Leuchttürme im Digitalnebel

Der „Deutsche Ebook Award“ soll zeigen, dass auch E-Books ästhetisch etwas zu bieten haben. Initiator Robert Goldschmidt will mit dem Preis Diskussionen über die schöne neue Welt anstoßen

„Zur Ästhetik des E-Books kann ich gar nichts schreiben, denn es gibt sie nicht“, schrieb der Buchgestalter Friedrich Forssman vor Monaten. Ist der Preis eine Replik? 

Die Idee zum Preis hatte ich schon vor seinem Text im Suhrkamp-Blog im vergangenen Jahr, aber wir wollen tatsächlich zeigen, dass es eine digitale Ästhetik bei E-Books gibt, wir wollen Diskussionen über den Stellenwert schöner E-Books anstoßen. Und ich hatte zumindest kurz mit dem Gedanken gespielt, Forssman in die Jury einzuladen, dies aber verworfen. Neben den E-Books, bei denen die Information im Vordergrund steht und auf die sich Forssman hauptsächlich bezieht, gibt es E-Books-Apps oder angereicherte E-Books zum Beispiel im Epub-3-Format, die ästhetisch weitaus mehr bieten als der Standard. Gemäß Marshall McLuhans „Das Medium ist die Botschaft“ wird der Inhalt bei solchen Produkten auch über die Form mittransportiert.

Ist diese Message denn bei den Verlagen angekommen?

Es gibt zumindest Leuchttürme im Nebel. Für Verlage ist es aber schwierig, zu investieren, da die Zielgruppe noch relativ klein ist. Außerdem fehlt oft das Know-how. Man braucht in den Verlagen eine gute technische Basis, um langfristig anspruchsvolle digitale Produkte zu entwickeln. Verlage sind nicht so konservativ, wie man häufig denkt, aber der finanzielle und personelle Aufwand ist für viele noch zu hoch im Vergleich zu den zu erwartenden Gewinnen.

Hat sich die Branche zu wenig mit digitaler Typografie beschäftigt?

Vielleicht. Es gibt Grafikdesigner, die sich mit digitaler Typografie auseinandersetzen, aber in den Verlagen gibt es davon zu wenige. Typografen müssen in der digitalen Typografie neue Kompetenzen aufbauen: Welche technischen Möglichkeiten gibt es heutzutage? Was können die Endgeräte überhaupt darstellen? Aufgrund der Textmenge, mit der wir uns täglich in digitalen Medien auseinandersetzen, wird das Thema an Gewicht gewinnen.

Wird mit Epub3 alles anders?

Epub3 sollte schon heute der Marktstandard sein, hat sich aber noch nicht etabliert, weil die meisten Hersteller der E-Reader das Format nicht unterstützen. Die Geräteabhängigkeit ist sowieso eines der größten Probleme bei der Entwicklung neuer Formen digitaler Literatur. Aber die Entwicklung ist noch jung und geht rasant vorwärts. Standards werden leider häufig von den marktdominierenden Akteuren etabliert und das nicht immer zum Guten.

Robert Goldschmidt studierte an der LMU München Buchwissenschaft und Sprache, Literatur, Kultur. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler folgten Stationen am Mediacampus Frankfurt und in diversen Verlagen. Bis zum Abschluss seines Studiums war er Projektmanager bei Wirth & Horn. Mehr Infos zum Preis unter www.deutscher-ebook-award.de

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