Tuschebilder mit wuchtigem Klang

„Tuschebilder, die im Leser so herb nachhallen wie der Klang einer perkussiv gespielten akustischen Gitarre“ – die „Süddeutsche Zeitung“ zeigt sich von gut gemachten Comic-Biographien begeistert. Anders als autobiographische Comics, die mit einem beträchtlichen Hipness-Faktor wuchern könnten, hätten Comic-Biographien aus zwei Gründen keinen allzu guten Ruf: „Einerseits kann ihnen etwas Unseriöses, leicht Schmuddeliges zu eigen sein; in den USA locken Star-Porträts in Heftchenform gerne mit Schlüssellochreizen. Andererseits gelten Comic-Biographien, weil sie zum weiten Feld der Sachcomics gehören, vielen als dröge und belehrend; ästhetisch Aufregendes erwartet man von ihnen nur bedingt.“

Zu den positiven Beispielen zählten aber mindestens drei Neuerscheinungen, darunter die dickleibige Graphic Novel, die Ho Che Anderson, der wichtigste afroamerikanische Comic-Zeichner, Martin Luther King gewidmet hat. Sie eröffne eine faszinierende Lektüre: „Dass der Prediger ein Mensch mit vielen Gesichtern war, zeigt Anderson in einem sehr wörtlichen Sinne. Wenn King stolz seine Ansichten vertritt, gleicht er einer Statue aus Ebenholz; vor einem gewalttätigen weißen Mob verzerrt sich sein Gesicht zu einer angstvollen Grimasse; im Streit mit seiner Frau Coretta wird er zum wütenden Kleinbürger.“ Ungewöhnlich sei auch der Einsatz von Farbe. Zunächst sei der Comic fast ausschließlich in Schwarzweiß gehalten, einzelne Farbtupfer setzten aber dramaturgische Akzente.

Auch Nick Bertozzis Comic-Biografie „Houdini. König der Handschellen“ vermöge zu fesseln: „Zauberei wird hier als Handwerk vorgeführt: als eine Sache beweglicher Hände, als etwas, das Geduld und Neugier erfordert. Der Höhepunkt des Albums führt die Anwendung des Tricks vor. Auf einer Strecke von zwölf symmetrisch komponierten Seiten, die fast ohne Worte auskommen.“

Genial sei schließlich auch die Biographie von Ernesto Guevara, die der argentinische Comic-Künstler Alberto Breccia schon vor 30 Jahren gemeinsam mit seinem Sohn Enrique geschaffen habe: „Seit Jahren ist von den Breccias nichts mehr auf Deutsch erschienen – dass „Che“ nun endlich vorliegt, darf man zu den erfreulichsten Erscheinungen des Erinnerungstaumels an das Jahr 1968 rechnen.“

Ho Che Anderson: Martin Luther King. Aus dem Amerikanischen von Kai Wilksen. Carlsen 2008, 29,90 Euro.

Jason Lutes / Nick Bertozzi: Houdini. König der Handschellen. Mit einer Einführung von Glen David Gold. Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Althoff. Carlsen 2008, 12,00 Euro.

Héctor Oesterheld / Alberto und Enrique Breccia: Che. Aus dem Spanischen von Isabel Marin und Jutta Harms. Carlsen 2008, 16,90 Euro.

„Süddeutsche Zeitung“ (Seite 16)

NACHGELESEN – Bücher heute in den Zeitungen

Belletristik

Nathan Englander: Das Ministerium für besondere Fälle. Luchterhand 2008, 19,95 Euro
fr-online.de

Sachbuch

Anna Seghers: Briefe 1924 – 1952. Hrsg. von Christiane Zehl Romero und Almut Giesecke. Aufbau 2008, 36,00 Euro
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Seite 34)

Tom Segev: Die ersten Israelis – Die Anfänge des jüdischen Staates. A. d. Engl. von H. Dierlamm u. H. Freundl. Siedler, 24,95 Euro
fr-online.de

Ivan Vladislavic: Johannesburg. Insel aus Zufall. Deutsch von Thomas Brückner. A1-Verlag 2008, 19,90 Euro
nzz.ch

Reiner Stach: Kafka – Die Jahre der Erkenntnis. S. Fischer 2008, 29,90 Euro
Klaus Wagenbach: Franz Kafka – Bilder aus seinem Leben. Überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Wagenbach 2008, 39,90 Euro
Hartmut Binder: Kafkas Welt. Eine Lebenschronik in Bildern. Rowohlt 2008, 68,00 Euro
Hans-Gerd Koch: Kafka in Berlin. Eine historische Stadtreise. Wagenbach 2008, 15,90 Euro
nzz.ch

Rainer Forst: Das Recht auf Rechtfertigung. Elemente einer konstruktivistischen Theorie der Gerechtigkeit. Suhrkamp 2007, 14,00 Euro
nzz.ch

VORAUSGEHÖRT – Bücher im Radio

Einen Klassiker der deutschen Literatur bringt heute WDR 5 zu Gehör: Ab 20:05 Uhr steht „Rheinsberg“ von Kurt Tucholsky auf dem Programm. Darin stehlen sich die Medizinstudentin Claire und ihr Freund Wolfgang aus dem lärmenden Berlin ins märkische Schlossstädtchen Rheinsberg. Verliebt bis über beide Ohren, genießen sie drei „leuchtende Tage“, sind übermütig und erfinden sich immer wieder neu. Ihr verrücktes Geplauder ist ein intelligentes, vieldeutiges Spiel um den „holden Wahnsinn“, um Glück, Erfüllung und Sehnsucht.
Hörspiel von Matthias Thalheim, Regie: Barbara Plensat. Mit Ulrike Krumbiegel, Gunter Schoß, Georg Helge, Kurt Böwe, Dagmar Manzel u. a.
Livestream

VORAUSGESEHEN – Der Fernsehtipp

Romantik ist auch bei arte angesagt: Ab 21:00 Uhr zeigt der Sender den Film „Love Story“ nach dem gleichnamigen Bestseller von Erich Segal. Die Geschichte nach dem Muster „Reicher Junge trifft armes Mädchen, sie verlieben sich, aber ein Schicksalsschlag stellt ihre Liebe auf eine harte Probe“ gilt vielen als DER Tränendrüsen-Liebesfilm. Er erlangte Kultstatus, weil Roman und Film den Nerv der Zeit trafen: Sie spiegelten das Lebensgefühl einer Generation wider.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Tuschebilder mit wuchtigem Klang"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Webinar-Video

webinar_videos

Webinar verpasst?

Falls Sie ein Webinar verpasst haben, können Sie nachträglich das Video zum Webinar bestellen und sich die Inhalte bequem am Computer anschauen. Hier finden Sie eine Übersicht der verfügbaren Webinar-Videos.

Hardcover Belletristik
1
Rowling, J.K.; Tiffany, John; Thorne, Jack
Carlsen
2
Fitzek, Sebastian
Droemer
3
Neuhaus, Nele
Ullstein
4
Riley, Lucinda
Goldmann
5
Ferrante, Elena
Suhrkamp
21.11.2016
Komplette Bestsellerliste Weitere Bestsellerlisten

Veranstaltungen

  1. 26. November - 5. Dezember

    Buchmesse Guadalajara

  2. 30. November - 5. Dezember

    Moscow non/fictioN° 18

  3. 8. Dezember - 9. Dezember

    Zukunftsforum Zeitschriften