Wie bekommt Fachinformation mehr Gefühl, Frau Redeker?

Der Fachbuchhandel befindet sich im Umbruch. AWS-Geschäftsführerin Dorothea Redeker fordert die Branche auf, mehr Interaktion anzubieten. Ein Interview.

Warum braucht der Fachbuchhandel mehr Emotionalität?
Aus zwei Gründen: Das Informationsverhalten hat sich durch das Internet grundlegend verändert. Wer darauf nicht reagiert, wird langfristig den Kürzeren ziehen. Zum anderen hat sich zu den klassischen Zielgruppen des Fachbuchhandels Forschung, Lehre und berufliche Praxis ein wissenschaftlich vorgebildetes Laienpublikum gesellt, das sich für aktuelle Probleme wie Klimaveränderung oder Genforschung interessiert. Der Fachbuchhandel muss diese Trends aufgreifen und mehr Interaktion anbieten.

Wie soll das konkret aussehen?
Im Geschäft können Veranstaltungen mit interaktiver Komponente angeboten werden, indem man Fachleute einlädt, die weitere Informationen vermitteln. Außerhalb des Geschäfts muss mehr Mobilität herrschen. Büchertische reichen da nicht, der Händler sollte etwa zum Erstsemesterstart in die Universität gehen und vor Ort seine Angebotspalette vorstellen. Einige große Ketten wie die Schweitzer Fachinformationen bieten bereits berufsgruppenbezogene Seminare an. Mit Weiterbildung lassen sich über Gebühren und nachfolgende Buchverkäufe interessante Umsätze erwirtschaften. Grundsätzlich gilt, dass die persönliche Situation des Kunden stärker als bisher berücksichtigt werden muss. Hier können etwa per Mail Empfehlungslisten mit Neuerscheinungen etc. verschickt werden, die auf die individuellen Bedürfnisse zurechtgeschneidert sind.

Müssen Verlage und Händler ihr Rollenverständnis ändern?
Auf jeden Fall. Verlage wie Haufe, Elsevier und Pearson sind ja bereits dabei, ihre Produkte interaktiver zu gestalten. Der Händler wird künftig die Funktion eines „Wissenslotsen“ einnehmen müssen, der zwischen verschiedenen Angeboten vermittelt. Nachholbedarf besteht hier vor allem in der Verknüpfung von stationärem Geschäft und Internet. So können Debatten aus Veranstaltungen im Internet fortgeführt werden.

Dorothea Redeker

1959 in Bonn geboren, arbeitete nach Beendigung des 1. und 2. Staatsexamens in Chemie und Geografie sowie einer Ausbildung zur Informationsanalytikerin in internationalen Unternehmen aus dem Verlags- und Bibliotheksumfeld. 2004 übernahm sie für drei Jahre die Geschäftsführung des Sortimenterausschusses im Börsenverein. Seit 2007 ist Dorothea Redeker freiberuflich als Beraterin und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) e.V. tätig und promoviert parallel am Institut für Humangeografie am Institut Frankfurt.

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