Kürzer, schneller, digital

Der Arbeitskreis Touristikverlage trifft sich im Zeichen einer positiven Umsatzentwicklung fürs Reisesegment. Der Druck hat sich aber, gerade für kleinere Verlage, nicht verringert, sagt Hoffmann-Verleger Thomas Bleicher.

Wie sehr sind die Touristikverlage unter Druck?
Unter Druck gesetzt wird das Touristiksegment durch den Einfluss des Internets, durch E-Books und durch das veränderte Reiseverhalten der Menschen: Wurden früher vor allem Fernreisen unternommen, so stehen jetzt die kürzeren Destinationen im Mittelpunkt. Das hat zur Folge, dass Inhalte sich schneller überholen, die Produktionszeiten sich aufgrund der geforderten Aktualität  verkürzen. Außerdem sind die Ansprüche an die Bebilderung gestiegen, die Menschen wollen sich nicht nur über Texte, sondern auch durch schöne Bilder inspirieren lassen.

Welche Folgen hat das für das Verlagsgeschäft?
Bestimmte Printprodukte erscheinen in geringeren Auflagen oder in anderen Formaten. In unserem Verlag sind wir gerade dabei, eine Reihe komplett umzustellen, weil die Vorbereitung auf Reisen nicht mehr unterwegs, sondern eher zu Hause stattfindet und größere Formate in gehobener Ausstattung verlangt werden. Auch wird mehr Kartografie gewünscht.

Wenn das E-Book jetzt weitere Kreise zieht: Wie radikal muss die Neuerfindung  des Buches sein, weil bei diesem Thema das einfache E-Book nicht genügt?
Sicherlich sind die Anforderungen im touristischen Bereich größer als in der Belletristik. Gefordert ist der berühmte Zusatznutzen, also weitere Informationen, Daten und Fakten.

Sind die Touristikverlage da auf einem guten Weg?
Ich denke schon, vor allem die großen Player sind in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Bei den kleineren Verlagen setzt das Um­denken erst langsam ein, zumal der Aufwand für diese Verlage natürlich ein viel größerer ist.

Wenn die Anforderungen groß sind: Stärkt das die bereits ausgeprägte Dominanz des Marktführers?
Kurzfristig mag das so sein. Mittelfristig, da bin ich mir sicher, werden die Kleineren durch ihre Flexibilität gegenhalten können.

Was kann der Arbeitskreis Touristikverlage hier leisten?
Die Aufgabe des Arbeitskreises ist vor allem, zu sensibilisieren und aufzuklären, als auch die Kollegen und Kolleginnen dazu zu animieren, strategische Allianzen einzugehen. Vorstellbar wäre eine zentrale Datenbank bei einem Kollegenverlag, mit digitalen Inhalten, auf die andere Verlage dann Zugriff haben würden. Vorstellbar wäre außerdem eine gemeinsame Vertriebsplattform.                

Die Fragen stellte Nicole Stöcker

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