Kein Ende des Wachstums in der DVD-Nische

Die DVD ist im Buchhandel ein Nischensegment, das sich allerdings in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Umsatzzuwächsen (2007: +25%) aussichtsreich entwickelt hat. Umso deutlicher erscheint vor diesem Hintergrund der Einschnitt, der durch die Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum Jahr 2008 markiert wird: Erstmals seit 2003 verzeichnet die DVD im stationären Sortimentsbuchhandel einen Umsatzrückgang von 2% auf 44 Mio Euro (siehe Grafik am Schluss).

Allerdings relativiert sich dieses Ergebnis angesichts der Tatsache, dass sich die DVD im Buchhandel noch immer besser als der schrumpfende DVD-Gesamtmarkt entwickelt (–5% auf 1,2 Mrd). „Der Umsatz des vergangenen Jahres wurde ja immerhin gehalten, was in der derzeitigen Wirtschaftslage durchaus als Erfolg gewertet werden kann“, kommentiert BVV-Geschäftsführer Oliver Trettin. Dennoch bleibt die Frage nach dem Grund für den abrupten Umsatzeinbruch, da nach Ablauf der ersten neun Monate die DVD-Umsätze im Buchhandel noch um 5% im Plus lagen. „Leider hat die Insolvenz des im Buchhandel bedeutendsten Logistikpartners auch eine große Anzahl stationärer Buchhändler betroffen“, liefert Trettin die Erklärung und spielt auf die Pleite des Mediengroßhändlers TMI im Oktober des Vorjahres an.

Die TMI-Gruppe mit Stammsitz in St. Leon Roth in Heidelberg kooperierte seit 2006 mit dem Hamburger Barsortiment Libri, das seine Kunden seitdem auch mit DVDs und Tonträgern belieferte. Über Libri beziehen mehr als 5000 Buchhändler, stationär und online. Darunter auch der Schmalspurbuchhandel von Weltbild, der mit seinen rund 300 Filialen einen Marktanteil von rund 40% verbucht und damit mit Abstand größter buchhändlerischer DVD-Anbieter ist.

Käuferpotenzial im stationären Sortiment

Durch die TMI-Insolvenz kam es ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft zu Lieferengpässen. Über das Ausmaß der Einbußen äußert sich Libri-Geschäftsführer Pascal Zimmer nur zurückhaltend: „Die für sehr viele Libri-Kunden interessante Dienstleistung des Besorgungsdienstes gewährleistete eine große Titelbreite und wurde sehr gut angenommen. Hier für einen gleichwertigen Ersatz zu sorgen ist nicht einfach. Im Bereich der Toptitel ist es Libri sehr schnell gelungen, die entstandene Lücke durch ein eigenes hochwertiges Angebot zu füllen.“
Über die Auswirkungen für Weltbild war auf Anfrage beim Unternehmen keine Stellungnahme zu erhalten. Die Ergebnisse der GfK-Studie legen jedoch nahe, dass ohne den insolvenzbedingten Ausfall eines der DVD-Hauptlieferanten der Buchhandelsumsatz insgesamt ein Plus verzeichnet hätte.

„Es kam bei Weitem nicht flächendeckend zu der konsolidierenden Entwicklung“, analysiert Trettin. „Die nicht von der Insolvenz betroffenen Buchhandlungen konnten stetig wachsende Umsätze in zweistelliger Höhe erzielen.“ Osiander hat beispielsweise seine DVD-Umsätze im vergangenen Jahr um 30% steigern können, wobei der Anteil am Gesamtumsatz allerdings bei unter 1% liegt.

Dabei schlummert laut GfK im Buchhandel noch Potenzial: Unter den rund 27 Mio Buchhandelskunden im Jahr 2008 hat beinahe die Hälfte auch DVDs gekauft, allerdings nur jeder Fünfte tat dies in einer Buchhandlung. Folglich errechnen die Marktforscher 8,5 Mio potenzielle Konsumenten, die Filme auch im Buchhandel kaufen könnten.

Für die Entertainment-Anbieter ist der Absatzweg Buchhandel offensichtlich wieder stärker in den Fokus gerückt: Ende des vergangenen Jahres hat die Videoindustrie Werbemaßnahmen gestartet; zuletzt hat die Fachzeitschrift „videomarkt“ in ihrer Ausgabe vom 12. März dem „schlafenden Riesen“ Buchhandel 16 Seiten gewidmet.

Publikum im Buchhandel ist weiblich

Der Anteil des stationären Sortiments am DVD-Gesamtmarkt ist mit knapp 3% noch immer gering, was vor allem an den unterschiedlichen Vertriebsstrukturen und Konditionen von Video- und Buchbranche liegt. Ein genauerer Blick auf die Ergebnisse der GfK-Studie zeigt weitere Unterschiede und Gemeinsamkeiten:

  • Während im Gesamtmarkt männliche Käufer dominieren (62%), ist es im Buchhandel mittlerweile umgekehrt: Der Anteil der Frauen unter den DVD-Käufern erhöhte sich auf 59%. „Offensichtlich wünschen sich vor allem Frauen DVD-Verkaufsstellen mit positiven Attributen einer Buchhandlung“, vermutet Trettin.
  • Der Durchschnittspreis ist im Buchhandel mit 11,39 Euro etwas niedriger als im Gesamtmarkt (12,44 Euro), zuletzt aber leicht gestiegen, was mit dem Auslaufen der preisgünstigen Presse-Editionen zusammenhängt.
  • Bezogen auf die Altersstruktur ist das Publikum im Buchhandel mit durchschnittlich knapp 43 Jahren fünf Jahre älter als im gesamten Videomarkt. Besonders prägnant ist der Unterschied bei der Generation 50+, die mit einem Anteil von 35% sich im Buchhandel offensichtlich besser aufgehoben fühlt als in anderen Verkaufsstellen (7%).
  • J Bei den Genres spielen „Special Interest“-Titel im Buchhandel mit 18% eine größere Rolle als in den traditionellen Vertriebswegen (8%). Weiter werden DVDs im Buchhandel häufiger als Geschenk eingekauft.

„Die DVD ist für den Buchhändler ein wichtiges Kundenbindungsinstrument und ein vergleichsweise leicht verdienter Zusatzumsatz“, wirbt Trettin. „Da der Buchhandel eine von anderen Vertriebskanälen abweichende Klientel hat, sollte er sich hinsichtlich DVDs viel selbstbewusster aufstellen.“

Till Spielmann, spielmann@buchreport.de

Die 15 meistverkauften DVDs im Sortimentsbuchhandel 2008

1. Die Prophezeiungen von Celestine (Allegria) 24,95 E
2. Ratatouille (Concorde) 10,99 E
3. Keinohrhasen (Warner Home Video) 9,99 E
4. Unsere Erde (Universum) 14,99 E
5. Die Deutschen, 10 DVD-Videos (Komplett Media) 99,95 E
6. Mamma Mia! (Universal Pictures) 19,99 E
7. Harry Potter und der Orden des Phoenix (Warner) 27,99 E
8. Shaun das Schaf – Gemüsefußball (Concorde) 10,99 E
 9. Hände weg von Mississippi (Oetinger) 13,95 E
10. Shaun das Schaf – Abspecken mit Shaun (Concorde) 10,99 E
11. Shaun das Schaf – Disco in der Scheune (Concorde) 10,99 E
12. Shaun das Schaf – Waschtag (Concorde) 10,99 E
13. Shaun das Schaf – Abrakadabra (Concorde) 10,99 E
14. Planet Erde – Die komplette Serie (WVG) 41,99 E
15. Pippi Langstrumpf (Oetinger) 12,95 E

empf. Verkaufspreise

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