mehr bezahlen, 14 Prozent würden keinen Unterschied machen? Mir scheint, diese Antwortkategorien sind nicht wirklich trennscharf.

Übrigens würden laut der Studie weitere 14 Prozent grundsätzlich überhaupt nichts für elektronische Bücher bezahlen. Das ist nun wiederum eine prima Quote, denn laut der Börsenverein-Studie „Buchkäufer und Leser“ kaufen 40 Prozent der Deutschen gar keine Bücher. Darunter die Buchresistenten, die Bücher weder kaufen noch lesen (sieben Prozent der Deutschen) und die sogenannten Gelegenheitsleser, die zwar Bücher lesen, aber keine kaufen (33 Prozent der Deutschen, hierunter viele Studenten und Schüler). Somit wäre dann die Zahlungsbereitschaft für elektronische Bücher weit höher als die für gedruckte Werke.

Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

Daher ein Plädoyer an die Kollegen von PwC: Bitte helft uns! Die Branche braucht belastbare und nachvollziehbare Zahlen. Auf Basis der jetzt veröffentlichten Zahlen und Interpretationen kann man eigentlich nur falsche Schlüsse ziehen…

Marco Olavarria, Unternehmensberater (Kirchner + Robrecht management consultants)

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