Wir liegen im Rahmen der kreativen Volatilität

Als einzige Bertelsmann-Konzernsparte hat Random House im vergangenen Jahr beim Umsatz nicht zugelegt (hier mehr). Dennoch sieht Random-House-Chef Markus Dohle (Foto) seine Sparte für die Zukunft gut aufgestellt. Noch zeichnet sich der digitale Wandel bei Random House Deutschland kaum in den Zahlen ab, in den USA könne der Umsatzanteil mit E-Books bis 2015 aber bei 40% liegen.
Random House war 2011 die einzige Bertelsmann-Konzernsparte, die beim Umsatz nicht zulegte. Beunruhigt sie das?

Nein. Natürlich ist es schön, wenn man jedes Jahr wächst. Aber: Unsere Umsätze waren in 2011 knapp 2% über den Umsätzen von 2008 und 2009, das ist entscheidend. 2010 hatten wir insofern ein besonderes Jahr, als die Umsätze der Stieg-Larsson-Bände in den USA und des Sarrazin-Bestsellers in Deutschland sehr hoch waren – um nur zwei besondere Highlights zu nennen. Damit lagen die Erlöse im vergangenen Jahr im Rahmen der normalen kreativen Volatilität im Buchgeschäft. In der langjährigen Perspektive, bereinigt um Sondereffekte, war 2011 ein sehr gutes Jahr.

Trotz der Borders-Pleite?

Die Borders-Insolvenz ist im vergangenen Jahr noch nicht ganz durchgeschlagen. 2012 ist dagegen das erste volle  Jahr ohne Borders, das heißt, wir sind mitten im Prozess, die Borders-Insolvenz zu verkraften. Ich bin trotzdem optimistisch für das Gesamtjahr, weil unsere Geschäfte im ersten Quartal 2012 in den USA und auch in Deutschland gut laufen.

Sie haben ein deutliches Wachstum bei den E-Book-Umsätzen im vergangenen Jahr ausgewiesen. Wo liegt der Umsatzanteil 2015?

Niemand hat die Kristallkugel, aber heute liegen wir in den USA bei 20 bis 25% – vor zwei Jahren waren wir noch einstellig. Daher halte ich einen Anteil mit digitalen Formaten oberhalb von 35% bis 40% in drei Jahren für möglich – natürlich mit regionalen Unterschieden.

Wo liegen Sie in Deutschland?

Zur Zeit bei ca. 4%, inklusive der Hörbuch-Downloads.

Bowker sieht erste Sättigungstendenzen auf dem US-E-Bookmarkt. Sie auch?

Wir haben genau vor einem Jahr unser Geschäftsmodell geändert und haben daher noch keine historischen Daten mit dem Agency-Modell. Deshalb ist die Vergleichbarkeit aktuell noch nicht gegeben. Ab dem zweiten Quartal lassen sich die Wachstumsraten besser vergleichen. Fakt ist aber, dass der Markt für digitale Lesegeräte weiter wächst, und das wird auch für Wachstum bei den Umsätzen mit digitalen Inhalten sorgen. Ich blicke sehr optimistisch in die Zukunft, wir wollen sowohl im Print- als auch im Digitalgeschäft Marktanteile gewinnen.

Die Erlöse mit Paperbacks sind 2011 in den USA um 36% eingebrochen. Tangiert Sie die Taschenbuch-Schwäche nicht?

Das Mass Market Format hat an Umsatz verloren, das stimmt. Das liegt aber auch daran, dass wir  die Titelanzahl reduziert haben. In diesem Jahr haben wir einige sehr starke Titel – unter anderem auch Taschenbuch-Originalausgaben, die womöglich unsere Paperback-Umsätze signifikant ansteigen lassen könnten.

Das Agency-Modell wird in den USA und Europa von Kartellwächtern attackiert. Wie sieht der digitale Markt ohne Agency aus?

Zu rechtlichen Fragen möchte ich mich nicht äußern, weil das schwebende Verfahren sind.

Die Fragen stellte Daniel Lenz. 
Foto: © Henrik Martinschledde

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