Auch Verleger ordern bei Amazon

Die Konditionendebatte schlägt allerorts hohe Wellen. Während zahlreiche Verlage und Autoren gegen Amazon Stellung beziehen, stellt sich allerdings wie gehabt die Frage, inwiefern sich der riesige Kundenstamm vom immer schlechteren Image des Konzerns beeindrucken lässt. Wie viele Kunden erwägen tatsächlich, den Rundum-Sorglos-Onliner aufgrund seines Zwists mit der Buchbranche zu boykottieren?

Ob der aktuelle Disput mit Hachette wirtschaftliche Folgen für Amazon hat, haben kürzlich die Marktforscher der Codex Group (New York) untersucht. Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter 5286 Buchkäufern in den USA:

  • 39% der Befragten zeigten sich mit dem Konflikt Amazon/Hachette vertraut.
  • 19% aus dieser Gruppe gaben an, weniger Bücher bei Amazon zu kaufen. Stattdessen wird zu Barnes & Noble, Independent Bookstores oder anderen Anbietern gewechselt.
  • 37% aus der Gruppe der informierten Kunden sahen keinen Anlass, ihr Kaufverhalten infolge des Konflikts zu ändern.

Und wie verhalten sich Branchenangehörige? SPIEGEL ONLINE-Kolumnist Jan Fleischhauer verweist unter der Fragestellung „Wie böse ist Amazon?“  auf Autoren, die mit gutem Beispiel vorangingen, und einen entsprechenden Beitrag in der „Zeit“. Schon das Bekenntnis, nicht bei Amazon zu kaufen, gilt Fleischhauer zufolge als mutig. Sich mit einem Unternehmen anzulegen, das in Deutschland 20% des Buchmarkts kontrolliert, könne „existenzgefährdend sein, nicht nur für Verlage. Wer sagt einem, dass Amazon nicht morgen einzelne Autoren aus dem Sortiment nimmt, um sie zu bestrafen?“

Wie sich Buch-Fachleute gegenüber Amazon positionieren, ist in der Tat nicht nur eine Frage von öffentlicher Darstellung: Wer kauft selbst noch beim marktdominierenden Online-Händler? Um einen Einblick in ihr Kaufverhalten zu bekommen, hat das New Yorker Verlagsnachrichtenportal „Publishing Trends“ eine Umfrage unter Branchenteilnehmern durchgeführt. Ausgangsfrage: Wo bekommen Sie ihre Bücher her – und haben sich die Bezugswege zuletzt verändert? Ergebnisse:

  • 68% der Verlagsleute gaben an, für ihre Freizeitlektüre Geld zu bezahlen. Diejenigen, die ihren Lesestoff umsonst erhalten, beziehen ihn aus diversen Quellen: Viele erhalten im Rahmen des Verlagsalltags Leseexemplare. Es werden aber auch viele Bücher aus Bibliotheken und von Freunden ausgeliehen.
  • 22% der Befragten haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate Bücher direkt bei einem Verlag gekauft.
  • Gut die Hälfte gab insgesamt an, dass sich ihr Bucheinkaufsverhalten im vergangenen Jahr verändert habe. Die meisten von ihnen kaufen nun nicht mehr bei Amazon. Viele der Umfrageteilnehmer begründen diesen Schritt mit dem andauernden Konflikt.
  • Trotz allem haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate noch etwa drei Viertel der Befragten ein Buch bei Amazon bestellt (s. Grafik).
  • Insbesondere im E-Book-Bereich sei es allerdings schwer, Amazon zu umgehen, war der Tenor der Umfrage. Das gelte ebenso für Audible im Bereich digitaler Hörbücher.

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