08. Februar 2010

Susanne Martin: Keine Zeit fürs Social Web?


Susanne Martin: Keine Zeit fürs Social Web?

Gerade einmal fünf Sortimenter waren bei der Konferenz Social Web im Münchner Literaturhaus. Aber können wir Buchhandlungen es uns denn leisten zu sagen: keine Zeit? Reicht eine Homepage noch aus?

Am 5.2.2010 war das Münchner Literaturhaus belagert von 130 Buchmenschen, die sich auf Einladung von Lovelybooks trafen zum ersten branchenübergreifenden Event „Social Web – Der direkte Weg zum Leser“. Hier sollte der Spagat versucht werden, diejenigen, die im Web 2 schon zu Hause sind zusammenzubringen mit denen, die ihre ersten Schritte dorthin machen wollen. Es wäre eine wunderbare Möglichkeit für Buchhandlungen gewesen, sich dort einmal schlau zu machen, was das Web 2.0 eigentlich ist.

Zum Beispiel ist Facebook. nach Indien und China das „Land“ mit den meisten „Einwohnern“, wie Leander Wattig in seinem Einführungsvortrag erläuterte. Was man mit Facebook alles machen kann, zeigte unter anderem Nina Reddemann vom Hanser Verlag, unter anderem am Beispiel der Verlagsfanpage. Ich selbst war als Referentin eingeladen über die Möglichkeiten zu sprechen, die Buchhandlungen haben, sich im Internet zu präsentieren – über die reine Homepage hinaus.

Sehr kurzweilig war die Einführung in Twitter durch Thomas Pfeiffer (Webevangelisten), der versuchte, Krimiautor Andreas Franz von Twitter zu überzeugen. Das war besonders unterhaltsam, weil der Autor sich etwas widerspenstig zeigte und ganz offen aussprach, was sich vielleicht viele denken: Wann soll ich das machen – ist es nicht schlimm genug, dass ich manchmal schon morgens vor dem Frühstück meine e-mails checke?

Könnte diese Einstellung auch der Grund sein, warum ich auf diesem Event kaum BuchhändlerInnen getroffen habe (es waren nur 5 Buchhandlungen vertreten)  und wenn ich welche traf, dann die, die sowieso schon aktiv in den sozialen Netzwerken unterwegs sind? Aber können wir Buchhandlungen es uns denn leisten, zu sagen „keine Zeit“? Entwickelt sich das Internet nicht immer mehr zur inzwischen deutlich spürbaren Konkurrenz für den stationären Buchhandel? Reicht eine Homepage noch aus – sollten wir nicht vielmehr auch versuchen, noch auf anderen Kanälen ins Gespräch zu kommen mit unseren Kundinnen und Kunden, von denen auch immer mehr immer mehr Zeit vor dem PC verbringen?

Man kann vielleicht sagen, dass ich, was die Netzaktivitäten der Schiller Buchhandlung anbelangt, an Hyperaktivität leide ;-). Ich erlebe den Spagat zwischen virtueller Welt und realer Buchhandelswelt jedoch durchaus als anstrengend und herausfordernd. Aber es ist für mich ein „Muss“ geworden, mich damit zu beschäftigen. Am eigenen Leib die Dynamik zu erleben, die das WEB 2 hat, ist eine Erfahrung, die mich antreibt, mir Gedanken darüber zu machen, auf welche Weise ich versuchen kann, meine Buchhandlung im Netz zu positionieren. Und das Fazit aller Vortragenden war: Noch weiß keiner wo das hinführen wird, noch hat keiner den Weg gefunden, wie man den Erfolg oder Nichterfolg seiner Aktivitäten messen kann und ob er überhaupt je messbar sein wird. Aber war das in den Anfangszeiten des Internet nicht genauso?

Wenn es nun Buchhändlerinnen und Buchhändler gibt, die am 5.2. nicht dabei waren und das bereuen, dann möchte ich Sie auf zwei weitere Branchenveranstaltungen hinweisen, die sich ebenfalls mit diesem Thema auseinandersetzen:

Den Fachkongress „Die Zukunft beginnt jetzt“ vom 10. – 11. April 2010 oder das BarCamp „Buchcamp 2010“ am 8.5.2010. Beide Veranstaltungen finden auf dem mediacampus frankfurt statt. Vielleicht treffen wir uns ja dort!

Susanne Martin, Schiller Buchhandlung (Stuttgart) und als Twitter-Autorin äußerst aktiv im Internet.

Hier eine Übersicht aller Blogtexte

  • http://www.buchnrw.de Anja Bergmann

    Dre Landesverband NRW lädt ein zu:

    “Elektrisiert!? – Digitale Content-Vermarktung in der Buchbranche“ am 10. März in Düsseldorf

    Auch hier: Hochkarätige Redner, spannende Themen, bereits bestehende Angebote, Konzepte und Dienstleistungen. Wir wollen mit den Teilnehmern diskutieren, welche Chancen das Web 2.0 und die Digitalisierung für die Buchbranche bietet. Vor allem auch, wo die stationären Buchhandlungen dabei bleiben, wie die Zukunft des Fachbuchs über den Buchhandel aussieht.

    Und die Anmeldungen bisher? 90% aus Verlag und Zwischenbuchhandel!
    Es sind noch Plätze frei, liebe Buchhandlungen – meldet euch an!

  • Pingback: Tweets die Susanne Martin: Keine Zeit fürs Social Web? « buchreport.blog erwähnt -- Topsy.com()

  • http://www.hoerbuchseminare.de Anne K

    Liebe Susanne Martin,
    kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen!!!!
    Anne K

  • http://www.hoerbuchseminare.de Ren

    Sicher auch ein Tipp f

  • Michaela Wentschieck

    Arme Branche, die den Zahn der Zeit nicht erkennt. über

  • http://www.buchreport.de Daniel Lenz

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob das Desinteresse oder Unsicherheit angesichts der massiven Umwälzungen ist der Branche ist.