Ausbildung statt Ausbeutung

Der Verein Junge Verlagsmenschen macht sich auch für die Rechte von Volontären in Verlagen stark. Die Vorsitzende Lena Augustin (Foto) wirft Blicke auf eine Grauzone, in der es alles andere als fair zugeht.

Werden die Leistungen von Volontären angemessen vergütet?

Das ist sehr unterschiedlich und der Begriff „angemessen“ ist auch schwierig zu definieren. Es kommt darauf an, welche Aufgaben übernommen werden. Hat das Volontariat Ausbildungscharakter? Oder übernimmt der Volontär in Wahrheit in dem Verlag eine Vollzeitstelle? Da gibt es eine sehr große Bandbreite. Grundsätzlich sollte gelten: Alles unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde ist nicht angemessen.
Beuten viele Verlage ihre Volontäre aus?
Wir haben vor anderthalb Jahren eine Umfrage zum Verdienst von Volontären durchgeführt. Ergebnis: Die Teilnehmer verdienten im Durchschnitt deutlich unter dem wenig später eingeführten Mindestlohn-Niveau. Davon hören wir immer noch häufig. Und auch, dass Vollzeitstellen immer wieder neu mit Volontären besetzt werden, ist offenbar weit verbreitet. Um valide Zahlen zu bekommen, werden wir diese Umfrage jetzt erneut durchführen. 
Was sind die zentralen Forderungen?
Der Mindestlohn ist, wie es der Name schon sagt, das Mindeste. Verlage, die darunter bleiben, rechtfertigen sich mit dem Argument, Volontariate seien Ausbildungsverhältnisse. Nach unserer Ansicht ist das Volontariat aber eine Einstiegsstelle, weil wir wissen, dass viele Volontäre schon sehr schnell dieselbe Arbeit wie festangestellte Kollegen verrichten. Unser Vorschlag: Verlage könnten mit einem Gütesiegel zeigen, dass sie fair ausbilden. Das Volontariat dauert nicht länger als 2 Jahre, es gibt klar definierte Ziele und feste Ansprechpartner im Verlag – das wären zentrale Kriterien für ein solches Siegel.
Gibt es dafür Unterstützung von Verlagen?
Bislang nicht. Wir müssen immer wieder erneut versuchen, das Thema in den Blickpunkt zu rücken. Dann kommt es hoffentlich zu einem Umdenken. Und in einigen Verlagen ist das ja bereits auch der Fall. Nur eben nicht in allen.
Die Jungen Verlagsmenschen kooperieren mit Verdi. Was sind die Ziele?
Verdi ist ein wichtiger Ansprechpartner in Fragen rund um das Arbeitsrecht. Bisher arbeiten wir auf regionaler Ebene in Form gemeinsamer Veranstaltungen zusammen, die sich nicht nur an Volontäre richten. Demnächst soll es auch Gespräche auf Bundesebene geben, um die Zusammenarbeit zu intensivieren. Wir können gemeinsam Hilfestellungen geben. Der Nachwuchs muss aber auch selbstbewusster und aktiv das einfordern, was ihm zusteht.

Lena Augustin hat im Tulipan Verlag volontiert und arbeitet seit einem Jahr als Werbe- und Marketingreferentin bei Piper. Die 28-Jährige steht als Vorsitzende an der Spitze des Vereins Junge Verlagsmenschen, dem insgesamt 700 Mitglieder aus der Buch- und Medienbranche angehören.

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