Radio auf Abruf

Seit ARD und ZDF mit ihren Mediatheken den Schritt in die digitale Zukunft gegangen sind, um ihr Programm nun auch im Internet zugänglich zu machen, hagelt es Kritik: Zeitungs- und Zeitschriftenverlage befürchten eine Wettbewerbsverzerrung, die privaten TV-Sender wettern gegen die gebührenfinanzierte Online-Offensive und die Hörbuchverlage sehen angesichts des kostenlosen Angebotes von Hörspiel-Produktionen die Hörbuch-Renaissance in Gefahr. Für Unmut bei den Verlagen sorgte zudem der Vorstoß des Westdeutschen Rundfunks, der eine Software frei zugänglich gemacht hat, mit der bequem Radiosendungen mitgeschnitten werden können – in CD-Qualität.

Dabei ist es nur konsequent, dass die Öffentlich-Rechtlichen nun endlich auch ihr Angebot im Internet verbessern wollen. Die Hörbuchverlage, die sonst gern die föderalistische deutsche Radiokultur loben, können nicht verlangen, dass sich die Rundfunksender der digitalen Welt verschließen. Dass es neben der – schon immer existierenden – Möglichkeit der Privatkopie auch eine „zeitsouveräne Nutzung“ des Programms via Download geben soll, ist für die Gebührenzahler eine gute Nachricht. Dass sie nicht ein weiteres Mal für mit Gebührengeldern finanzierte Sendungen zur Kasse gebeten werden, ist nur gerecht.

Klar ist aber auch, dass die Rundfunkanstalten in künftigen Vertragsverhandlungen über Lizenzen bei den Hörbuchverlagen mit größerer Zurückhaltung rechnen müssen. Das gilt übrigens auch für die Frage der Finanzierung gemeinsamer Hörspiel-Projekte. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus möglich, dass die Quote der Eigenproduktionen bei den Hörbuchverlagen steigen wird.

Da Nutzer lieber illegal als kostenlos – aber legal – herunterladen, bleibt die größte Gefahr fürs Hörbuch wohl immer noch die Raubkopie.

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