Die Zukunft des Lesens ist holzfrei

In der „Süddeutschen Zeitung“ singt Redakteurin Dana Buchzik ein Loblied auf Digitalisierung, E-Book und Amazon und übt heftige Kritik an der Preis- und Themenpolitik der deutschen Buchbranche, die bildungsferne Gesellschaftsschichten systematisch ausschließe.

Zunächst verteidigt sie das E-Book gegen Kulturpessimisten“ wie etwa den Buchgestalter Friedrich Forssman (der sich im Suhrkamp-Blog kritisch zum E-Book geäußert hatte) und singt ein Loblied auf den Online-Händler Amazon, der eine neue Demokratisierung des Lesens“ angestoßen habe.

Ganz anders dagegen erscheint die deutsche Buchbranche, die als arrogant und elitär charakterisiert wird: Wenn man den Ladenpreis von Büchern, DVDs und Computerspielen jeweils in Relation zu ihren Herstellungskosten setzt, zeigt sich schnell, dass Bücher überteuert sind. Das weist auf suboptimales Unternehmertum gerade der größeren Verlage hin, aber auch auf die Arroganz einer selbsterklärten Elite.“

Statt sich nur für die Bildungsbürger zu interessieren, die mit verlässlichem Kapital die Buchbranche seit jeher finanzieren“, sollten sich Verlage stärker um bildungsferne Schichten bemühen, sie sollten innovativ denken statt bei den Literaturagenturen nach Büchern zu fragen, die mit bereits gut erprobten Inhalten aufwarten“. Zum Vorbild nehmen könnten sie sich wiederum den erklärten Branchenfeind“ Amazon: Hier stöhnt man nicht über Tausende ‚unverlangt eingesandte‘ Manuskripte pro Jahr, sondern erkannte ihr wirtschaftliches Potenzial: Mit einem Minimum an Aufwand lassen sich Schreibende (die immer auch Lesende sind) zu Autoren machen – und Millionen verdienen.“

Die Zukunft des Lesens sei digital, während das gedruckte Buch sich in noch kleineren Zirkeln abspielen werde, als es heute bereits der Fall sei: Hardcover werden künftig das sein, was heute die Schallplatte ist: Gehätscheltes Liebhaberprodukt in einem überschaubaren Markt.“ Bei den künftigen, digital lesenden Generationen, müssten sich die klassischen Verlage ihren Ruf neu erarbeiten: Wer elektronisches Lesen als Untergang des Abendlandes und seine Kunden als ‚Verbraucher‘ deklariert, deren niedere Lesebedürfnisse am besten ignoriert bleiben, betreibt Lobbyarbeit gegen die Realität. E-Books bedeuten, dass gute Geschichten schier unbegrenzt verfügbar sind. Sofort und überall auf der Welt. Das ist die Zukunft. Sie hat längst begonnen.“

Kommentare

3 Kommentare zu "Die Zukunft des Lesens ist holzfrei"

  1. Christian Dittus | 4. August 2015 um 18:02 | Antworten

    Wenn das Wörtchen „gut“ nicht wär…

    Zitat Dana Buchzik: „E-Books bedeuten, dass gute Geschichten schier unbegrenzt verfügbar sind.“ „Schlechte“ Bücher (damit meine ich schlecht erzählte Geschichten) erscheinen auch in herkömmlichen Verlagen und auf Papier. Doch das Verhältnis zwischen „guten“ und „schlechten“ Büchern fällt bei herkömmlichen Verlagen deutlich günstiger zugunsten von „guten“ Büchern aus als bei selbstverlegten. Jeder kann ein Buch schreiben, aber nicht jedes müsste veröffentlicht werden.

  2. Manfred Keiper | 3. August 2015 um 17:27 | Antworten

    „Wenn man den Ladenpreis von Büchern, DVDs und Computerspielen jeweils in Relation zu ihren Herstellungskosten setzt, zeigt sich schnell, dass Bücher überteuert sind. Das weist auf suboptimales Unternehmertum gerade der größeren Verlage hin, aber auch auf die Arroganz einer selbsterklärten Elite.“

    Unfassbar, solche Sätze! Und was sagt die Autorin zu den überteuerten Preisen von Apple, den wucherartigen Gebühren von Amazon im Marketplace (die Mafia hat ja immer 10-15% verlangt, Amazon aber mindestens 30%, gibt aber keinerlei Garantien). Ich glaube, die Autorin hat sich überhaupt nicht empirisch über die Herstellungskosten der jeweiligen Produkte ins Bild gesetzt, denn von den Renditen im DVD- und Computerspielbereich können wir im Buchmarkt nur träumen. Aber vielleicht weiß sie nicht einmal, wie Renditen zustande kommen.

  3. Dass der Anteil der E-Books wächst und weiter wachsen wird, ist keine allzu kühne Prophezeiung. Blöd halt für die Branche, dass sich dieses Wachstum nur begrenzt in Umsätzen niederschlägt.

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