Gelockerte Schwelle

Bisher hat die Finanz- und Wirtschaftskrise die Buchbranche nicht sonderlich beeinträchtigt, weil die Konsumstimmung noch leidlich hält, weil man an Büchern wenig sparen kann und sich in trüberen Zeiten mit dem Buch in der Hand auch keinem Luxusverdacht aussetzt. Es scheint zu stimmen, dass die Buchkonjunktur zwar einerseits keinen Wachstumsdampf entfacht, aber auch nicht sonderlich anfällig ist für wirtschaftliche Wetterwechsel.

Auf die anderen großen Herausforderungen vom vertrieblichen Struktur- bis zum digitalen Medienwandel kann sich die Branche deshalb aber trotzdem nicht zurückziehen: Die Rechnung für die Finanzkrise und für die vielen aufgespannten Rettungsschirme steht noch aus und seit vergangener Woche ist klar, dass eine der Rahmenbedingungen der Buchbranche unmittelbar ins Visier der Finanzpolitiker geraten ist. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7% ist allen Vorwahlkampf-Dementis zum Trotz keineswegs sakrosankt, ob nun insgesamt oder auch nur durch Aufschnüren des Pakets, das neben Lebensmitteln eine bunte Mischung umsatzsteuerlich geförderter Warengruppen einschließlich Büchern enthält.

Jeder Prozentpunkt Aufschlag würde die bisher gepflegten Preisschwellen aushebeln. Es ist deshalb gut, dass Buchhändler und Verleger in letzter Zeit ohnehin ihren über Jahre gepflegten Klammergriff an diese Schwellen etwas gelockert haben, freilich nicht, um den Staatshaushalt zu sanieren, sondern weil die Rationalisierungspotenziale der Branche weitgehend ausgeschöpft sind, mit denen die Preise bisher stabil gehalten wurden. Die Branche braucht moderat steigende Preise. Ein zusätzlicher staatlicher Preisschub würde allerdings die gelobte Stabilität der Buchkonjunktur auf eine extreme Probe stellen.

(Aus buchreport.express 27/2009)

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