Teure Rache

50.000 Euro Schmerzensgeld muss Maxim Biller für die Veröffentlichung seines Romans „Esra“ zahlen. Dies sei erwartbar gewesen, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Wenn das Buch verboten gehört, weil es die Intimsphäre verletzt, dann hat die Geschädigte auch Anspruch auf Schmerzensgeld, eine Ent-Schädigung eben. Dass das Buch ja gar nicht mehr zu kaufen ist, ist kein Gegenargument.“
Die Frankfurter Rundschau konstastiert nüchtern, dass bedeutende Werke wie GoethesDie Leiden des jungen Werthers“ heute mit Schwierigkeiten zu rechnen hätten, mit denen sie zu ihrer Zeit nicht zu rechnen hatten. „Man kann sich über diese Veränderung empören, aber es ändert nichts daran, dass sie stattgefunden hat.“
Der Tagesspiegel moniert, das Gericht hätte berücksichtigen können, wie viel der Autor schon durch das Verbreitungsverbot an „Schmerzensgeld“ bezahlt habe. „Der kommerzialisierte Anspruch der Ex-Freundin wirkt nach dem jüngsten Urteil nur noch: wie Rache.“
Auch die Zeit schreibt, die Richter hätten kein Augenmaß bewiesen. „Denn der Gerechtigkeit war mit dem Verbot genug, egal wie laut die Klägerin nach mehr geschrien hat. Es wurde Maxim Biller vorgeworfen, er habe das Ansehen und die Existenz einer Person zerstören wollen. Nach dem Urteilsspruch in München könnte man das seiner Ex-Freundin auch unterstellen.“
Die Süddeutsche befürchtet, dass alle Verlage, die mit Belletristik ihr Geld verdienen, gezwungen sein könnten, jeden biographischen Roman künftig einer „prohibitiven Kostenzensur“ zu unterwerfen. „Das Persönlichkeitsrecht ist im Extremfall durch das Verbot zu schützen, die Kunst aber durch die Verschonung vor maßloser Genugtuung durch maßloses Schmerzensgeld.“

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Teure Rache"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Neu: IT-Channel

buchreport IT-Channel
  • IT-Infrastruktur der zwei Geschwindigkeiten  …mehr
  • Bedingt abwehrbereit: Nicht einmal die Großindustrie kann ihre Werte wirksam…  …mehr

  • Webinar-Video

    webinar_videos

    Webinar verpasst?

    Falls Sie ein Webinar verpasst haben, können Sie nachträglich das Video zum Webinar bestellen und sich die Inhalte bequem am Computer anschauen. Hier finden Sie eine Übersicht der verfügbaren Webinar-Videos.

    Hardcover Belletristik
    2
    Adler-Olsen, Jussi
    dtv
    3
    Gablé, Rebecca
    Bastei Lübbe
    4
    Polt, Gerhard
    Kein & Aber
    5
    Walker, Martin
    Diogenes
    22.05.2017
    Komplette Bestsellerliste Weitere Bestsellerlisten

    Veranstaltungen

    1. 25. Mai - 28. Mai

      Comic Festival München

    2. 31. Mai - 2. Juni

      BookExpo America

    3. 2. Juni

      FedCon

    4. 9. Juni - 11. Juni

      Maker Faire Berlin

    5. 10. Juni

      Deutscher Self-Publishing-Day