Probearbeiten schafft Gewissheit

Die Zeit, dass Buchhändler bei Azubi-Bewerbungen aus dem Vollen schöpfen können, geht zu Ende. Das formale Berufsprofil wird reformiert, beim Berufsbild in den Köpfen hilft oft ein Praktikum.

Voraussichtlich knapp 800 junge Erwachsene werden in diesem Jahr ihre Ausbildung für den Beruf des Buchhändlers beginnen. Darauf deuten Erfahrungswerte und der Trend in einer aktuellen buchreport-Umfrage zur Ausbildungspraxis im Sortiment hin. Die Bewerbersituation scheint derzeit noch unverändert gut; zum Teil ist sogar von einer Zunahme der Bewerbungen die Rede.

Aus einzelnen Regionen, so im Großraum Berlin und in Teilen Nordrhein-Westfalens, hat Monika Kolb-Klausch, die Bildungsdirektorin des Börsenvereins, aber auch bereits von Schwierigkeiten gehört, Ausbildungsplätze zu besetzen. Auch Johannes Schmitt, Geschäftsführer des Filialisten Buch Habel, beschreibt die Bewerbungslage als schwieriger: „Hier scheinen sich bereits die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar zu machen.“

Wenn sich zur demografischen Entwicklung eine verstärkte Nachfrage in anderen Branchen gesellt, wird es im Buchhandel künftig nicht mehr nur darum gehen, geeignete Bewerber aus dem Stapel zu selektieren. 

Der Einblick in den Alltag bleibt oft versperrt

Zwar sind die Buchhändler in der Regel mit ihrer bisherigen Bewerberauswahl zufrieden und loben das Engagement, machen sich aber doch Sorgen um Qualität und Informationsstand der Bewerber: Einige bemerken, dass die formale Qualifikation sinkt, wobei es offenbar regionale Unterschiede gibt. In jedem Fall kommen viele Bewerber mit falschen Vorstellungen:

  • „Die kaufmännische Komponente unseres Berufs ist kaum im Bewusstsein“, resümiert Thilo Fuhrmann (Bonifatius, Paderborn) stellvertretend für zahlreiche Kollegen.
  • „Viele Bewerber haben einen verklärten Blick auf den Beruf. Die Qualifikation im Bereich EDV/Technik lässt stark zu wünschen übrig, trotz des Wandels zur digitalen Fachinformation“, findet Marco Wilk (Mende, Karlsruhe).
  • „Die Mehrheit der Bewerber hat sich gut informiert“, glaubt Hugendubel-Personalgeschäftsführer Thomas Nitz, „dennoch haben die meisten wenig Ahnung, was den Alltag des Buchhändlers tatsächlich ausmacht.“

Für Abhilfe sorgt offenbar immer häufiger ein vorgeschaltetes Kurzpraktikum oder Probearbeiten, um Bewerbern wie Buchhandlung über das Bewerbungsgespräch hinaus Gewissheit zu verschaffen, dass die Ausbildung ein Erfolg werden kann. Manchmal helfen bereits drei Tage, manchmal zwei Wochen. Zur besseren Information fordert Hubertus Gillmeister (Gillmeister, Peine) außerdem vom Verband eine „professionelle und emotionale Powerpoint-Präsentation, die man bei Berufsinformationsbehörden zeigen kann“.

Neues Berufsbild geht durch die Instanzen

Dass sich die Ausbildung stark verändern muss, sind die Buchhändler durchgängig überzeugt. Eine aktuelle Börsenvereins-Studie zum Thema ist in den Entwurf eines neuen Berufsbildes eingeflossen. Die Vorarbeit des Verbands geht jetzt ihren Weg durch die Instanzen bei DGB/ver.di, beim Bundeswirtschaftsministerium über den Koordinierungsausschuss Bund-Länder usw.. Konkrete Ergebnisse werden bestenfalls in einem Jahr erwartet.

Akzente für die Ausbildung der Buchhändler von morgen

Welche Akzente müssen künftig in der Ausbildung gesetzt werden? Dazu sagen Sortimenter in der buchreport-Umfrage:

  • „Der kaufmännische Akzent sollte stärker betont werden und mehr Training für aktives Verkaufen.“
    (Richard Feldmann, Stern-Verlag, Düsseldorf)
  • „Der kaufmännische Bereich mit Kennzahlen und der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Verkaufs von Büchern muss mehr Bedeutung gewinnen, dazu die Bereiche Sozialkompetenz und Kundenfreundlichkeit.“
    (Christian Riethmüller, Osiander, Tübingen)
  • „Themen wie Service, Zusatzverkäufe, kaufmännisches Denken und Wissen werden zunehmend wichtiger.“
    (Ruth Wolf, Rombach, Freiburg)
  • „Die Bedeutung der Betriebswirtschaft, des Marketings und der Warenpräsentation muss erhöht werden.“
    (Christoph Greuter, Greuter, Singen)
  • „Das Verhalten gegenüber Kunden sollte einen deutlich stärkeren Stellenwert bekommen. Zielsetzung des Trainings: Authentische Freundlichkeit gepaart mit Fachkompetenz.“
    (Thilo Fuhrmann, Bonifatius, Paderborn)

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