Keine Notwendigkeit für einen Kampfpreis

Bücher verkraften einen Mehrpreis, hat Random-House-Chef Joerg Pfuhl im April im buchreport.magazin erklärt (mehr im Dossier auf buchreport.de) und eine Debatte über Pricing ausgelöst. Weil der Buchabsatz stagniert und kaum zu steigern sein wird, stecke der Hebel also in höheren Preisen. Für neue Impulse in der Preis-Debatte sorgt KiWi. Die Kölner schieben den neuen Mammutroman von David Foster Wallace in der kommenden Woche für 39,95 Euro an den Start. Im Interview mit buchreport.de erklärt Stephan Wirges, stellvertretender Vertriebsleiter der Kölner, wie der hohe Preis dem Leser vermittelt werden soll.

Bücher verkraften einen Mehrpreis, hat Random-House-Chef Joerg Pfuhl im April im buchreport.magazin erklärt und eine Debatte über Pricing ausgelöst. Sie verlangen für den neuen Roman von David Foster Wallace rund 40 Euro. Ist das nicht zu viel des Guten?
Anders als bei sicheren Toppsellern wie Schätzing, Dan Brown oder Follett haben wir es bei Foster Wallace und seinem Roman „Infinite Jest“ mit einem literarischen Meisterwerk zu tun, bei dem wir im Vorfeld von einem eher überschaubaren Verkaufspotential ausgegangen sind. Der „hohe“ Preis ist dem enormen Umfang von 1648 Seiten geschuldet und damit auch den hohen Druckkosten. Es bestand und besteht bei diesem Titel keine Notwendigkeit für einen Kampfpreis. Obwohl wir unsere Erwartungen an den Verkauf erheblich nach oben korrigieren durften, gehe ich fest davon aus, dass die Zielgruppe den Preis willig und ohne zu zögern bezahlt. Dass ein solches Buch eben auch eine übersetzerische Großtat ist, tut ein Übriges.

Wie viel Luft nach oben gibt es bei den Hardcover-Preisen?
Grenzen gibt´s nur da, wo Sie eine potentielle Zielgruppe aus Preisgründen nicht mehr abholen können oder wo man im Wettbewerb mit Konkurrenzprodukten steht. Ansonsten ist es eben auch vor allem eine Frage der Preis/Leistung. Bei Galiani unserem Berliner Imprint, erscheint ein wunderbarer Folioband, „Nichts als die Welt“. Preis: 85 Euro. Wir sind sehr zuversichtlich, dass dieser Preis keineswegs zu hoch, sondern dem aufwändigen Buch angemessen ist. Dies wird uns nicht nur schon von den Buchhändlern bestätigt, sondern auch von zahlreichen interessierten Käufern.

Wie wollen Sie  dem Leser den hohen Preis vermitteln?
Ein Vermittlungsproblem gibt es eigentlich nicht. Eher müssen wir uns früh die richtigen Fragen stellen: Wer sind die Zielgruppen, frei nach der Sinus-Milieu-Studie. Danach entscheiden wir über Form und Preis. Ist eine Taschenbuch-Originalausgabe sinnvoller für eine junge Zielgruppe? Ist Leinen und Lesebändchen wichtig? Dann eben so.

Rund ums Buch wird eine aufwändige Community aufgebaut. Ist dies der Weg der Zukunft, um (hochpreisige) Spitzentitel zu vermarkten?
Es gibt ein Foster-Wallace-Forum: Schriftsteller, Verlagskollegen lesen und teilen Ihre Eindrücke mit. Aktivitäten ums Buch herum sind immer wichtig. Dabei spielt das Internet eine immer größere Rolle, um den Endkunden, den Leser zu erreichen. Die Wahl der Mittel hängt wiederum stark vom Inhalt des Titels ab. Nicht der Leser muss das Buch finden, sondern das Buch den Leser. Ein Buch zu machen und darauf zu warten, dass etwas passiert, ist eher verschwendete Liebesmüh und wenig erfolgversprechend.

Kommentare

1 Kommentar zu "Keine Notwendigkeit für einen Kampfpreis"

  1. Manfred Keiper | 19. August 2009 um 23:52 | Antworten

    Sorry, Herr Deichmann, ich bin nicht Preisvermittler, sondern sehe mich als Literaturvermittler – und als Kaufmann. Hoher Preis – Meinen KundInnen möchte ich ein hohes Leseerlebnis vermitteln, aber wenn man dafür nur 2 hat, ist das halt bittere Realität.
    Der Preis?! Schauen Sie sich an, was die KundInnen für Konzertkarten hinblättern, und was im Buchhandel bei Lesungen verlangt wird – da mutet die Preisdiskussion im Buchhandel, und die ist ja nicht neu, arg grotesk an.

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