Mit mehr Service gegensteuern

Die Herner Bahnhofsstraße ist von allen drei Kaufhaus-Insolvenzen (Hertie, SinnLeffers, Wehmeyer) betroffen. Buchhändlerin Bettina Santini (Bücher Sander, Foto) spricht über den Umgang mit einem schwierigen Standort.

Wie macht sich die Schwäche in der Nachbarschaft bemerkbar?
Es lässt sich nicht immer so eindeutig sagen, ob der Geschäftsverlauf mehr unter der fehlenden Attraktivität der anderen Läden in der Straße leidet oder unter der wirtschaftlichen Gesamtsituation in der Stadt, die die Leute heute eher zum Taschenbuch greifen lässt. Was ist Ursache, was ist Wirkung? Bei SinnLeffers direkt bei uns gegenüber wurde das Personal ausgedünnt, bis ich als Kundin Mühe hatte, dort überhaupt noch bedient zu werden. Die Douglas-Parfümerie nebenan dagegen ist gut besetzt, aber die Verkäuferinnen langweilen sich…

Was tun Sie, um sich dennoch zu behaupten?
Ich habe es vor einiger Zeit politisch versucht und angeregt, unsere sehr breite Einkaufsstraße in Teilen zu überdachen, um Nachteile gegenüber Einkaufszentren auszugleichen und die Abwanderung von Kaufkraft zu stoppen. Auch die Parkgebühren zu senken wäre sinnvoll, aber damit bin ich nicht durchgedrungen. Was ich mir verbandspolitisch wünsche, ist eine offensive Aufklärungskampagne des Börsenvereins über die Buchpreisbindung. Laufkunden glauben nämlich, dass Bücher in der Mayerschen, die sich hier vor drei Jahren angesiedelt hat, preisgünstiger sind.

Was können Sie selbst direkt tun?
Wir suchen den Kontakt zu Kindergärten und Schulen und bauen das auch noch weiter aus. Wir betreiben also Leseförderung und machen so auf uns aufmerksam. Mit Blick auf das ältere Publikum bieten wir einen Lieferservice frei Haus an, beispielsweise auch in Altersheime.

Also eine kostenlose Lieferung wie Amazon?
Im Grunde sind wir sogar besser, weil wir nicht per Post versenden, denn dann muss der Kunde, wenn er nicht zu Hause war, doch das Päckchen abholen. Wir liefern selbst aus und verabreden einen festen Zeitpunkt. Wir spüren, dass man mit Service etwas erreichen kann. Es wirkt.

Setzen Sie darauf, dass der Einkauf im Nahbereich schon wegen der hohen Benzinpreise wieder attraktiver wird?
Ich hoffe es und kaufe selbst, wenn es irgendwie geht, in Herne ein. Aber die Wege im Ruhrgebiet sind kurz, die Leute können ganz fix mit der U-Bahn nach Bochum fahren. Es gibt aber auch in Herne nicht nur Negativsignale wie zuletzt mit den Insolvenzen von Hertie, Wehmeyer und SinnLeffers. Ein anderer großer Textiler wird demnächst in die Bahnhofsstraße ziehen und womöglich dazu beitragen, dass der Standort aufgewertet wird und auch wieder jüngere Leute anzieht.          

Die Fragen stellte Thomas Wilking

Zur Person: Bettina Santini

ist nach Stationen in anderen Branchen seit 1995 Buchhändlerin im von der Familiegeführten Herner Sortiment Bücher Sander und plant zum Jahresende, die 1905 gegründete Buchhandlung zu übernehmen und in der vierten Generation weiterzuführen.

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