Auszeichnung für Antiagenten

Der Favorit hat am Ende das Rennen gemacht: Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse hat Wolfgang Herrndorf in der Roman-Rubrik ausgezeichnet.  Sein Abenteuerroman jongliere waghalsig mit verschiedenen Ebenen. Herrndorf hatte in diesem Jahr auch die Abstimmung durch das Internet-Publikum gewonnen.

Roman:  Wolfgang Herrndorf

Der beste Roman ist aus Sicht der Jury „Sand“ (Rowohlt) von Wolfgang Herrndorf. Der Autor selbst kam nicht nach Leipzig, um den Preis in Empfang zu nehmen, stattdessen nahm Robert Koall die Auszeichnung entgegen, ein Freund und Dramaturg seiner Stücke sowie Chefdramaturg am Staatstheater Dresden

Die Jury lobt den „furiosen Abenteuerroman“, einen „faszinierend verwirrenden Antiagenten-Thriller“, der so waghalsig wie gekonnt mit verschiedenen Ebenen jongliere. Was diesen Roman so einzigartig mache, sei, mit welcher Leichtigkeit, welcher Eleganz im Ton und welchem Sinn für Komik auch Wolfgang Herrndorf die absolute Alptraumszenerie erzähle.

Zum Inhalt des Romans (aus Sicht der Jury): „Die Geschichte spielt Anfang der 70er Jahre, sie spielt in Afrika, in brüllender Hitze, und in ihrem Zentrum steht ein Mann, der sein Gedächtnis verloren hat. Nicht einmal seinen Namen weiß er noch – als ihn jemand Carl nennt, ist er einverstanden. Carl, den wir blutüberströmt und mit einer Kopfverletzung kennenlernen, wird von mysteriösen Gestalten verfolgt, die er nicht kennt. Er wird gefoltert und weiß nicht, warum. Man will irgendetwas von ihm, aber er weiß nicht, was. Um sein Leben zu retten, verspricht er, es zu besorgen, was auch immer es ist – und von da ab kommt es eigentlich immer nur noch schlimmer. Er gerät von einer ausweglosen Situation in die nächste, was immer er auch beginnt, endet in einer Sackgasse. Eine geheimnisvolle blonde Frau namens Helen spielt womöglich ein falsches Spiel mit ihm. Dubiose Polizisten tauchen auf und verschwinden wieder. Das Buch liest sich spannend wie ein Agenten-Thriller. Nie lässt sich vorhersagen, wie die Handlung hinter der nächsten Kurve weitergehen wird, wer oder was dem Helden als nächstes übel mitspielen wird. Im Grunde handelt „Sand“ von der Sinnlosigkeit jeglichen Tuns und von Vergeblichkeit. Es kommt ja eh immer anders, als man denkt.“

Herrndorf hat Malerei studiert und unter anderem für das Satiremagazin „Titanic“ gezeichnet. 2002 erschien sein Debütroman „In Plüschgewittern“ (Haffmanns, Zweitausendeins), 2007 der Erzählband „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“ (Eichborn) und 2010 der Roman „Tschick“ (Rowohlt), der zum Überraschungserfolg wurde und mittlerweile in zwölf Sprachen vorliegt. 

  

Sachbuch: Jörg Baberowski 

Beim Sachbuch wurde Jörg Baberowski für die Stalin-Biografie „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt(C.H. Beck) ausgezeichnet. 

„Warum wurde der Traum von einer besseren Gesellschaft in Blut ertränkt?“ – Baberowski habe diese Frage auf neue Weise in einer packenden Gesamtdarstellung der stalinistischen Gewaltherrschaft beantwortet.

Baberowski, geboren 1961, studierte Geschichte und Philosophie und ist seit 2002 Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er gilt als führender Stalinismus-Forscher im deutschsprachigen Raum. 

Übersetzung: Christina Viragh

Den Preis in der Rubrik Übersetzung gewinnt Christina Viragh für Péter Nádas‚ „Parallelgeschichten“ (Rowohlt).

Eine „Herkulesaufgabe für einen Übersetzer“ sei das gewesen, lobt die Jury: Viragh habe für Nádas’ 1700 Seiten umfassenden Roman eine „atmosphärisch sehr dichte und genaue, vom Düsteren ins Helle schwingende Sprache gefunden“.

Die in Budapest geborene Übersetzerin, 1960 in die Schweiz  emigriert, übersetzte neben Werken von Nádas auch Sándor Márai, Imre Kertész und Henri Alain-Fournier. Ihr eigenes Werk umfasst mittlerweile fünf Romane, zuletzt erschien „Im April“ (2006).

Über den Preis

Seit dem Jahr 2005 wird jeweils am ersten Buchmessetag in der Glashalle der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 45.000 Euro dotiert und wird von einer 

siebenköpfigen Jury zu gleichen Teilen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung verliehen. Unterstützt wird der Preis durch den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB).


Die bisherigen Preisträger
 

Preisträger 2011

  • Belletristik: Clemens J. Setz, Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes (Suhrkamp). 
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 33 am 4.4.2011
  • Sachbuch: Henning Ritter, Notizhefte (Berlin Verlag)
  • Übersetzung: Barbara Conrad, Lew Tolstois „Krieg und Frieden“ (Hanser) 

Preisträger 2010

  • Belletristik: Georg Klein, Roman unserer Kindheit (Rowohlt Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 25 am 5.4.2010
  • Sachbuch/Essayistik: Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. (Verlag C.H.Beck)
  • Übersetzung: Ulrich Blumenbach für: David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 8 am 7.9.2009

Preisträger 2009

  • Übersetzung: Eike Schönfeld für die Übersetzung von: Saul Bellow: Humboldts Vermächtnis (Kiepenheuer & Witsch)
  • Sachbuch/Essayistik: Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen (Rowohlt Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 19 am 30.3.2009
  • Belletristik: Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (Suhrkamp Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 30.3.2009

Preisträger 2008

  • Übersetzung: Fritz Vogelgsang für Joannot Martorells: Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc (S. Fischer Verlag)
  • Sachbuch/Essayistik: Irina Liebmann: Wäre es schön? Es wäre schön.(Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 37 am 14.4.2008
  • Belletristik: Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter (S. Fischer Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 27 am 31.3.2008

Preisträger 2007

  • Übersetzung: Swetlana Geier für die Übersetzung von Fjodor Dostojewskijs: Ein grüner Junge (Ammann Verlag).
  • Sachbuch/Essayistik:Saul Friedländer: Die Jahre der Vernichtung. (Verlag C.H. Beck).
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 47 am 23.10.2006
  • Belletristik: Ingo Schulze: Handy. (Berlin Verlag)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 10 am 9.4.2007

Preisträger 2006

  • Übersetzung: Ragni Maria Gschwend für die Übersetzung von Antonio Moresco: Aufbrüche (Ammann)
  • Sachbuch/Essayistik: Franz Schuh: Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche (Zsolnay)
  • Belletristik: Ilija Trojanow: Der Weltensammler (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 12 am 8.5.2006

Preisträger 2005

  • Belletristik:Terézia Mora: Alle Tage (Luchterhand)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 29 am 11.10.2004
  • Sachbuch/ Essayistik: Rüdiger Safranski: Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus (Hanser)
    Beste Platzierung in der SPIEGEL-Bestsellerliste: Rang 9 am 23.05.2005
  • Übersetzung: Thomas Eichhorn für Les Murray: Fredy Neptune (Ammann)

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