»3000 Wetterberichte schreibt ein Roboter besser als ein Redakteur«

Wie müssen sich Verlage neu definieren, um in Zeiten der digitalen Transformation zu bestehen? Welche Strukturen und Prozesse sind notwendig, um innovative Produkte zu entwickeln? Wie können Verlage und Medienhäuser die Reichweite ihrer Inhalte steigern? Peter Buhr, Senior Consultant Digital & Innovations bei Axel Springer, erläutert im IT-Channel von buchreport.de den Beitrag, den Künstliche Intelligenz leisten kann.

Immer mehr Verlage und Medienhäuser erweitern ihr Geschäftsmodell um innovative Content-Angebote und Kunden-Services – und entwickeln sich so zu mehrmedialen Service-Providern. Diese Entwicklung geht fast immer mit strukturellen und organisatorischen Neuerungen einher. Denn wenn intelligente Content-Angebote und Vermarktungsansätze sich den volatilen Kundenbedürfnissen und der digitalen Mediennutzung flexibel anpassen sollen, erfordert das flache Hierarchien und agile Prozesse, die eine schnelle Umsetzung der neuen Produkte möglich machen.

Das „Zukunftsforum Zeitschriften“ der Medienakademie widmet sich am 28. November 2017 im Literaturhaus München den konkreten Herausforderungen, denen sich Medienhäuser heute stellen müssen, um sich selbst und ihr Geschäftsmodell neu zu erfinden. Peter Buhr spricht über das Thema „Künstliche Intelligenz und Roboterjournalismus – Wie sich KI auf den Journalismus und seine Geschäftsmodelle auswirkt“.

Peter Buhr, Digital- und Innovationsexperte, Axel Springer. Foto: Xavier Bonnin, apropos-foto.de

Peter Buhr, Digital- und Innovationsexperte, Axel Springer. Foto: Xavier Bonnin, apropos-foto.de

Was ist „Roboter-Journalismus“?

Im engeren Sinne bedeutet es, dass lesbare Texte von Programmen aus Daten erzeugt werden. Im weiteren Sinne die Anwendung fortgeschrittener Sprachtechnologie auf die Kernaufgaben des Journalismus – Information und öffentliche Meinungsbildung.

Seit wann befasst sich der Axel Springer Verlag mit Roboter-Journalismus?

Als die LA Times 2014 ihren Quakebot veröffentlichte, war das wohl die Geburtsstunde diese Begriffs – und auch für uns ein Signal. Piloten starteten wir in 2015, Tests in 2016 und seit Mitte des Jahres sind Text-Robots im täglichen – eng begrenzten – Einsatz.

Wollen Sie Menschen durch billige Automaten ersetzen?

So wie Lastenträger durch Kofferwagen und Briefträger durch Handys, meinen Sie?

Können wir es uns denn leisten, die Automatisierung unserer Sprache durch Suchmaschinen und smarte Assistenten zu ignorieren, statt sie zu gestalten? Technologien eröffnen neue Möglichkeiten. Für jeden einzelnen von uns – siehe Siri, Amazon Alexa, Google Assistant. Und natürlich auch für unsere Angebote und Produkte.

Kein Mensch schafft es, 230 Millionen Mal im Monat eine individuell überzeugende Auswahl von Artikeln zusammenzustellen. Die App Upday schon. Aber auch da nur, weil gute Journalisten und Redakteure die Auswahl steuern.

IT-Grundlagen und Technologien der Zukunft

Mehr zum Thema IT und Digitalisierung lesen Sie im IT-Channel von buchreport und den Channel-Partnern knk und Rhenus. Hier mehr…

Wo kann heute ein Textroboter tatsächlich menschliche Schreiber qualitativ übertreffen?

Immer dann, wenn es um Massen relativ einfacher Texte geht. Einen Wetterbericht gut zu schreiben, ist noch ok, aber beim 3000. lässt die Konzentration des Menschen doch nach. Und dann fehlen noch ein paar 100.000 und in der Zwischenzeit hat der Wind schon gedreht.

Demnach werden aus Text-Robots so schnell keine Edelfedern. Wenn es aber nicht der Preis ist und nicht die Qualität – was ist dann Ihr konkreter Benefit durch Publishing-Automatisierung?

Es sind die Qualität UND der Preis – nur eben in den passenden Szenarien. Passende Fälle sind noch sehr limitiert: Es braucht thematisch enge Grenzen, einen hohen Wert der aktuellen, sachlichen Information, kaum Bedarf an Poesie, dafür an vielen verschiedenen Texte. Aber dann hilft es doch sehr, wenn die einfachen Spielberichte automatisch erzeugt werden und mehr Zeit zum Schreiben der Story über den Trainerwechsel bleibt.

Wie nehmen Sie solch ein Roboter-Journalismus-Projekt konkret in Angriff?

Je nach Bedarf können wir im Detail spezifizieren, umsetzen und liefern – das Sorglospaket stellt am Ende einfach Texte bereit, die im vorhandenen redaktionellen Workflow durchlaufen. Oder der Selfservice:

  • Login am Dashbord,
  • Import der Daten,
  • Anpassen der Stilmuster und
  • Export per API.

Entscheidend ist es, dass es ein klares Ziel gibt und die nötigen Daten vorhanden sind.

 

Porträtfoto: Xavier Bonnin, apropos-foto.de.

Symbolbild: Unsplash.

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