Türöffner mit Zauberstab

Die Nachfrage nach englisch- sprachiger Literatur zieht weiter an: „Wir beobachten ein rasant ansteigendes Interesse bei den Kunden“, konstatiert nicht nur Hartwig Schulte-Loh, Geschäftsführer im KulturKaufhaus Dussmann. Die Berliner haben ihre Abteilung für englischsprachige Titel (Foto) auf 400 qm erweitert, neben Romanen und Hörbüchern werden nun auch Sachbücher und Nachschlagewerke angeboten. Die Auftritte der englischsprachigen „Harry Potter“-Originalausgaben auf dem Gipfel der „Spiegel“-Belletristik-Bestsellerliste hatten im Handel offenbar Türöffner-Funktion. In der Strategie der großen Filialisten spielt das grenzenlose Regal heute eine Rolle mit wachsender Bedeutung für die Umsatzkurve.

Kalkulation mit dem Kompetenz-Faktor

„Top-Autoren wie Donna Leon oder John Grisham verkaufen sich im Original als Taschenbücher fast ebenso gut wie deutschsprachige Bestseller“, schildert Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der Buchhandlung Hugendubel, auf Anfrage von buchreport. Der Stellenwert, den Hugendubel der englischsprachigen Literatur beimisst, wird am Beispiel der beiden Hugendubel-„bookshops“ in München und Frankfurt deutlich. Dort werden auch DVDs und Hörbücher aus den USA und Großbritannien für alle Altersgruppen verkauft.

„Mit unserem englischsprachigen Sortiment sprechen wir ein sehr breites Publikum an. Die zahlreichen Muttersprachler und Touristen, aber auch Lernwillige, die sich über Bücher intensiv mit der englischen Sprache auseinandersetzen, sowie Eltern, die ihren Kindern bereits im Vorschulalter eine Fremdsprache näher bringen wollen“, erklärt Nina Hugendubel. Ihre nähere Beobachtung: Erwachsene interessieren sich vor allem für Krimis, bei „jugendlichen Lesern ist der positive Effekt, den die Harry Potter-Titel ausgelöst haben, bis heute spürbar“.

Auch bei der Douglas-Buchtochter Thalia gewinnen Importe Gewicht. „Wir beobachten schon seit Längerem eine wachsende Nachfrage nach englischen und amerikanischen Originalausgaben“, sagt Thalia-Sprecher Markus Schuberth. In mehreren Dependancen haben die Hagener spezielle „International Bookshops“ eingerichtet, die das fremdsprachige Sortiment abbilden. Schuberth: „Das gestiegene Interesse geht vor allem darauf zurück, dass auch deutschsprachige Kunden zunehmend bereit sind, englische und amerikanische Autoren in der Originalsprache zu lesen.“ Simone Thelen, Sprecherin der Mayerschen, liefert einen ähnlichen Lagebericht und ergänzt: „Insbesondere im Jugendbuch verzeichnen wir eine anziehende Nachfrage.“

Zu den Motoren im Geschäft mit fremd- und englischsprachigen Büchern gehören Lingenbrink und Petersen, Hauptimporteure mit Sitz in Hamburg. „Dem Wachstum mit deutschsprachigen Büchern sind Grenzen gesetzt. Auch deshalb steigt die Zahl der Buchhändler, die Titel aus dem Ausland ins Sortiment nehmen“, meint Petersen-Inhaber Johann Christian Petersen. Er schätzt, dass Buchhandlungen, die ein gut sortiertes Angebot an Importen pflegen, „fünf bis sieben Prozent ihres Umsatzes damit erwirtschaften können“.

Ein Stück vom Kuchen wollen sich auch die Barsortimente KNV, Umbreit und Könemann sichern, die ihr Angebotsportfolio deutlich aufgestockt haben. Bis hin zu begleitenden Dienstleistungen: KNV bietet 40% bei populären englischsprachigen Titeln, am 9. Juli wird in Stuttgart flankierend ein Seminar für Buchhändler angeboten, die eine fremdsprachige Fachbuchabteilung aufbauen wollen.

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