Digitaler und immer komplexer

Die wesentlichen Herausforderungen fürs wissenschaftliche Publizieren liegen nicht mehr im Open Access, also dem geforderten kostenfreien Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen, sondern in der Bewältigung komplexer werdender Publikationsanforderungen, hat buchreport.express (3/2010) die zweitägige Berliner Tagung Academic Publishing in Europe, kurz APE zusammengefasst. Die in Englisch geführte Tagung kann jetzt als Videomitschnitt nachvollzogen werden.

buchreport hatte die APE zugespitzt mit folgenden an Vorträgen festgemachten Thesen zusammengefasst (die Links führen jeweils zu den einzelnen Videomitschnitten):

  • Die Wissenschaftskommunikation wird immer digitaler, immer schneller, immer komplexer. Wissenschaftler wollen einen Immer-und-überall-Zugang, sie wollen Inhalte nicht nur lesen, sondern auch verarbeiten (z.B. verschlagworten und verlinken) können. Hierzu DFG-Präsident Matthias Kleiner.
  • Immer mehr Wissenschaftler produzieren immer mehr Output, der mit dem klassischen Publikationsmodell nicht mehr bewältigt werden kann, nicht von Verlagen, nicht von Bibliotheken und auch nicht durch das Open-Access-Modell. Diese Kernfrage, bemängelt Ingrid Wünning Tschol von der Robert Bosch Stiftung, werde zur Zeit nicht qualifiziert diskutiert oder bearbeitet.
  • Qualitätssicherung und Reputationsermittlung haben, je mehr Inhalte es gibt, eine wachsende Bedeutung: Wissenschaftler brauchen hochwertige und geprüfte Inhalte. Doch die Instrumente zur Ermittlung der Reputation (wie z.B. der Impact-Faktor) erweisen sich als nicht ausreichend, wie u.a. Michael Jubb vom Research Information Network (RIN) erläuterte.
  • Die klassischen Produktformen Artikel, Aufsatz und Monografie sind (und bleiben auf absehbare Zeit) der Kern der Wissenschaftspublizistik. Doch sie werden, vor allem in den naturwissenschaftlichen Disziplinen, verstärkt durch neue Veröffentlichungsformen abgelöst, die auf der Semantic-Web-Technologie basieren, so dass aus statischen Artikeln dynamische Dokumente werden, wie Prof. Stefan Gradmann (Humboldt Universität, Berlin) erläuterte.

Verlagsberater Ehrhardt F. Heinold, der auf der APE-Konferenz ein „Future Lab“ leitete, zog in einem Resümee für Verlage folgende Konsequenzen:

  • Open Access hat sich von einer Bedrohung zu einem weiteren Geschäftsmodell entwickelt, das die Rolle von Verlagen nicht grundlegend verändert.
  • Verlagsmarken (wie Zeitschriften) in Kombination mit dem Wissen um Qualitätsprüfungsprozesse sind und bleiben zentral für die Bedeutung von Verlagen.
  • Das Management von Inhalten bleibt Kernkompetenz von Verlagen, auch wenn das technische Know-how ständig weiterentwickelt werden muss.
  • Serviceleistungen, die Inhalte nicht nur veredeln, sondern auch in den Workflow von Institutionen und Wissenschaftlern integrieren, werden immer wichtiger in der Wertschöpfung.

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