Opfer von Amazon?

E-Books und die Daumenschrauben großer Online-Händler wie Amazon zwingen immer mehr britische Verlage in die Knie. Laut einer Analyse des Wirtschaftsprüfungsinstituts Wilkins Kennedy haben in den vergangenen zwölf Monaten 98 britische Verlage Insolvenz angemeldet – deutlich mehr als im vergangenen Jahr, als nur 69 Verlage betroffen waren.
Vor allem kleinere Verlage werden in der Statistik aufgeführt. Untern ihnen sind allerdings auch so bekannte wie Evant Brothers Limited – der Verlag, der erstmal die Kinderbuchautorin Enid Blyton veröffentlichte und sich später auf Lehrmaterial konzentrierte. Er meldete im September 2012 Insolvenz an.
Wilkins Kennedy führt diese Entwicklung auf folgende Faktoren zurück:
  • Rabattschlacht: Auf der preisbindungsfreien Insel versuchen sich Supermärkte und große Online-Händler wie Amazon und Barnes & Noble gegenseitig zu unterbieten. Um hohe Rabatte anbieten zu können, zwingen sie die Verlage zu immer günstigeren Konditionen. Gerade die auf jeden Penny angewiesenen kleinen Verlage trifft dies empfindlich.
  • Online-Gebrauchtbuchmarkt: Während man früher in Antiquariaten mühsam nach gebrauchten Büchern suchen musste, reicht heute ein Klick in einem Online-Shop. Bei Amazon werden die gebrauchten Titel sogar direkt neben der Neuware feilgeboten. Die Verlage gehen leer aus.
  • E-Books: Auch die steigende Nachfrage nach E-Books macht den Verlagen zu schaffen – sind doch die digitalen Bücher schon regulär meist günstiger und werden dann oft deutlich ermäßigt angeboten. So hatten Sony und anschließend Amazon bis März 2013 ausgewählte Bestseller für 20 Pence verschleudert. Die Verlage sind indirekt betroffen – durch die resultierenden Konditionenforderungen der Händler.
  • Piraterie: Da immer mehr E-Books zur Verfügung stehen und auch immer mehr Lesegeräte in den Haushalten verfügbar sind, greifen immer mehr Nutzer auf das Angebot der Buchpiraten zurück – auf Kosten der Verlage.

Kommentare

6 Kommentare zu "Opfer von Amazon?"

  1. Christian Spließ | 6. November 2013 um 1:29 | Antworten

    Wäre es nicht nett auch mal ab und an ein Link zur Originalmeldung anzugeben, damit man sich den Text auch mal in Ruhe im Original durchlesen kann? Ja, wäre es. (Ich finde den nämlich momentan nicht auf der Webseite von Wilkins Kennedy… Kann aber an mir liegen.)

  2. Merke: Schuld sind immer die anderen, nie Managementfehler, falsche Markteinschätzungen, etc.

  3. Sally Davies merkt in ihrem Beitrag für die FT u.a. aber auch an:

    „But while the buying power of Amazon might force book publishers to sell at lower prices, it also “provides a route to market for smaller players that find it difficult to get their books stocked” by high-street retail chains, said Angus Phillips, director of the Oxford International Centre for Publishing Studies …“

    „He noted that many of the insolvencies mentioned in the study do not deal in books, but offer products such as magazines and business-to-business titles that are hard-pressed in areas such as advertising“.

    das fällt im #Buchreport einfach flach.

    • Besten Dank für den Hinweis. Wir beziehen uns in dem Beitrag auf die Original-Meldung von Wilkins Kennedy, in der diese Erklärungen nicht genannt werden.

    • Vielen Dank für die Korrektur von Herrn Hemartin. Der deutsche Beitrag liest sich mal wieder wie das übliche Plädoyer für die überflüssige Buchpreisbindung hierzulande, die de facto sowieso (von Amazon z.B.) ständig unterlaufen wird. Es zeigt sich eben auch: Wenn die Preisbindung wegfällt, tun sich neue Märkte und Verkaufswege auf! Man muss sie nur nutzen. Chancen sind immer da.

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