Selbstverständnis aufs Spiel gesetzt

Fast alle großen Blätter greifen die Tumulte bei der Frankfurter Tagung „China und die Welt“ am Wochenende auf, bei der die chinesische Delegation, als die Autorin Dai Qing und der im amerikanischen Exil lebende Dichter Bei Ling auf die Bühne gebeten wurden, den Saal verließ – und erst nach einer Entschuldigung von Buchmessen-Direktor Jürgen Boos (Foto) wieder zurückkam.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“  meint in einem von mehreren Kommentaren, dass die Gründe, den kulturpolitischen Dialog mit China zu suchen, nach wie vor auf der Hand lägen. „Der Eklat vom Wochenende hat aber gerade noch rechtzeitig markiert, wofür man kein Verständnis mehr haben darf, wenn man nicht das eigene Selbstverständnis aufs Spiel setzen will.“

Der „Spiegel“ hat Messe-Chef Boos (im Vorfeld der Tagung) interviewt. Darin versichert Boos, dass die offiziellen chinesischen Gäste nicht zwangsläufig wieder Veranstaltungen verlasen werden. „In dem Vertrag, den wir vor drei Jahren mit dem chinesischen Organisationskomitee geschlossen haben, steht ausdrücklich, dass sich die Buchmesse der Meinungsfreiheit verpflichtet sieht. Jede Meinung, die nicht gegen Gesetze der Bundesrepublik Deutschland verstößt, kann in Frankfurt artikuliert werden. Das haben die Chinesen auch verstanden. Schon weil wir immer wieder darüber gesprochen haben.“

Die „Frankfurter Rundschau“ zeigt Mitleid mit Boos, nachdem sich dieser bei der chinesischen Delegation habe entschudigen müssen. „Er hatte sich von Anfang an in eine aussichtslose Situation manövriert. Nun blieb ihm nur, die Suppe auszulöffeln. Die Chinesen kannten da kein Erbarmen.“ Der „Skandal des Tages“ sei aber Herbert Wiesner, Generalsekretär des deutschen PEN, gewesen, der sich geweigert habe, auf Fragen aus dem Publikum einzugehen – darunter die ihn unmittelbar betreffende, warum nämlich er diese Veranstaltung nicht nutze, um die Lage der in chinesischen Gefängnissen einsitzenden Autoren zur Sprache zu bringen. In einem weiteren „FR“-Artikel unterhält sich das Blatt mit der Schriftstellerin Dai Qing über das Buchmessen-Debakel und Pekings Angst vor Meinungsfreiheit.

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 29), „Spiegel“ (S. 156), fr-online.de, fr-online.de (Interview), welt.de, taz.de, nzz.ch, nzz.ch, „Handelsblatt“ (S. 4), „Süddeutsche Zeitung“ (S. 3)

VERLAGE

Fischer: Am 15. September feiert Monika Schoeller ihren 70. Geburtstag (Silvia Bovenschen gratuliert).
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 34)

BÜCHER & AUTOREN

Berliner Literaturfestival: Rebellion gegen falsche Stereotypen – Eindrücke vom arabischen Schwerpunkt.
tagesspiegel.de

Margaret Atwood: Die kanadische Schriftstellerin  erhält in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund.
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (S. 32)

Dan Brown: Am Mittwoch erscheint sein neuer Roman – wohl der erste Bestseller, zu dem schon vor Vollendung Sekundärliteratur vorliegt.
welt.de, nzz.ch

Günter Grass: Mit einem Hochamt feiert Lübeck die Eröffnung der Ausstellung „50 Jahre ,Die Blechtrommel‚“.
welt.de

Eckhart von Hirschhausen: ARD hält den Autor sowie Barbara Schöneberger und Ina Müller für mögliche Nachfolger von Jörg Pilawa.
spiegel.de

Nick Hornby: im Interview über seine Schreibangst, den neuen Roman – und die Gründe, weshalb er nicht mehr über Fußball spricht.
welt.de

Alexander Kluge: nahm den Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt entgegen.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 11)

Christian Kracht: Der Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ist an den Schweizer Autor verliehen worden.
„Süddeutsche Zeitung“ (S. 14)

MEDIEN & MÄRKTE

Medien: Holtzbrinck schmiedet an einem Bündnis mit der niederländischen Großpost TNT und regionalen deutschen Briefdiensten und will die Zustellung der Post mit Hilfe des Internets verbessern.
turi2.de

Musik: Nach dem Popkomm-Aus beginnt am Dienstag in Berlin die Konferenz „all2gethernow“ zur Zukunft der Popbranche.
taz.de

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