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Verlage haben Blut geleckt

Den richtigen Riecher für Bestseller hat in den vergangenen Jahren der Carlsen Verlag gehabt, der dem Erfolg mit „Harry Potter“ direkt die Vampir-Saga von Stephenie Meyer (Foto) folgen ließ und – mit zwei „Bis(s)“-Romanen auf der Spiegel“-Jahresbestsellerliste Belletristik – 2009 den voraussichtlich größten Umsatzzuwachs unter den Publikumsverlagen verbuchen konnte.

Daher überrascht es wenig, dass auch andere Verlage Blut geleckt haben und es in den Frühjahrsvorschauen von Vampiren, Werwölfen, Zombies und anderen Schattenwesen nur so wimmelt. Dabei findet der Bezug zu Meyer auf recht unterschiedliche Weise statt: Mal wird offen damit geworben, der Titel trete die – natürlich „einzig legitime“ – Nachfolge der „Bis(s)“-Reihe an, mal grenzt man sich ab („Vampire wollen keinen Kuschelsex“) oder liefert „die deutsche Antwort auf Stephenie Meyer“. Recht häufig versuchen die Verlage über die Cover-Gestaltung die Zielgruppe zu locken: Beliebtes Motiv ist eine junge Frau mit verträumtem Blick, beinahe unverzichtbar sind offenbar florale Ornamente, die an sogenannte „Tribals“ bei Tätowierungen erinnern.

Der Vampir-Boom zeichnet sich besonders deutlich im Taschenbuch ab

Die Titel-Flut ist gewaltig: Eine Recherche bei buchkatalog.de unter dem Stichwort „Vampir“ liefert für 2010 allein rund 80 Treffer. Die aktuellen Vorschauen der Verlage zeigen, welche zum Teil merkwürdigen Blüten der neue Fantasy-Trend treibt. Ein beispielhafter Einblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Vor allem im Taschenbuch wird hemmungslos gebissen: Die ganze Palette des Blutsauger-Genres bespielt der Heyne Verlag, von der „Bis(s)“-Parodie (Frau Meier: „Bis(s) einer weint“) über Vampir-Serien („Black Dagger“-Romane) bis zum „Speed-Metal-Gegenentwurf zu Meyers blutleeren Vampir-Bestsellern“ („Bis zum letzten Tropfen“). Darüber hinaus treiben die vom Feuilleton als „proletarisch“ geziehenen Zombies („Nachtseelen“, „Eden“, „Stolz und Vorurteil und Zombies“, „Anonyme Untote“) bei Heyne ihr Unwesen.
  • Blanvalet portioniert die Vampir-Novitäten monatlich: Lizenzen wurden eingekauft für „Wächterin des Mondes“ (Mai), „Evernight“ (Juni, neues HC auch beim Fantasy-Label Penhaligon), „Ein Vampir zum Anbeißen“ (Juli) etc.
  • Novitäten mit offensichtlichem Vampir- oder Werwolf-Bezug haben viele weitere TB-Verlage, u.a. Goldmann („Unsterblich wie die Liebe“), dtv („Vampirgeflüster“), cbt („Der Kuss des Dämons“), Ullstein („Auf den Schwingen der Nacht“), Page & Turner („Evermore“) und Piper („Untote küssen besser“).
  • Im Harcover ist Ende Dezember bei S. Fischer/FJB mit „Gezeichnet“ der erste Band der „House of Night“-Reihe des Autoren-Duos P.C. und Kristin Cast (Mutter und Tochter) gestartet, der sich bereits an die Spitze der „Spiegel“-Bestsellerliste Belletristik gesetzt hat. In den USA hat die Macmillan-Tocher St. Martin’s Griffin rund 8 Mio Exemplare der bisher erschienenen sechs Bände verkauft. In Deutschland ist der zweite Band („Betrogen“) für März angekündigt, auch Band 3 und 4 sowie eine Verfilmung sollen noch 2010 folgen.
  • Verglichen mit dem „Twilight“-Hype ist Anfang Januar relativ unbemerkt die Kino-Adaption von „Mitternachtszirkus“ angelaufen. Die Vampir-Serie von Autor Darren Shan, die sich international mehr als 12 Mio Mal verkauft haben soll, erscheint im Fantasy-Imprint Pan der Verlagsgruppe Droemer Knaur.
  • Angesichts des allgemeinen Vampir-Booms konnten offensichtlich auch Bestseller-Autoren wie Wolfgang Hohlbein („Wir sind die Nacht“, Heyne) und Markus Heitz („Judassohn“, Knaur) dem Vampirismus nicht widerstehen.
  • Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: „Dieses Jahr gehört den Engeln“ meint Piper („Der Kuss des Engels“); auch Droemer schlägt bereits kräftig die Werbetrommel für „Angelus“ mit Online-Kampagne und „mobil“-Buchpremiere.

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