Der Ton ist schärfer geworden

Vor einem Jahr hat Ulrike Rodi (Foto) das Unternehmen und die Führung des Dortmunder Grafit Verlags übernommen, nachdem sich Gründer Rutger Booß (re.) in den Ruhestand verabschiedet hat. Im Interview erläutert Rodi, wie sich das Krimi-Genre und der Konkurrenzdruck gewandelt haben.

Ein Jahr im Chefsessel des Grafit-Syndikats. Macht die Führung der Familie noch Spaß?

Großen Spaß, ich blicke zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurück. Zwischenzeitlich hatten wir – leider zwar wie die gesamte Branche – Umsatzrückgänge zu verzeichnen, insgesamt aber war unser Geschäftsabschluss positiv.

Die Schere zwischen großen und kleinen Verlagen klafft immer weiter auseinander. Wie hart ist es, im Haifischbecken zu überleben?

Der Ton ist in den vergangenen Jahren spürbar schärfer geworden, zudem können wir mit unserem kleinen Werbebudget keine großen Sprünge machen. Wir reagieren, indem wir unser Profil noch deutlicher herausarbeiten und auf Qualität setzen. Wir haben unsere Autoren immer schon sehr streng ausgewählt, sie individuell betreut und auf ein gutes Lektorat gesetzt. Dass man dies auch den Produkten anmerkt, bestätigen uns die Buchhändler, unsere Leser und die vielen Preise, die unsere Autoren in der Vergangenheit erhalten haben.

Viele Wettbewerber mussten feststellen, dass Kriminalliteratur nicht immer so einfach läuft, wie sie sich das vorgestellt haben. Viele dachten scheinbar, sie packen das Label „Krimi“ auf ein Buch und es verkauft sich von allein. Der Markt hat sie eines Besseren belehrt.

Gleichwohl hat das Genre einen Höhenflug erlebt…

Ja, vor 20 Jahren waren Krimis verpönt, das Genre war eigentlich bedeutungslos und fand vorzugsweise im Heftchenformat statt. Heutzutage dominiert das Verbrechen auch die Bestsellerlisten.

Inzwischen sitzt die Digitalisierung der Branche im Nacken. Wie hält es ein Nischen-Verlag wie Grafit mit E-Books?

Etwa ein Viertel unserer Titel ist digital lieferbar. Aus der Backlist digitalisieren wir nur eine Auswahl, unsere Novitäten werden hingegen fast zu 100% parallel in gedruckter und digitaler Form veröffentlicht.

Grafit ist eine Heimat für Krimis. Wollen Sie auch in anderen Revieren wildern?

Historische Krimis sind zu einer Nische gewachsen, die wir pflegen, wenn uns spannende Titel angeboten werden. Großes Wachstum sehe ich jedoch nicht, da der Rechercheaufwand viele Autoren abschreckt. Auch der europäische Markt ist für uns wichtig, vor allem Finnland und die Niederlande.

In erster Linie verstehen wir uns als Verlag für Krimis. Aber da wir uns aus einem Verlag für Hotelführer entwickelt haben, möchte ich nichts in Stein meißeln. Auch wenn ich bezweifle, dass wir zu den Hotelführern zurückkehren.

Die Fragen stellte Lucy Kivelip

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