Postskriptum: Sprachbildender Sarrazin

Thilo Sarrazin hinterlässt nicht nur Spuren in der politischen Debatte und im Buchhandel, sondern auch in der deutschen Sprache: Im Sprachgebrauch habe sich das Adjektiv „sarrazinesk“ eingebürgert, erklärt jetzt die Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache, Andrea-Eva Ewels, in der „Welt“. Damit wird dem Bestsellerautor die gleiche Ehre zuteil wie zum Beispiel dem Schriftsteller Franz Kafka, der mit dem Adjektiv „kafkaesk“ ein sprachliches Denkmal erhalten hat. Wie bei diesem Synonym für rätselhaft und bedrohlich ist aber auch die Bedeutung von „sarrazinesk“ eher wenig schmeichelhaft, denn es steht nicht etwa für mutig, unbeugsam und wahrheitsliebend, sondern für pessimistisch, schlimm und grotesk. Apropos „grotesk“: Wo erscheinen eigentlich die Bücher von diesem Grot?   

Füße: Feucht

Es wird allgemein angenommen, dass der kühle und regnerische Sommer jedermann die Laune verdirbt. Dass das nicht unbedingt stimmt, zeigt folgender Dialog, dessen Zeuge ich dieser Tage an einem heftig verregneten Morgen in der Bäckerei wurde: „Ich hätte gern einmal trockene Füße zum Mitnehmen.“ – „Wir ham zwar trockene Füße, aber die bleiben schön hier.“   

Gollum: Gepeinigt

Der Autor Gunther Müller erinnert in seinem feinen Buch „Fette Vögel gehen öfter fremd – Skurrile Erkenntnisse aus der Welt der Wissenschaft“ (Bastei) an eine Studie über „Herr der Ringe“-Wicht Gollum aus dem „British Medical Journal“ von 2004. Darin untersuchten Mediziner die Ursachen für Gollums antisoziales Verhalten und kamen u.a. zu dem Ergebnis, organische Ursachen wie ein Hirntumor könnten ausgeschlossen werden, referiert Müller. Stattdessen könne „ein Mangel an Vitamin B12 die Ursache für seine extreme Reizbarkeit und Wahnvorstellungen sein. Eisenmangel erklärt seinen reduzierten Appetit und den Verlust von Haaren und Gewicht. (…) Hyperthyreose, eine Schilddrüsenüberproduktion, und eine Stoffwechselkrankheit wie Porphyrie kommen als Ursachen für seine außerordentliche Hässlichkeit in Betracht.“ Merken Sie sich das, liebe Leser. Wenn Ende des Jahres „Der Hobbit“ in die Kinos kommt, können Sie Ihre Sitznachbarn im Kino in ein Gespräch darüber verwickeln.

Bundesland: Bildend

Zum Schluss noch ein Reisetipp: Im Rahmen des Projekts „Per Pedal zur Poesie“ ist jetzt in Baden-Württemberg der „10. Literarische Radweg“ eröffnet worden, der von Nagold über Calw nach Pforzheim führt. In Internetforen haben allerdings die ersten Benutzer ihrer Enttäuschung schon Ausdruck verliehen, dass man auch auf dem zehnten Radweg für Literaturfreunde immer noch nicht gleichzeitig Rad fahren und lesen kann.

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