Autor als Melkkuh

„Ich träume davon, mit der Flut an unverlangt eingesandten Manuskripten Geld zu verdienen“, erklärte ein deutscher Verleger schon vor Jahren hinter vorgehaltener Hand. Die Verlagsgruppe Pearson ist auf dem Weg, den Traum zu realisieren. Und genau das macht die Übernahme des Selfpublishing-Dienstes Author Solutions so heikel.

Auf den ersten Blick dockt die Mediengruppe mit ihrem 116 Mio Dollar schweren Investment an die bisherigen Selfpublishing-Aktivitäten an: Im vergangenen Jahr startete die Tochter Penguin „Book Country“, eine Online-Autoren-Community mit angeschlossenen Selfpublishing-Vertriebskanälen.

Doch anders als der traditionelle Ansatz der Selfpublishing-Portale verdient Author Solutions den Großteil des Geldes (rund 100 Mio Dollar im Jahr) mit Dienstleistungen für Schriftsteller und nicht mit den Provisionen aus dem Vertrieb der gedruckten oder digitalen Bücher an den Endkunden. Dass hinter dem Schachzug die Einschätzung steht, dass der Höhepunkt der Selfpublishing-Portale mit klassischem Geschäftsmodell überschritten ist, ist eine vorschnelle Schlussfolgerung.

Deutlich zeichnet sich schon heute ein Interessenskonflikt ab: Author Solutions ist erfolgreich, selbst wenn die Autoren beim Vertrieb ihrer Bücher schwächeln – solange sie vorher viel Geld für Lektorats- und Marketingdienstleistungen ausgegeben haben. Kassiert ein renommierter Publikumsverlag über seine neue Tochter für eine „weboptimierte Pressemitteilung“ fürstliche 1200 Dollar, während das Ergebnis für den Autorenkunden mitunter ernüchternd ausfällt, ist ein Clash der Kulturen programmiert.

Kommentare

12 Kommentare zu "Autor als Melkkuh"

  1. Frank Maria Reifenberg | 30. Juli 2012 um 10:21 | Antworten

    Versteht man in dieser Diskussion eigentlich unter „Autor“ jemand, der irgendwie schreibt oder sind das die, die das Schreiben als eine kontinuierliche Tätigkeit ansehen, die einen wesentlichen Teil ihres Lebensinhalts und ihres Einkommens ausmacht? Beide sollten nicht abgezockt werden. Zur Abzocke gehören allerdings immer zwei. Für alle Autoren bedeutet das: Statt blauäugig irgendwem Geld und Vertrauen in den Rachen zu werfen, sollten sie den Fokus erst einmal nach innen richten und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: das Schreiben. Und sich dabei vielleicht auch überlegen, ob das Produkt dieser Arbeit wirklich veröffentlich werden muss. Ich habe in meinem Blog dazu geschrieben und mich sehr gewundert, welche Welle es darauf gab. Übrigens bei vielen Autoren eine der Erleichterung. http://schreibkraftfmr.wordpre

  2. Leander Wattig | 30. Juli 2012 um 3:53 | Antworten

    Ein freier Lektor oder Cover-Designer ist auch erfolgreich, wenn die Autoren beim Vertrieb ihrer Bücher schwächeln. Dennoch sehe ich nicht, was grundsätzlich verwerflich beim Anbieten solcher Services sein sollte? Wenn dann ist das Problem heute eher die Intransparenz in vielen Bereichen, oder?

    • Verwerflich ist das sicher nicht – ich finde es, im Gegenteil, sehr gut, dass Penguin mit Selfpublishing experimentiert, wie auch Droemer. Aber mir geht es darum, dass die Autoren und Verlage mitunter nicht mehr die gleichen Ziele haben und sich daher das Verhältnis ändert.

      • Leander Wattig | 30. Juli 2012 um 11:47 | Antworten

        Ich denke auch, dass Verlage insgesamt stärker in eine Dienstleister-Richtung/-Denke gehen. Wichtig ist v.a., dass transparent vorgegangen und nichts Falsches suggeriert wird. Gerade im Übergang, da noch andere Unternehmensbilder in den Köpfen vorherrschen.

      • Leander Wattig | 30. Juli 2012 um 11:50 | Antworten

        P.S.: Zielgleichheit hat es aber auch bisher nicht in jedem Falle gegeben bei Verlagen und Autoren. Der Autor denkt an seinen individuellen Erfolg. Der Verlag managt das Portfolio. Da kann es schon bisher Zielkonflikte geben.

        • D’accord, aber der sich abzeichnende Dissens wird schärfer, weil zum Portfolio des Verlags dann auch Service-Erlöse kommen.

          • Leander Wattig | 30. Juli 2012 um 13:52 |

            Sehe ich auch so. Umso wichtiger wird die professionelle und transparente Kommunikation wie ein echter Dienstleister.

  3. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Ziel des Autors die Veröffentlichung seines Werkes ist. Die Strukturen des Buchmarkts- gerade bezüglich PR, Marketing und Vertrieb- ist für ihn meistens unbekannt und in Kürze schwer zu erarbeiten.
    Warum soll er also keine Dienstleistung z.B.für das Self-Publishing in Anspruch nehmen? Man muss dabei klar unterscheiden zwischen klassischen Agenturleistungen und Dienstleistungen für den Autor, die andere Bezugsgrößen und Preise haben. Alle Dienstleister am Markt unterliegen einem Wettbewerb, also sollte der Autor verschiedene Angebote einholen.
    Am allerwichtigsten ist aber für eine Agentur oder einen Dienstleister die Beratung und Betreuung des Autors vor einer verlegerischen Entscheidung. Die Beantwortung der Frage nach dem Ziel der Veröffentlchung, bei der ganz klar auch die wirtschaflichen Kriterien von Relevanz sind, kann einen möglichen „Clash der Kulturen“ verhindern.

  4. Lieber Daniel Lenz: Sie treffen den Nagel auf den Kopf, vielen Dank. Als Autor sollte man genau darauf achten, dass man sich nur mit Self-Publishing-Partnern ins Boot setzt, die erst dann richtig Geld verdienen, wenn die Buchverkäufe abheben.

    Lieber Wolfgang Tischer: Wir sehen schon gute Gründe, warum nicht alle die KDP-Lobeshymne anstimmen 😉 Ein Beispiel: Wer sich als Autor auf nur einen Vertriebskanal fokussiert, lässt eine Menge Geld und Leser links liegen – siehe unsere Meldung von gestern: http://newsroom.epubli.de/allg

  5. Wolfgang Tischer | 27. Juli 2012 um 12:07 | Antworten

    Vielen Dank für diesen Kommentar!

    Autoren abzuzocken ist ja nicht ganz neu. Hoffnungsfrohe naive Autoren, deren Manuskripte auf einem Buchmarkt keine Chance haben, wurden schon seit Jahren von Zuschussverlagen mit Versprechungen mehrere 1.000 Euro aus dem Rücken geleiert.

    Am Selfpublishing-Boom wollen wieder viele mitverdienen, und heutzutage bedient man sich bei den Autoren etwas verborgener: Jetzt nennt man es Bereitstellungspauschale oder belegt es mit anderen klingenden Namen oder bietet „Premiumpakete“ an – was immer die auch beinhalten. Und oft wird das nicht pauschal, sondern monatlich abgerechnet, da sieht der Betrag dann auch gleich viel niedriger aus.

    Und es geht nicht nur um Euros (oder Dollars), sondern auch ums Kleingedruckte, denn viele Dienstleister binden einen Autor vertraglich länger an das Unternehmen.

    Auch wenn es einigen schwer fällt zu sagen: Vorbildlich agiert hier Amazon mit dem KDP-Programm. Dort gibt es keine Grundgebühren oder Zusatzpakete und man bindet sich auch vertraglich nicht länger an das Unternehmen.

    • Der Unterschied ist m.E., dass jetzt eben nicht nur die Verlage aus dieser (Zuschuss-)Ecke, sondern auch normale Publikumsverlage neue Erlösquellen suchen und finden. Und die haben bislang ein anderes Verhältnis zum Autor gepflegt. Man stelle sich vor, Suhrkamp würde für eine Online_Pressemitteilung 1200 Euro vom Autor nehmen…

    • ..nicht nur mit KDP sondern auch mit Create Space für die Printbücher. Wer zusätzliche Dienstleistungen kauft muss diese selbstverständlich bezahlen. Als Abzocke sehe ich das nicht.

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