Lesen in 3D

Tapernde Dinosaurier und zwitschernde Vögel – Augmented Reality hat das Kinderzimmer erreicht, stellt Fridtjof Küchemann in der „FAZ“ fest (jetzt auch online). Die Technologie ermöglicht, Bildelemente aus Kinderbüchern auf dem Bildschirm in 3D darzustellen und um Tonmaterial, Wissensspiele und Erklärungen zu ergänzen. Dazu muss eine entsprechende App auf dem Tablet-PC installiert sein und ein Datenpaket zum Buch heruntergeladen werden. Hält das Kind anschließend die Tablet-Kamera über das Buch, werden die Zusatzinhalte auf dem Bildschirm sichtbar.

Der Carlsen Verlag ist mit seinem Kinderbuchprogramm Leyo ein Vorreiter, der die Technologie nutzt. Das Bilderbuch „Alle Vögel sind schon da“ wird etwa um ein vielstimmiges Vogelkonzert ergänzt, ein Bildwörterbuch um Wörter in sechs Sprachen, die von Muttersprachlern eingesprochen wurden. „Die AR-Technologie“, sagt Markus Dömer (Carlsen) „ist jetzt an einem Punkt, wo sie massenkompatibel werden wird.“

Nach anfänglichen Schönheitsfehlern würden die Effekte inzwischen gut funktionieren. Geklagt wird vereinzelt über lange Ladezeiten, Systemabstürze und Updates, nach denen Funktionen plötzlich ausfielen. Auch die Auswirkungen auf das Lesen und Vorlesen seien bislang umstritten. Das Medium allein würde der Vorlesesituation nicht unbedingt schaden, auch wenn Inhalte zunächst hinter die Technik träten. Es käme aber auf den Umgang mit dem Medium an, ist Tenor der Experten.

Als Vorläufer der Augmented Reality-Technik sieht Küchemann Ravensburgers Tiptoi-Stift. Zwei Millionen verkaufte Geräte seit der Markteinführung im September 2010 zeugen vom  Interesse am multimedialen Lesen. Allerdings beruft sich Fridtjof Küchemann auf Zahlen, die ein anderes Bild abgeben:

  • Im vergangenen Jahr nutzte demnach lediglich 1% der Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren in Deutschland täglich einen Tablet-PC.
  • 2% hantierten täglich mit dem Smartphone.
  • Im wöchentlichen Gebrauch waren die Geräte bei ca. 7% der Kinder.
  • Die Hälfte der befragten Eltern findet, Tablet-PCs seien für Kinder ungeeignet. In der vorigen Erhebung waren noch 57% dieser Ansicht.Umgekehrt halten immer mehr Befragte – 43% der Eltern ohne, 61% der Eltern mit Tablet-PC – die Geräte für geeignet, um mit Kindern gemeinsam spielerisch zu lernen und sie früh an den Umgang mit Medien zu gewöhnen.

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